| La Osnabrück |
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| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Normalerweise ist es einfach, Besuch aus Westdeutschland zu bespaßen.
Dafür hat man ein paar sichere Freizeitgestaltungsmöglichkeiten auf Tasche und es endet meist damit, dass der Gast einen mit Erkenntnissen wie »Berlin ist echt ne coole Stadt« oder »ich überlege, wirklich hierher zuziehen« nicht unbedingt verblüfft—also alles ziemlich überraschungsfrei. Bei dergleichen Stadtvorstellungen habe ich eine gewisse Routine. Und wenn man oben beschriebenes als Erfolg wertet, habe ich einen Erfolgsfaktor von nahezu 100 Prozent—hatte ich, muss ich nun sagen. Die Zusage meiner Cousine aus Osnabrück, zu der ich seit Jahrzehnten keinen Kontakt hatte, einen Nachmittag die Stadt zu zeigen, hat meine Erfolgsbilanz gehörig verhagelt. Die Voraussetzungen schienen dabei optimal. Frühling in Berlin, Temperaturen über 20 Grad, gute Laune noch am Vormittag, Treffpunkt Prenzlberg am Nachmittag. Mit dem Mauerpark macht man nichts falsch, dachte ich. Vor mir stand eine ernste, bebrillte Person. Ich wusste nicht so genau, was ich von ihr halten sollte und ihr Wesen wäre mit mürrisch nur unzulänglich beschrieben. Im Mauerpark war ob der Sonnenstrahlen natürlich High Life. Und Madame war erschüttert: »Das ist ja wirklich ekelhaft hier, so stell ich mir ein Auffanglager im Bannkreis von Fukujima vor, nur dass es da nicht so viele Kiffer gibt«. Ich dachte, »Uiuiui, schöner Fehlgriff«. Sofortige Kehrtwende, Taxi zum Gendarmenmarkt. Bitteschön. Doch nach wie vor gab sich Madame wortkarg, immerhin erfuhr ich, dass sie als Sozialpädagogin arbeitet: »Aber ich möchte nicht drüber sprechen, denn ich hab jetzt Freizeit«. Auch Museumsinsel und Dom, von denen ich dachte, dass sie Menschen, die den Mauerpark nicht mögen, erfreuen würden, wurden nur geringschätzig registriert. Eine gewisse Ratlosigkeit machte sich bei mir breit. »Was soll‘s denn nun bitteschön sein?«, fragte ich. »La Osnabrück« wollte sich frühzeitig Plätze in einer Kneipe sichern, die den Tatort zeigt, um gute Sicht auf den Bildschirm zu haben, das mache sie in Osnabrück auch immer. Na klasse, dachte ich mir, aber wenn es genau das sein soll. Auch so etwas hatte ich parat und stellte fest, dass ein frühzeitiges Plätze sichern bei diesem Wetter nicht erforderlich gewesen wäre. Zum Filmbeginn gesellten sich dann noch zwei betrunkene Gestalten, die wohl gerade aus dem Berghain gefallen waren, zu uns und quatschten dazwischen. Worauf Mrs Osnabrück wütend zahlte, sich verabschiedete und mich mit den beiden Gesellen ratlos zurückließ. Naja, ein Gegenbesuch war ohnehin nicht vorgesehen.
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