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Geschrieben von Jens Fischer
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Mit Jam-Philipp Possmann und Georg Scharegg
In Mitte stapeln sich die Theater wie Räucheraal auf dem Fischmarkt. Zwischen dem Kampf um Fördermittel und mit dem Christbaumschmuck fanden die Dramaturgen Georg Scharegg und Jan-Philipp Possmann die Zeit, uns etwas über die schnelllebige Berliner Theaterszene zu verraten.
Possmann ist Dramaturg und Kurator der vom Senat wohl subventionierten
sophiensæle, hat vor gut vier Jahren das Cookies zur Theaterbühne
gemacht und trägt wesentlich zum 100° Berlin Festival bei. So
unterstützt er junge KünstlerInnen. Der 15 Jahre ältere Georg Scharegg
betreibt hingegen den zwar ein bisschen, aber weit weniger
unterstützten und experimentelleren Theaterdiscounter, dessen Name als
Anspielung auf die knauserige Kulturpolitik des Berliner Senats
verstanden werden soll.
Die Berliner Theaterlandschaft sehen beide als eine der vielfältigsten
in Deutschland.
Masse statt Klasse? Nein. Da sind sie sich einig. Denn
dank der nimmermüden Konkurrenz scheint man gezwungen, stets neue Wege
beschreiten zu müssen, um das Publikum zu begeistern. Dieser Eindruck
der engagierten Szene "ist natürlich ein Problem, weil die
Öffentlichkeit den Eindruck bekommt, hier liefe alles wunderbar und
alle sind wahnsinnig kreativ. Aber übersehen wird, dass das mit sehr
viel Druck, vor allem Vermarktungsdruck, verbunden ist“ - so Possmann.
Wie bleibt man also interessant? Die internationale Vernetzung nach
außen wird wichtiger – die sophiensæle oder das HAU machen's vor. Die
Erforschung neuer Formen und eine intensive Auseinandersetzung mit dem
Sinn und Unsinn der Welt beschreiben hingegen die Linie des
Theaterdiscounters. Doch fordern formale und inhaltliche Experimente
das Publikum eher als klassisches Repertoire. Für Scharegg sei das "gut
so." Possmann hingegen hat wohl seinen Bus verpasst und attestiert dem
Berliner Publikum absolute intellektuelle Coolness: "Ich glaube nicht,
dass die BerlinerInnen, die Nationalsozialismus, Mauerbau, das Sony
Center und tagtäglich die BVG überstehen, vom Theater überfordert
werden könnten."
Also, ab in den Bus und macht euch gefälligst selbst
ein Bild! Vor allem vom Theaterdiscounter, der wird nämlich Ende
Februar geschlossen (das Ganze war lediglich als Zwischennutzung
ausgelegt). Nun muss ein neuer Raum gefunden werden. Doch Scharegg
sieht optimistisch in seine und die Berliner Theater-Zukunft: Sie trägt
gelb und wird noch schriller werden.
Aktuelle Stücke:
"Publikumsbeschimpfung" nach Peter Handke
18.-27.01. jeweils um 20 Uhr im Theaterdiscounter,
www.theaterdiscounter.de
Zurzeit "Tanztage Berlin" in den sophiensælen sowie 17.-20.01.
"Windows" – ein Blick in Bill Gates' Seele, ebenfalls um 20 Uhr
Foto: Naomi Cristie
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