| Cocktailprüfung |
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| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Der Berlin Mitte Boy fordert einen Barkeeper heraus. Wer gewinnt?
Wenn ich Cocktails trinke, lasse ich mich gerne überzeugen. Ich probiere aus und lerne beim Trinken auch noch ein bisschen übers Trinken und die Welt. Ein Ort in Berlin, an dem das möglich ist: das Reingold in Mitte. Besitzer David Wiedemann ist Chef der Barschule Berlin und hat so einige der besseren Bartender der Stadt ausgebildet. Sein Muster-Eleve Tino Hiller jedoch arbeitet in seinem Laden, der ganz modern auf den Stil der 20er Jahre setzt—schließlich ist das nächste Jahrzehnt wieder ein »goldenes 20er«. Da Wiedemann seinen Barmann aufs Wärmste empfohlen hatte, war ich geneigt, ihn beim Besuch mit meiner Freundin so richtig auszuquetschen. »Mach uns zwei unterschiedliche, moderne alkoholfreie Cocktails, die so richtig erfrischen« lautete die erste Aufgabe, die Tino perfekt löste—mit einer Ingwerlimonade und einem Eistee, der durch einen Schuss Holunder eine spezielle Note hatte. »Mach uns was mit Lavendel« legte ich die Messlatte höher—und schwupps, bekamen wir einen Lavender Fizz, der als stylishe Alternative zum Gin Tonic brilliert und bei dem das Bar-Team zeigte, dass es sich lohnt, schon nachmittags eine Unzahl von Sirup-Varianten zu mixen, damit sie am Abend bereitstehen. »Der Popline mit seinem Gurkentaste gilt in vielen Läden als der Trenddrink der Saison—mach uns was ähnliches, was besser schmeckt« legte ich nach; und auch diese Anforderung wurde spielend bewältigt: Via Dartmore Smash, der statt Wodka Gin enthält und statt Ananassaft Apfelsaft mit Holunderschuss und Basilikum. »Mach uns was, was süß schmeckt, aber auch scharf« wurde gelöst mit einem Red‘n‘Hot, einem Schokoladendrink mit Brombeerlikör und Chili. Es fiel mir schwer, noch schwierigere Aufgaben auszudenken, nachdem auch die Aufgabe »Mach uns etwas, das blau aussieht, blau macht, aber nicht peinlich ist« mit einem eingefärbten blauen Gin Old Fashioned schlau gelöst wurde und auch die Challenge »Mach uns etwas, das Absinth beinhaltet, aber nicht nach Absinth schmeckt« mit dem Sazerac, einem Klassiker von 1876 auf Rye Whisky Basis, bei dem nur das Glas vorab mit Absinth ausgewaschen wird, verblüffend und perfekt gekontert wurde. Mir fiel an Mixaufgaben nichts mehr ein. Dann zog ich aus meiner Tasche ein Fläschchen Tai Ginseng, den ich für meine Tante gekauft hatte und stellte sie fordernd auf den Tresen, doch daraus einen neuen hippen Sommerdrink zu mixen. Tino überlegte nur kurz: Mit Gin, Apfelsaft, schwarzem Tee und Ingwerlikör wurde ein neuer Drink kreiert und kurzerhand »Gin Seng« genannt. Er ist zu meinem Lieblings-Sommerdrink geworden.
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