Die Drogenlüge

Ein Typ stand mit heruntergelassener Hose in der Disco, schlug um sich, wachte im Krankenhaus auf. Eingepinkelt, Klamotten weg, ebenso wie der Selbstrespekt. Super.

Eine Freundin berichtete mir den nächsten Fall: Fällt ein Typ in der Disco um, ein Brite auf Junggesellenabschied, sie begleitete den Unbekannten mit ins Krankenhaus, wo er die Drogen, die er nur an diesem Abend intus hatte, angab: Gut gesoffen, dann MDMA, Koks, weil alles nicht gleich geknallt hat, noch Speed hinterhern—und nu übergab meine Freundin seine einzelnen Zähne, von der Tanzfläche aufgesammelt, an den behandelnden Arzt im Praktikum, rund fünf Jahre jünger als der Manager mit seinem schief gelaufenen »Recreational Drug Use«, wie das Phänomen im Englischen heißt. Und immer öfter immer mehr immer krassere Storys in dieser Art!

Weil nicht nur mir der unkontrollierte Drogenkonsum in unserer »Partystadt« langsam gegen den Strich geht—wir haben mehr zu bieten als billige Chemie!—möchte ich hier eine Vision aus Mathias Bröckers (Bestseller-Autor, ehemaliger taz-Redakteur und Zeit-Kolumnist) neuem Buch »Die Drogenlüge« vorstellen, die vielleicht irgendwen in der Politik irgendwann mal zum Umdenken anregen könnte?

Bröckers wünscht sich, dass es in Zukunft, nach Legalisierung diverser Drogen (also staatlich kontrollierter Drogenabgabe, um den blutrünstigen Schwarzmarkt auszuschalten), Drogenkaufhäuser gibt, und zwar nach folgendem Modell: Zu erst wird über »nichtpharmakologisches Enhancement«, also Sport, Spiel, Yoga, Meditation aufgeklärt. Wem das nicht reicht, der darf mit seiner Kundenkarte, auf der jedes Shopping vermerkt wird, in den ersten Stock. Wenn das Shopping zu viel wird, gibt‘s wie in Portugal die Pflicht zur therapeutischen Beratung. Hier werden Cannabisprodukte aus Öko- und Fair-Trade-Anbau verkauft, im zweiten Stock soll es Stimulanzien, natürlich rein und pflanzlich geben—eher Ephedra, das alte Radfahrermittel als tschechisches Drecks-Speed.
Hört sich gut an—oder verrückt? Sollen Berater am Besten gleich in den Easyjetter gesetzt werden oder Pflichtvorlesungen vor allen Club- und Discotüren abhalten?

Wer weiterlesen will: Mathias Bröckers, »Die Drogenlüge: Warum Drogenverbote den Terrorismus fördern und Ihrer Gesundheit schaden «, Westend-Verlag.

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