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Jetzt mal Tacheles - Eine Satire PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Laarmann   
Dass es dem Kunsthaus Tacheles an den Kragen gehen soll,  ist nicht neu—das geht schon seit Jahren so, und wenn man sich mal anschaut, was sich drum herum in der Friedrichstraße und der Oranienburger so getan hat, kann man wahrhaft ganz Asterix-mäßig vom kleinen gallischen Dorf sprechen, dass der scheinbar hoffnungslos überlegenen Übermacht Paroli bietet und die Fahne hoch hält im Kampf gegen »piefigen Neo-Barock mit Kapitälchen«. Hierfür muss man die Tachelesen loben—dass sie die Kapitälchen zielsicher als etwas identifiziert haben, dass uns zeigt, dass, wo immer sie angewendet werden, etwas gehörig schiefläuft. Also achtet beim Restaurantbesuch darauf, nur in Locations zu essen, die keine Kapitälchen im Logo oder in der Speisekarte haben.

Die Verdienste des Tacheles sind darüber hinaus wirklich unermesslich—als Künstler und Atelierlocation ohnehin, als touristisches Highlight für Menschen aus aller Welt, die schnell ‘ne Prise wildes Wende-Berlin mitkriegen wollen, und mit der Rückseite als Backgroundkulisse für unzählige HipHop-Videos—Denkmalschutz hat das Haus schon, nun sollte dieser Status auch den Bewohnern und Benutzern verliehen werden. Denn 20 Jahre, nachdem die Ruine besetzt wurde, sollen die jetzt mal wieder vertrieben werden und das Haus luxussaniert, ein 5-Sterne Hotel soll reinkommen und es soll alles ganz New York-like werden.

Schon die ganze Geschichte ums Tacheles-Areal ist eine einzige Berliner Schmierenkomödie. Das Gelände hatte sich direkt nach der Wende ein Mann gesichert, dessen Namen so klingt, als hätte ihn RTL wegen Unglaubwürdigkeit doch nicht für die Besetzung des deutschen J.R. Ewings für eine Soap Opera verwendet. Da wohl auch andere Geschäfte leider  nicht so liefen, wurde das Areal beliehen und der Kredit scheinbar nicht oder nicht so richtig zurückbezahlt, so dass nun alles zwangsverwaltet wird—ausgerechnet durch eine soeben von uns Steuerzahlern mit 30 Milliarden vor der Pleite geretteten Bank. Die neuen Verwalter wollen nun die Tachelesianer aus dem Gebäude raushauen—mit dem freundlichen Hinweis, sie könnten nach Kreuzberg oder Friedrichshain ziehen.

In den nächsten Wochen wird’s alle möglichen Solidarisierungsaktionen für das Tacheles geben—sogar Dr. Motte hat so eine schöne neue Aufgabe gekriegt. Dabei wäre doch stadtentwicklungstechnisch ein ganz anderer Move sinnvoller. Alle Künstler, die kein Atelier mehr im begehrten Tacheles gekriegt haben, kriegen eins von der Stadt gestellt und zwar in Daimler City am Potsiplatz, wo sich ja gerade die Finanzsparte des Konzerns nach Stuttgart verkrümelt.

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