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Steve Blame - Das Interview PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jürgen Laarmann   

030_02_faces_steve_blame.jpgSteve Blame im Gespräch

»Aber ich würde niemals anders leben wollen«! Steve Blame war Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre das Gesicht von MTV. Nun hat er ein Buch über Liebe, Drogen und die Entstehung des Musikfernsehens geschrieben.
Jeder, der alt genug ist und wie fast alle in jenen Jahren den damalsaufregenden Musiksender gesehen hat, hat Steve Blame als Sprecher derMTV News und Interviewer aller großen Popstars jener Zeit inErinnerung. Auch als Partyman und Iron Raver brachte er es zu einigemRuhm. Seit Anfang der 90er trieb er sich häufiger in Deutschland rumund wo immer er auftauchte, wurde gefeiert, was das Zeug hielt, oderbis das Zeug war nachher alle war, denn Steve machte aus seinemDrogenkonsum wahrlich kein Geheimnis, auch als er späterProgrammdirektor von Viva 2 wurde. Heute lebt er als Drehbuchautor inKöln und hat mit »Getting Lost is Part of the Journey« seine Geschichteerzählt. Sie handelt vom Aufbau der Musiksender, seinem Leben mit undals Popstar, den Exzessen rund um den Globus, aber auch von seinemlangen Selbstfindungsprozess, seinem Verhältnis zu seinen Eltern,seiner Homosexualität und der Gier nach Liebe und Anerkennung, demZwiespalt zwischen der öffentlichen Person Steve Blame und der privatenPerson Stephan James (sein Geburtsname). Das Buch bietet nicht nureinen entertainenden Blick hinter die Kulissen des Musicbiz der 80/90erJahre, sondern zeichnet sich auch durch die schonungslose, direkte undoffene Auseinandersetzung des Autors mit sich selbst aus. Mit SteveBlame sprach Jürgen Laarmann, der mit Steve in den 90ern auch gerne malzusammen feierte. 

Wenn du heute MTV schaust, was denkst Du?


MTV ist nicht mehr das MTV, was ich kenne. Ich will nicht darüberurteilen, ob besser oder schlechter. So wie es ist, interessiert esmich nicht. Wir hatten damals alle Freiheiten, die wir wollten. Nichtnur, was wir spielen durften, sondern auch wie wir es präsentierenwollten. Irgendwann wurde dann aus dem verrückten Haufen eineCorporation und Geld war das, was wirklich zählte. Das war wie eineTodespille, die sehr langsam, aber sicher wirkte.
 

Ist es nicht vielleicht so, dass Popmusik heute unwichtiger geworden ist?


Das würde ich so nicht sagen. Aber es gibt heute so viele andereMöglichkeiten, Popmusik zu bekommen. Eine Zeit, wo alle gespannt aufein exklusives Video der Woche gewartet haben – die ist vorbei. Heutewill jeder alle Informationen direkt haben und deswegen kann MTV nurnoch hinterherlaufen. Wer heute Musik hören will, schaut einfach, wasso auf Facebook gepostet wird oder verschwindet mal drei Stunden beiYouTube und macht sich gewissermaßen seinen eigenen Musiksender durchdie Videos, die er anklickt. Es ist nicht so dass Musik unwichtigergeworden ist, sondern eher, dass Fernsehen unwichtiger geworden ist.MTV stand für klassisches passives Fernsehen. Im Internet geht esdarum, Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen und zu kommunizieren stattnur zu konsumieren. Dafür ist das Netz das bessere Medium.

Liegt es vielleicht auch daran, dass es einfach nur noch wenig guteinnovative Musik gibt? Seit Techno gab es eigentlich keine große Musikbasierte Jugendbewegung mehr.


Ich erinnere mich an eine Zeit vor Punk, zwei bis drei Jahre, wo es garnichts gab.   Es war wirklich langweilig. Und dann war Punk einewirkliche Explosion. Und ich glaube, wir leben heute in einer ähnlichenZeit, in der viel zurückgeschaut wird. Bis was Neues da ist. 
 

Andrerseits warten wir seit Techno ja schon seit Jahren auf die nächste Revolution und den großen Jugendtrend. 


Ich denke schon, dass es nicht nur um musikalische Rebellion geht. Seitein paar Jahren sind wirklich alle durch das Internet verbunden. Esherrscht eine ganz andere Offenheit. Nimm meine Biographie. Sie istsehr hart, intim, offen und nachdenklich. Ich hätte sie in keineranderen Zeit so schreiben können außer heute. 
 

Du hast Deutschland auch als Partyland kennen gelernt und im Buchgerade die Partys in Frankfurt und Berlin besprochen. Wie sind deineErinnerungen an die  Berliner Clubszene....


In Berlin war alles größer und anonymer als in Frankfurt, was ichmochte. Es war also ein anderes Feiern, ich liebte den Planet. InBerlin hatte ich das Gefühl, dass die Leute noch viel weiter gehenkonnten. Aber egal ob Frankfurt oder Berlin. Ich habe in dem Buch jaauch erwähnt, dass die Deutschen manchmal gar nicht wissen, was sie anihrer Clubszene haben. Dass es hier wirklich super ist und sie nichtden internationalen Vergleich scheuen müssen, sondern wirklich weitvorne liegen. Ich hatte eben gerade ein Interview mit einem Typen voneiner Stadtzeitschrift gesprochen, der sich nicht vorstellen konnte,dass es hier für einen MTV-Mann aus London cool ist zu leben und zuarbeiten. So ein Idiot!

Was war die beste Party in deiner langen Partykarriere?


Ich würde sagen die Love Parade 1994. Wir waren als MTV da, aber habennur auf dem Wagen gefeiert und kein einziges Bild gedreht.

Die Veranstalter dieser Party fanden es damals sicher arrogant, nach der Lektüre des buchs, weiß man zumindest mehr …


Ich hab’s ja im Buch beschrieben, wie wir nackt und high waren auf demWagen und in dem Brunnen getanzt haben und leider zu gar nichts mehr inder Lage waren (lacht)

Drogentechnisch schreibst du ziemlich genau, wie wann was konsumiert wurde. Hast du dich jemals abhängig gefühlt?


Ich habe mich nie drogenabhängig gefühlt. Allerdings gab esUnterschiede. Zu MTV-Zeiten haben wir Drogen genommen, um Spaß zuhaben. Zu VIVA 2 Zeiten habe ich Drogen genommen, um zu vergessen, zukompensieren und mich zu betäuben, weil ich unten war. Das ist derfalsche Weg und darüber muss man sich klar sein. Andererseits würde ichniemals anders leben wollen, weil sonst wäre ich nicht derjenige, derich heute bin.

Würdest Du sagen, dein Buch hat eine Message?


Ich denke, das Buch ist ein Spiegel für viele Leute. Ich hatte imVergleich zu vielen Leuten – nicht zu allen – ein extremes Leben mitvielen Höhen, aber auch Tiefen. Die Message ist, dass es nicht darumgeht, so berühmt wie möglich zu sein und nicht, so viel Geld wiemöglich zu haben. Es geht darum, glücklich mit sich selbst zu sein.

Steve Blame »Getting Lost is Part of the Journey – MTV, Deutschland und ich«, Taschenbuch, 16,99 Euro

 




 

 

 



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