| Die Fitness-Wette |
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| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Ich mach jetzt mal mit, nachdem das Thema Fitness bei mir genau genommen
seit 20 Jahren—vorsichtig gesagt—nicht ganz oben auf der Agenda
gestand.
Die Motivation, sich fit zu machen, kann ganz unterschiedlich sein. Der eine will top aussehen, weil er verknallt ist, der andere hört auf den besorgniserregenden Rat seines Arztes, die Medien und ihr Schönheitsideal, Gruppenzwang oder Ego–egal, dachte ich: Ich mach jetzt mal mit, nachdem das Thema Fitness bei mir genau genommen seit 20 Jahren—vorsichtig gesagt—nicht ganz oben auf der Agenda gestand. Ein bisschen hat es schon gewirkt, ein Teil des Technofetts ist weg, der Übergrößenladen verliert Kundschaft und auch die Pasta-Industrie kann sich Sorgen machen. Sport und gesunde Ernährung sind angesagt und eiserner Wille, denn Fallen lauern an jeder Ecke—gerade beim Ausgehen und im Nightlife. Was mich am meisten diszipliniert, ist die Wette mit Esther, der Wirtin vom Keyser Soze, die sich auch gerade fit macht. Wir haben eine Tabelle mit Zeitfenstern vereinbart, wer bis wann welches Gewicht zu erreichen hat, und wer das nicht einhält, dem droht eine schreckliche Strafe, die ich hier aber nicht verraten will. Esther ist ein echtes Berliner Original und überzeugte Hedonistin à la »Champagner ist das einzige Getränk, das Frauen schöner macht, je mehr sie davon trinken«. Da sie selbst gerne »Schaumwein« trinkt, wie sie ihren Lieblingsdrink nennt, hat sie sich für ihren Ur-Mitte Laden eine vergleichsweise riesige Schampus-Karte gezaubert (»Wenn schon mal ‘ne Sünde, dann mit dem größten Genuss«). Für die Motivation durch Amüsement macht sie Länderabende, immer am letzten Sonntag im Monat, bei dem es dann Deko, Musik und Speisen aus dem jeweiligen Land gibt, gerne wo sie gerade in Urlaub war oder sie noch hin will. Unsere Kontrollwiegetermine liegen immer genau am Sonntagnachmittag davor. Jetzt, da Fitness angesagt ist, gibt’s bei ihr eine Sonderkarte »I love my Waage« bzw. »die Bikini-Karte«. Im Rahmen der Wette hat sie den schönen Vorteil, sich als Wirtin selbst diätetisch bekochen zu lassen, doch auch ich finde es gut, einen Platz in Mitte zu wissen, wo man morgens, mittags und abends hingehen kann, um was Leichtes zu essen und nicht auf dröge Dinkelstangen zurückgreifen zu müssen—wie in der Kastanienallee. Wir beide haben einen gewissen Ehrgeiz entwickelt, probieren die verrücktesten Sportarten aus—und bis jetzt hat jeder von uns die Ziele erreicht. Sie ist eine gefährliche Gegnerin, wenn’s hart auf hart kommt, traue ich ihr zu, dass sie sich einfach in letzter Minute alles Fett absaugen lässt, bevor ich gewinne.
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