Liebe Leser(etc. pp),
es ist geschehen: Der Schnee ist weg! Doch was sehen unsere entzündeten Augen: Der Dreck, den die Silvesternacht hinterlassen hat ist wieder aufgetaucht! Alles ist nun nicht mehr voll schwarz-grauem Gletscher, sondern voller roter Böllersiffe und zerballerten Sektflaschen. Gab’s früher nicht mal irgendeine Initiative wie „Halte deine Stadt sauber!“? Oder gibt’s hier in Berlin nicht noch – wenn man nach Mr Westerwave geht – eine Horde tödlich gelangweilter Hartzis (die Hartzforce!), die gerne mal mit Schippe und Eimerchen ihrem Leben wieder einen Sinn verleihen sollten, anstatt ihr dekadenzerfülltes Leben der Ziellosigkeit zu genießen? Nun ja – einiges bewegt sich dieser Tage sowohl in der Politik als auch in Berlin. Was wo wie wann geht, lest ihr wie immer hier.
Ein schönes Wochenende wünscht
Euer [030]-Team
1. Festival Musik und Politik

Politische Liedermacher sind meistens bärtige Mittfünfziger mit Akustikgitarre im Anschlag, Straßenmusikerkluft und einschlägiger DDR-Knasterfahrung. Dem vom Konsum indoktrinierten Durchschnittsmenschen fällt es meist schwer, diese politisch engagierten, bodenständigen Menschen ernst zu nehmen. Das traditionsreiche Festival Musik und Politik huldigt unbeirrt großen Protestmusikern. Das größte Stück vom Ruhmeskuchen bekommt Mikis Theodorakis serviert. In der Volksbühne finden sich Stars wie Vicky Leandros, DDR-Ikone Gerhard Schöne oder Konstantin Wecker sowie viele weitere Künstler zu einer musikalischen Hommage an Theodorakis ein. Neben Theodorakis wirft das Festival Rückblicke auf Pete Seeger und Wladimir Wyssozki. Politische Musik der Gegenwart gibt’s aber auch: Die Crew »La Résistance« spielt im am 27.2. im Grips.
25.-28.02. in Volksbühne, Gorki, Grips, Wabe, Zapata und ZwiEt
2. Anaesthesia - Händel with care

Georg Friedrich Mike Eva Händel, oder so ähnlich, feiert dieser Tage seinen 325. Geburtstag. Die Party in seinem Erdmöbel dürfte allerdings etwas dürftig ausfallen. Deshalb begeht das freie Berliner Theaterensemble Nico and the Navigators die Sause hier in Berlin mit »ANAESTHESIA«. Zur Feier des Tages kredenzt man eine sogenannte Pasticcio-Oper, eine Oper, die aus verschiedenen Werken Händels zusammengesetzt ist. Das fetzt zusammen mit dem extrem lustigen Spiel der durch die Bank jungen Navigators ungemein. Wer schon immer Berührungsängste mit spätbarocker Musik oder Oper hatte, der findet hier einen sanften und durchaus unterhaltsamen Einstieg in die Sphären der Hochkultur.
02. bis 04.03. um 20 Uhr im Radialsystem V Berlin, Holzmarktstraße 33, www.radialsystem.de
3. PABO: Face to Face

In der schnuckeligen Galerie Superplan treiben einige streetartophile ihr Unwesen und bescheren uns in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Ausstellungen aufstrebender Straßenkünstler wie nun PABO. PABO klebt gern Gesichter und Personen an Berliner Stromkästen und Wände. Seine Figuren sind gezeichnet, die Künstlichkeit und Vergänglichkeit der Werke schwingt durch die groben Striche seiner Zeichnungen stets mit. Eine kleine Auswahl von PABOs Werken gibt es im Internet zu sehen. Aber Achtung: Nicht PABO, sondern »PABO Berlin« googeln oder gleich zu Flickr! Kann ja keiner ahnen, dass Pabo auch ein Erotikversand ist. Im Übrigen lohnt sich der Besuch in der Studiogalerie Superplan für Freunde der Streetart generell – gerade sind limitierte Drucke der Studioartists BASE23, INK-A-ZOID, PABO und PISA73 erhältlich.
Noch bis 14.03. in der Galerie Superplan, Gärtnerstraße 33A, www.superplan.net
4. Burnt Friedman & Jaki Liebezeit

