| Wo die wilden Savignynaner wohn(t)en |
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| Geschrieben von Shelley Masters | ||||||||
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Neulich hatte ich die Freude, einem Neuberliner das historisch Besondere am Berliner Nachtleben zu erklären
—dass sich der Nightlife-Craze nur entwickeln konnte, da die Allierten eigenes Interesse daran hatten, auf die deutschlandübliche Sperrstunde zu pfeifen. Und dass West-Berlin die unangepassten Wehrdienstflüchtlinge der »BRD« anzog—ein Aspekt, der von den Internationalen, die dem Mitte-Hype nach Berlin folgten, gern vergessen wird. Ich bin ja der festen Meinung, dass es das neue (Mitte-)Berlin ohne das »alte« gar nicht hätte geben können! Hier der aktuelle Beweis, dass der Westen noch wie irre brummt und derzeit auch mein Familienleben aufmischt. Das Gainsbourg, eine Charlottenburger Bar-Institution, schloss dieser Tage, feierte das nächtelang. Da es die in 17 Jahren lieb gewonnene Stammbar meines Vaters war, bekomm’ ich eh alles aus der Savignyplatz-Szene mit. Seit feststand, dass die Bar aufgrund einer Nicht-Mietvertragsverlängerung dicht machen würde, haben mein Dad und seine Kumpanen (ähnliches Künstler-Intellektuellenvolk wie in Mitte, nur doppelt so alt) dank Presseberichten neuen Zulauf in ihre Spelunke bekommen. Immer mehr junge Mädels zog es des nächtens in den Laden, nach »Berliner Urgesteinen«, dem »echten Künstler-Berlin« suchend. Mein alter Herr und seine Clique wurden fortan von jungen Mitte-Damen belagert, die »die Stories«, »den Spirit« und ein Souvenir des »alten Westberlins« in Form von Knutschabenteuern in Charlottenburg suchten. Als der Andrang zu groß wurde, schmissen die gut organisierten »Urgesteine« spontan Tische und Stühle aus der Kneipe—die Girls brauchten Platz! Mit dem Resultat, dass sich bei meinem Dad (Single) die auf Zettel gekrickelten Nummern häuften, er des Wochenends kaum vor sieben Uhr morgens daheim aufschlug. Nur regeneriert sich ein Ü-60-er nicht mehr so schnell, weshalb ich dann die ganze »Gainsbourg-Closing-Period« über die zweifelhafte Ehre hatte, Hauskrankenpflege zu spielen. »Alle irre«, dachte ich mir, und: »Trau keinem über 60!« (wem denn dann bitte überhaupt?). »Nix da«, sagen die alten Savignynaner daraufhin, »allet schon jehabt. Berlin bleibt ehmd doch Berlin!« In diesem Sinne: Weiter mit dem Craze. Wilkommen 2011! ¶ Love [Shelley Masters]
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