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Geschrieben von Jürgen Laarmann
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Dass Neukölln als Szene-Standort schwer aufgeholt, hat sich rumgesprochen. Ich gehe noch einen Schritt weiter und möchte vorschlagen,
den Stadtteil zum Wellnessviertel und Kurort für den modernen Berliner zu küren. Ich kenne inzwischen einige Mittis und Prenzlbergianer, die sich gerne in den Hip-Stadtteil zurückziehen, ganz einfach, weil ihnen ihre Wohnorte zuweilen als zu affektiert vorkommen.
Nur der dämliche Tourist und Styleopfer empfinden die Kulisse Neuköllns zu roughtough, der moderne Berliner stellt sich vor, dass sich Marc Jacobs in seiner ersten Städtedesignkonstellation genau das erdacht hat und würdigt dann die Liebe zum Detail. Der Überreichtum an Handy- und Telefonkartenläden steht dafür, dass das »Kommunikationszeitalter« hier wirklich gelebt wird, die originellen Geschäftstätigkeiten der Einwohner als Beleg für Berliner Einfallsreichtums. Überhaupt ist hier Berlin viel unverwechselbarer als an den ex-hippen Kiezen, die heute wie München oder Stuttgart ausschauen.
Auch für jene, die vom Nightclub in den Fitnessclub gewechselt haben, hat Neukölln einiges zu bieten.
Ein besonders cooler Platz und sozusagen »das« Kurbad Berlins ist der Holmes Place in der »Neuen Welt« (Neue Welt—der Name füllt er sich nun mit Inhalt), vom Standard her einer der besten Berliner Health Clubs mit Schwimmbad, riesiger Spa-Area, topmodernen Geräten und Actionkurse den ganzen Tag. Alles top, bestechend trotzdem die erfreuliche Schnöselarmut und das Preis-Leistungsverhältnis kaum zu schlagen. Und hält man sich nicht lieber mit ein paar sinnenfrohen Neuköllnern fit als gelangweilt in Langeweiler-Angeberstudios in Mitte?
Und die Umgebung stimmt. Keine 100 Meter weg ist Karstadt am Hermannplatz mit seiner Top-Feinschmeckerabteilung, für mich seit Jahren das Kiez-KaDeWe. Doch dass ausgerechnet das beste Japanrestaurant der Stadt auf der Karl-Marx-Straße liegt, hat mich überrascht. Von außen total unprätentiös und winzig klein mit nur wenigen Tischen, liegt dort das Tabibito mit riesigen, superfrischen Topsushis und einer der besten Vorspeisen, die ich in meinem nicht unbedingt vorspeisenarmen Leben je verzehrt habe: »Nuta«, eine Art Misosuppe mit Thunfisch und Lachs und einer Spezialsauce drin. Hingebracht hat mich übrigens eine Hawaianerin, deren Ankündigung »besser als ein Orgasmus« ich zunächst für pure Übertreibung hielt, der ich nun aber Respekt und Dank für diesen Tipp zolle. The American Dream becomes Berlin Phantasy and Neukölln makes it possible.
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