| Neukölln, verwirrt! |
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| Geschrieben von Shelley Masters | ||||||||
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»Willkommen
in Neukölln—sind Sie zum ersten Mal in Berlin?« wurde Shelley gefragt, beim Besuch von 48 Stunden Neukölln
Wie sich Berlin verändert, kann man toll oder komisch finden, auf jeden Fall ist es spannend. Vor einigen Jahren kamen zum Studium zu gereiste Wessis auf die Idee, sich in einem billigen, multinationalen Bezirk entlang der Ringbahn anzusiedeln. Weil Studenten W-Lan-Cafés brauchen und billige Kneipen und Galerien, kam es, wie es kommen musste, wenn junge Menschen einen vernachlässigten Bezirk entdecken—Neukölln wurde »hip«.Ich hatte mich gerade wieder an der Uni eingeschrieben und konnte genau beobachten, wie aus grauen, Dialekt sprechenden Landmäuschen in kürzester Zeit bunt gekleidete, verschieden-haarfarbige, exaltierte junge Neu-Berliner wurden, bevor sie nach rund einem Jahr zu lässigen Jeans, bunten T-Shirts und Standard-Szenefrisuren wechselten. Oder schwarz in schwarz, auf jeden Fall aber Hochdeutsch als Umgangssprache für sich entdeckten. Als ich neulich mit einer gebürtigen Mitte-Freundin beim 48-Stunden-Neukölln-Projekt vorbeischaute, kam tatsächlich ein Neu-Berliner in typischer Frischling-Humana-Verkleidung auf uns zu, streckte uns vor einer Galerie die Hand entgegen und sagte »Willkommen in Neukölln—sind Sie zum ersten Mal in Berlin?«. Wir kamen aus dem Lachen nicht mehr raus. Schließlich war dem jungen Herrn mit albernem Strohhütchen anzuhören, dass er so frisch in der Metropole war, dass ihm noch niemand gesagt hatte, dass bayerische Dorfdialekte extrem un-metropolisch wirken und andere Zugereiste eifrig dran arbeiten, ihr Deutsch für alle verständlich zu machen. Spät abends ging es dann auf eine Privatparty, und da meine Freundin und ich uns gerne hübsch anziehen und gute Musik mögen, waren wir die Freaks auf der Veranstaltung. Ohne »Bad Taste«-Motto und ohne Not trugen alle, wirklich alle Wahl-Neukölln-Neu-Berliner die schlimmsten Modesünden der 70er, 80er und 90er, und die Musik war ausschließlich aus dem Allerschlimmsten der Früh-90er-Charts zusammengemixt. Wir kamen mit ein paar WuppertalerInnen ins Gespräch: »Wo kommt ihr denn her?« wurden wir gefragt—»Berlin!«—»Ha ha, ja, wir auch, aber von wo kommt ihr denn echt?« Sie kombinierten pink und rot und gelb, trugen extrem figurunfreundlichen labberigen 90er Jahre-Klamotten und waren mit echt schlimmem Billig-Modeschmuck behangen—dazu riesige Gürtel mit Straß-Schmetterlingen. »Und warum seht ihr dann nicht wie Berliner aus?« war die Anschlussfrage, die uns dann komplett sprachlos machte. Und das passiert nicht oft! ¶ Love [Shelley Masters]
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