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Geschrieben von Shelley Masters   
Heute berichte ich von der Fusion! Die Sonne schien, die Stimmung war knorke und die rund 60.000 Ferien-Kommunisten erfreuten sich bester Musik.  Party, campen und neue Freunde finden, am Dancefloor und am Badesee, da muss man sich schon blöd anstellen, um das nicht zu genießen.

Wie der–zum Glück nur eine Freak–den ich nahe des bunten Bachstelzen-Floors wahrnahm. Noch am Montagnachmittag waberte es hier, es war heiß, die meiste Energie verschossen, also wurde langsam und unter Kifferei zu niedlichen Songs gewackelt. Doch nicht alle wollten sich mit der Rastadroge geschmeidig machen. Ich sah einen fertigen Typen beim Vorbereiten und Setzen einer Spritze. Horror! Da beim Fusion Festival nach dem Motto »Die Freiheit des Einzelnen hört da auf, wo die Freiheit des Anderen anfängt« gefeiert werden soll, fühlte ich mich belästigt und in meiner Verantwortung ertappt. Meine Generation wurde mit der Lektüre von »Christiane F.« sensibilisiert, dass Menschen, die sich was spritzen, Hilfe brauchen und andere gefährden–sei es nur durch das druffe Herumliegenlassen ihres Drecks-»Bestecks« im Barfußtanzsand. Ich will mich nicht verantwortlich fühlen müssen für Leute, die sich selbst in Lebensgefahr bringen! Ich schenkte dem Halbverhungerten Kuchen, schaute ihn intensiv an und befahl ihm: »Pass besser auf dich auf!« Mein Spaß an der Location, dem verzauberten Stelzwald, war dann erst mal perdu.

Wer richtig viel Spaß hatte, war der charmante tätowierte Herzensbrecher, der auf einer kleinen Kawasaki das Fusion-Taxi gab und beim Kutschieren akrobatische Stunts hinlegte. Als er allerbester Laune war, sang, tanzte und jubelte er auf der kleinen Karre, machte Spagat auf dem Tank und all solche Sachen, die zwar gefährlich, aber bei Tempo 20 auf Waldweg nicht lebensgefährlich waren. Um schneller durch die pilgernden Massen zu kommen, forderte er seine Passagiere auf, Sirene zu spielen und »Tatü-tata« zu brüllen. Kaum am Fahrziel angelangt, wollten die beiden ihn nötigen, Drogen zu verkaufen, so plump, wie nur junge Zivilpolizisten sich anstellen können. Erschreckt rannte Taxi-Baby weg. Weil er so viel Liebe und Kreativität in seine Bike-Performance gesteckt hatte, seine Fahrgäste entertainen wollte, weinte er kurz über die Gemeinheit der Polizisten, kam dann aber aus dem Lachen nicht heraus: Schließlich hatte er es gerade geschafft, Vertreter der öffentlichen Zucht und Ordnung über einen Kilometer lang »Tatü-Tata«, auf einem irren Festival brüllen zu lassen.

¶ [Love Shelley Masters]



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