| 20 Jahre 1991 |
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| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Der Berlin Mitte Boy zieht eine Bilanz der »00« Jahre
Herzlich willkommen in den Tennern—oder wie wollen wir neue Jahrzehnt nennen? Für das letzte Jahrzehnt hatte ich ja Double-Zeros vorgeschlagen, durchgesetzt hat sich hierzulande der Terminus »Nuller Jahre«—und ehrlich gesagt, niemand, den ich kenne, weint der verflossenen Dekade eine Träne nach. Man stelle sich nur mal die Sendung »Die große Jahrzehnt-Show: Die Nuller Jahre« vor, die mit einem grau gewordenen Olli Geißen in zwanzig Jahren laufen würde, mit Guido Westerwelle, Mark Mattlock und Osama Bin Laden als Stargästen. Ja, vielleicht erklärt noch einer, wie schön es war, den ganzen Tag auf Facebook zu verchatten. So gesehen kann man froh sein, dass eine hoffentlich aufregende neue Dekade beginnt. Als erster Trend dürfte eine 90ies-Nostalgie diagnostiziert werden. Das ist nicht überraschend, in den 80ern gab‘s ‘ne 60er Retro-Welle, in den 90ern waren die 70er hip, ab Mitte der 90er gab‘s wenigstens ein halbes Dutzend 80er Revivals. Das ist wohl der Gang der Dinge. Der normale Leut geht im Schnitt nur wenige Jahre aus und nimmt nur in diesen aktiv am Nachtleben teil, dann gibt’s Beruf, Frau und Kinder. Aber diese wenigen Jahre inklusive der Musik, die er »damals« gehört hat, werden ihm immer als die größten im Leben vorkommen. Und irgendwann ist der 20-Jährige dann 40 und erinnert sich wehmütig und gerne an die »geile« Zeit zurück und in der Masse macht das dann die Revival-Zeit aus, für die härtesten Fälle gibt es dann sogar »Musicals« über dieses Zeitalter. Nun sind also die 90er dran und ich selber quasi auch betroffen. Auf Facebook gibt’s bereits eine stark frequentierte Fanpage namens »Geile alte Clubhits«, wo sich Leute die alten Technoklassiker gegenseitig zuposten. Wir feiern 20 Jahre 1991, und dieses Jahr war sogar schon weit früher legendär als der »Summer of Love« mit der ersten Love Parade, die mit Trucks aus ganz Deutschland besucht wurde, allen zwei Monaten einer neuen elektronischen Musikrichtung und den Tagen, in denen Tresor und Planet (der E-Werk-Vorläufer) so legendär waren, dass sich alle Nachkommenden noch später davon erzählten. Man könnte ins Schwärmen geraten. Im kleinen Kreis haben wir bereits diskutiert, das Jahr 1991 1:1 als Real Life Theater nachzuspielen, und vielen würde das gefallen. Doch so geil ’91 auch war, in mir erweckt der Rückblick eher die Sehnsucht, dass es in den Tennern mal wieder so richtig spannend wird! Neue Musik, neue Kunst, neue Unterhaltung, bitte, bitte, bitte… nicht immer nur zurückschauen, sondern endlich mal wieder nach vorn!
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