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Geschrieben von Jürgen Laarmann   
Der Berliner Bierverchecker erzählte mir von seinem harten, alltäglichen Kampf an den Zäunen der Beach-Bars und sonstigen Open-Air-Locations. »Wenn man auch nur eine Sekunde nicht genau hinguckt, gibt’s hier in Berlin fast überall die Klientel, denen kein Hindernis zu schwierig erscheint, nicht doch noch einen Kasten Sternburger in die Location zu schmuggeln.« Dies sei zu einer regelrechten Sportart geworden. Wenn nun aber die Security den Schmuggelvorgang beobachte und einschreite, will heißen, den Sterni-Kasten einkassiert, dann käme es ebenfalls zu eigentümlichen Ritualen.

Persönliche Vorwürfe an die Security à la »das ist jetzt nicht ok von Dir, uns das Sterni wegzunehmen–was bist du für ein Mensch!« seien an der Tagesordnung. Ebenso Verhandlungen über eine eventuelle Pfandgeldrückerstattung. »Nu is schon unser Bier weg, da wollen wir wenigstens Ersatz für den Flaschenpfand.«
Szenenwechsel. Ausgerechnet nach Cannes an die Cote d‘Azur. Die Agentur hatte zu einer 2,5-tägigen Mitarbeitermotivationsreise eingeladen. All inclusive bis auf die Extras. Unter Extras lief, nach dem Abendessen auf eigene Faust loslaufen und auf der Croisette in die Disco gehen, sofort von zwei hübschen Russinnen umringt zu werden und zu hören »Wanna spend me a drink?« So wie im Puff, nur ohne Puff.

Für eine Sekunde war ich geneigt, sofort zu intervenieren, denn dergleichen »Wanna Spend Me«-Arien führen selten zu was Gutem, und wenn man keinen Blick in die Karte geworfen hat, dann können die Folgen ruinös werden. Doch die kleine Russin sagte nur »three Heineken for us« zum Kellner, was sich deutlich besser anhörte als »a magnum bottle champagne, but only Roederer Crystal«. Da wollte ich nicht ultraschäbig dastehen, als ob ich nicht mal mehr Kohle für drei Hollandbierchen auf Tasche hätte. Inzwischen hatte ich einen Blick auf die Getränkekarte werfen können und entdeckt, dass das 0,33 Fläschchen mit Abstand das günstigste Getränk des Ladens war, allerdings immer noch mit stolzen 9,50 Euro. Der nächstteure Cocktail-Drink kam auf 21 Euro. Ich fühlte Erleichterung, da ich noch einen Hunni hatte, also von der Zahlungsunfähigkeit noch zwei Drinkrunden entfernt war.

Da musste ich an die Sterni-Schmuggler denken, denen ich das Gefühl der tiefen Dankbarkeit, nur 9,50 Euro für ein 0,33 Bier zu bezahlen, kurz mal vermitteln wollte.

Die Russinnen haben übrigens die zweite Runde auf ihre Kappe genommen und dann vorgeschlagen, dass man sich doch im 24-Stunden-Supermarché lieber paar Dosen kauft und an den Strand setzt.

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