Jaki Liebezeit wurde weltbekannt als Schlagzeuger von Can, der einflussreichsten und bekanntesten Band aus Deutschland nach Kraftwerk. Sein minimal-reduziertes Spiel prägte ganze Generationen von Schlagzeugern. Dieses trifft nun auf Burnt Friedmans nicht minder subtile Elektronik.
Man kann sich auf eine raffinierte Musik zwischen Krautrock und Jazz freuen.
Fr 26.02. ab 21 Uhr in der Volksbühne
5. Partytipps für Freitag
Bass The World
Fr 26.02. ab 23 Uhr im Club Josef
Der neueste Londoner Dance Music-Bastard hört auf den Namen UK Funky.
Da der Berliner DJ Maxximus ein bekennender Bassfetischist ist,
präsentiert er bei seiner feinen Partyreihe mit Cooly G. und
Ramadanman zwei angesagte junge Protagonisten der Bass Music aus Uk.
Rekids Nacht
Fr 26.02. ab 24 Uhr in der Panoramabar/Berghain
Radio Slave ist das DJ-Alias des englischen Wahlberliners Matt Edwards. Zum gefragten Remixer wurde er 2004 mit seinem New Order-Kylie Minogue Mash-up. Inzwischen sind epische TechHouse-Tracks Matts Spezialität.
Mit seiner Plattform Rekids hat er eine monatliche Residenz in der
Pannebar inne. Spezialgast ist diesmal der Label-Neuzugang Nina Kravitz.
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Ed Banger Night
Fr 26.02. ab 23.30 Uhr im Icon
Mit dem bratzigen Ed Banger Sound – harter Electro, Ravesignale, Popmelodien – haben The XX herzlich wenig zu tun. Die zerbrechliche Musik der Londoner »Newcomer 2009« (Clash Magazin) verbindet nichts mit dem Dancefloor-Tohuwabohu der Pariser Maximal-Schmiede.
Neben Ed Banger-Act Vicarious Bliss ist The XX-Beatmaster Jamie Smith trotzdem die richtige Besetzung an den Icon-Turntables.
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6. Partytipps für Samstag
Das Purimspiel
Sa 27.02. ab 23 Uhr im Suicide Circus
Wenn sich BPitcher und Israeli Chaim als Unterstützer ankündigt, kann die Sache so schlecht nicht sein.
Ursprünglich handelt es sich bei einem Purimspiel übrigens um die
theatralische Darstellung der jüdischen Bibel. Jiddischer Humor und
Verkleidungen inklusive. Unterlegt mit den Sounds von James Blonde,
Magit Cacoon, Dekay, Omer Benziony und Micha Pinetzki, klingt das nicht
unspannend.
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Wiedereröffnungspartys
Fr 26. + Sa 27.02. ab 21 Uhr im Grüner Salon
Für die rauschende Wiedereröffnung ist vom Parkett über die jetzt in sattem Grün leuchtenden Wände bis zu den Lampenschirmen alles nagelneu und blank gewienert. Auch am Programm wurde ordentlich geschraubt.
Demnächst präsentieren sich neue Party- und Konzertreihen. Aber jetzt
gilt es erst mal, den neuen Glanz zu feiern. Die Salondamen
erwarten euch.
TV Eye Labelfest
Sa 27.02. ab 22 Uhr im Bassy Club
Normalerweise bedienen Rhys Webb und Coffin Joe Bass und Schlagzeug bei der Londoner Indie-Rock-Band The Horrors, deren aktuelles Werk „Primary Colours” vom britischen NME zum „Best Album 2009“ gekürt wurde. Bei Frank Popps Partyreihe stellen sich die zwei Hipster hinters DJ-Pult, um zwischen Freakbeat, 60ies Garage, Punk, Wave und Krautrock ihre musikalischen Einflüsse vom Kopf auf die Füße zu stellen.
Da wird die heutige UK-Liveband, The Bacchale um Frontfrau Harriet Hyde, fast zur Nebensache.
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Der [030] & KISS FM Party-Ticker
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