| Jagdschlosshochzeit |
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| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Schlechte Nachrichten im Briefkasten. Das sind normalerweise Rechnungen, Mahnungen
, der Bescheid der Bundesstelle zur Rentenberechnung, aber diesmal kam‘s wirklich knüppeldick und in Büttenpapier: Schon wieder eine Einladung zu einer Hochzeit in einem Jagdschloss nach Brandenburg. Die dritte dieses Jahres, gefühlt die zwanzigste. Alter Studienkollege und—ähem theoretisch—guter Geschäftskontakt ehelicht, und da dort irgendwer Geld hat, gibt es mal wieder die Nummer mit dem Jagdschloss. Für einen Shuttle-Bus vom Bahnhof Schleideritz ist gesorgt für all jene, die nicht mit eigener Limousine anreisen. De facto bedeutet das, dass so ein Hochzeits-Event zeit- und kostenmäßig den Charakter eines Kurzurlaubs hat, zu einem Ziel, zu dem man niemals wollte, mit meist fragwürdigem Entertainment-Faktor und oft genug dem Resultat, dass die Ehe zwei Jahre später nach erbittertem Streit geschieden ist und man auch noch Zeuge der Farce sein musste. Stress pur. Anfahrt. Anzug. Geschenke. Abfahrt, wenn nicht Übernachtung. Und das alles für einen Rehrücken und jede Menge billigen Soave—bei Hochzeiten, wo mehr als 250 Leute eingeladen werden (müssen), wird in den seltensten Fällen am Wein nicht gespart, während mal wieder kein Klischee ausgelassen werden darf. Von der sinnlosen Reisschmeißerei bis zur Mietlimousine mit den Blechdosen an der Stoßstange, vom Brautstrauß-Geschmeiße bis hin zum Katzentisch mit den verbliebenen Singles, die sich bitteschön mal alle geschwind kennenlernen sollen und bei ihrer eigenen Hochzeit strahlend verkünden sollen, dass man sich auf der Hochzeit von X-Y kennengelernt habe. Und würdelose Szenen. Der besoffene Onkel. Die nicht beachtete Tante. Als Schleppenträger misshandelte Kinder, die »soooo süß« aussehen. Schlechte Reden, lauer Small Talk. Im schlechtesten Fall wird man in irgendwelche Familienangelegenheiten reingezogen, zu denen der Ärzte-Titel »Dinge, von denen« ( ich nichts wissen will) nur allzu sehr passt. Auch musikalisch droht Gefahr, im besten Fall werden die älteren heimgeschickt und ein DJ spielt ein paar Konsens-Hits, im schlimmsten Fall gibt‘s Polonaisen zu später Stunde und Jungadlige sind auf der Suche nach weichen oder auch harten Drogen. Und finden das dann auch tatsächlich noch »wirklich schön« und »unvergesslich«: Und wenn man einmal auf dem Jagdschloss sitzt, kommt man ja auch nicht so einfach wieder weg. Betrunken noch schwieriger. Wenn man das schon mehrfach mitgemacht hat, hält man Las Vegas für eine großartige Idee ...
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