| Fehler früh Fliegen |
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| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Ich gebe zu, ich höre mir gerne Desasterstorys zum Thema Sparen an. Heute kann ich selbst eine beisteuern.
Nach meinem letzten Trip gen Westdeutschland mit der Bahn dachte ich mir: Warum nicht fliegen–ist billiger und komfortabler. Es sollte übers Wochenende nach Köln gehen und dort wollte ich so viel Zeit wie möglich verbringen. Ich sagte also nicht nein zum einzigen Halbbilligflug für 70 Euro von Schönefeld, der bereits für 6.50 Uhr angesetzt war, um 11 Uhr hätte der einfache Flug schon einen Hunderter gekostet. Schon am Tag vor der Reise hatte ich ein mulmiges Gefühl. Früh fliegen bringt die Gefahr mit sich zu verpennen. In aller Herrgottsfrüh von Mitte nach Schönefeld zukommen und eine Stunde vor Abflug da zu sein ist auch alles andere als funky. Um 4.20 Uhr losfahren–da wäre man auf der sicheren Seite, 4.50 Uhr würde auch noch gehen. Also war der Gedanke am Vorabend: Ich kauf mir lieber einen Wecker, den ich in einem Ramschshop auf der O-Straße erwarb. Der sah für 10 Euro ziemlich »techno« aus. Beim Abendessen studierte ich die Bedienungsanleitung, die wohl vom arabischen ins englische rückübersetzt worden war. Gute anderthalb Stunden versuchte ich, meine Begleitung und die Herren Kellner des Imbiss’ das Weckteil flott zu machen—was uns nicht gelang. Voll Schreck sah ich, dass es schon 23 Uhr war und meine Sachen noch nicht gepackt waren. So investierte ich weitere 15 Euro, um schnell nach Haus zu kommen. Um 1 Uhr war der Koffer gepackt, aber der Wecker immer noch unverstanden. So dachte ich mir: lieber wach bleiben—bis ich um 5.10 Uhr wieder aufwachte. Für 35 Euro lieferte mich ein Taxi noch rechtzeitig in Schönefeld ab, als ich beim Check-In erfuhr, dass ich den Koffer hätte vorher für 8 Euro online einchecken müssen. Spontan Vorort sind dann 20 Euro fällig, vorausgesetzt man hat kein Übergepäck. Hatte ich aber, das hätte noch mal 50 Euro gekostet. So war ich gezwungen, meinen Koffer umzuräumen und Teile ins Handgepäck zu verstauen. In der Hektik war das natürlich ausgerechnet mein Kosmetikzeug, was ich direkt beim Security Check in den Müll schmeißen durfte: Fläschchen und Tübchen sind nur bis 100 ml erlaubt! An Bord dann der Rekord zum Frühstück: Die größte Diskrepanz zwischen saftigem Sandwich in der Werbung und dem trockenen Elend, was man für einen 6 Euro serviert bekam. Besonders gelohnt hat sich der Frühflieger-Vorteil auch im Nachhinein nicht: Am Reiseziel war ich so erschöpft, dass ich bis zum späten Nachmittag durchgepennt habe.
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