| We don‘t love you |
|
|
|
| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
|
Der Aufkleber mit dem durchgestrichenen Herzen hat es weit gebracht: »Berlin Does Not Love You«—
diese Message an Berlin-Touristen geistert als Top-Sommerlochthema durch die Medien—von Spiegel Online bis Tagesthemen—einschließlich des herbei gedichteten Plans der Anwohnerschaft, Stadtteile wie Kreuzberg komplett touristenfrei zu machen. Bei der Suche nach der Urheberschaft der Produkte mit der Message werden mal grün-alternative Altkiezbewohner, mal der Touri-Artikelanbieter berlinlovesyou.com vermutet. Auch ich tippe eher auf einen Streich der Aufkleberindustrie und schlackere auf alle Fälle anerkennend mit den Ohren über diesen genialen Marketingcoup—spätestens seit ich auf der O-Straße ein verstörendes Erlebnis hatte: Ein offenbar gerade angekommener Trupp von Easyjettern mit der obligatorischen Bierflasche in der Hand unterhielt sich drüber, dass man sich als erstes diesen coolen Sticker besorgen sollte und fragte Passanten, wo diese denn erhältlich seien. Das ist genau genommen total absurd. So mutmaßte ich einen Akt der Tarnung ihres Touristendaseins hinter diesem Ansinnen. Dann dachte ich, dass es vielleicht darum ging, eine Jagdtrophäe zu erhaschen als Beleg dafür, sich in einem feindseligen Umfeld bravourös durchgeschlagen zu haben und diesen mit in die Heimat nehmen zu wollen—wohlwissend, dass es die größte kulturelle Leistung nicht sein kann, einmal besoffen in den Görlitzer Park gekotzt zu haben. Doch wahrscheinlich ist sogar diese Vermutung zu hoch gegriffen: Das Aufkleberle ist wohl eher ein sinnfreies Lifestyle-Item. Der Jutesack mit gleichnamigem Emblem ist beim Kreuzberger Streetwearshop Depot 2 im Moment übrigens vergriffen. Das Schöne ist, dass am Ende alle glücklich sind, der Aufkleber-Geschäftemacher genauso wie der Anwohner, der ein Icon für sein Unbehagen über die Touristen hat, wie die Touristen selbst und die Medien, die ein Thema fürs Sommerloch haben–ganz so, wie es sich für Berlin im Sommer gehört. Genaugenommen ist die ganze Touri-Diskussion sowieso überflüssig wie ein Kropf. Die Touristen sind ja sowieso da, und die Wahrheit ist, dass erheblich mehr Leute in Berlin von Touris profitieren als genervt werden—und selbst wenn man genervt wird, wenn man zum Beispiel im Prenzlberg drei Mal in der Stunde gefragt wird, wo der Mauerpark sei, dann hat es doch auch was Gutes. Man wird sich immer wieder klar, wie schön es ist, hier zu leben und kein Tourist sein zu müssen, der in wenigen Tagen doch nicht alles erleben kann, was man als Berliner so alles erlebt.
Powered by !JoomlaComment 3.26
3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved." |
||||||||
| < Zurück | Weiter > |
|---|








Charity für Prominente
Wrestling?
Deine dumpfe Ausdrucksweise lässt darauf schliessen, daß Du offensichtlich zu...
Wrestling?
Dein Artikel ist scheisse
Der [030]-Tanz- in-den-Mai-Ticker
junger Mann (32) möchte es sich heute mal so richtig geben!!! Welche Frau / M...