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Es hätte so schön sein können... PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Shelley Masters   
An meine erste Loveparade erinnere ich mich genau: Ich hatte samstags Schule  und bin danach mit meiner besten Freundin auf den Kudamm gezogen. Die schnelle Musik war neu, wir kannten sie zwar schon aus dem Ufo, aber unsere Herz-Kreislaufsysteme waren noch nicht daran gewöhnt, so dass die pushende Music tatsächlich noch unsere »drug« war.

Wir paar Hundert kamen uns vor wie Aliens, die angeheuert worden waren, um den Touris ein Spektakel zu inszenieren, aber bald nahm unsere gute Stimmung und das Gemeinschaftsgefühl überhand, so dass wir buntes Völkchen die anderen als Aliens in beige wahrnahmen. Jung, frei, verrückt! In den folgenden Jahren wurde es immer wilder. Wir genossen es, die City-West zu übernehmen.

Nie werde ich vergessen, wie wir den Wittenbergplatz enterten, einfach nicht aufhörten zu tanzen—wir fühlten uns wie Revolutionäre, die ganz naiv mit »Friede Freude Eierkuchen« ein bisschen gaga und dadaistisch, aber immerhin doch für Weltfrieden tanzten. Es gibt ja bis heute Menschen, die meditieren, spenden oder töten für Weltfrieden—Tanzen schien uns da am vernünftigsten. Es dachte damals doch niemand daran, wie es enden könnte. Ich trug weißblonde Haare und tanzte auf einem holländischen Wagen, plötzlich hielten mich irgendwelche Fans für die DJane Miss Djax und ich musste Autogramme geben und Küsse verschenken.

Die beste Parade war die letzte auf dem Kudamm, die letzte, die ich als (damals war der Begriff nur für Insider) »Raverin« aktiv mitmachte—Polizisten kletterten auf Baugerüste, wir beschossen sie mit Riesenwasserpistolen, woraufhin die Herren den Oberkörper von der Uniform befreiten und einfach mittanzten. 1996 hatte ich schon Jobs als Presse- und Eventmanagerin zur Parade. Anstatt mich in eine Massenveranstaltung auf dem 17. Juni zu begeben, arbeitete ich 24 Stunden am Stück und verdiente 1.200 DM cash.

Da es nicht nur mir so ging—»zu viele Leute, zu viele Touris, lass ma besser Kohle machen«—kam es wie es kommen musste: Schon 1997 schämte man sich für die peinlichen (Styling-)Exzesse der Teilnehmer und scheffelte an dem Tag entweder fette Kohle oder floh aufs Land, zur Anti-LP-Party, der »Nation of Gondwana«. Als die Parade nach Wessiland abzog, war keiner aus meiner, der ersten Berliner Techno-Generation, traurig, war es doch längst nicht mehr das Event, das wir unter Dr. Mottes humoristischer Führung meinten.

Und nun? Ich hoffe, dass dem kommerziellen Drogen-Sauf-hässliche-Verkleidungs-Event ein Ende gesetzt wird. Kommt was danach?

¶ [Love Shelley Masters]



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