| Weihnachtsterrorismus |
|
|
|
| Geschrieben von Shelley Masters | ||||||||
|
Shelley Masters findet, die Weihnachtsmarkt-Industrie in den Fußgängerzonen gehören verboten
Ich fühle mich diskriminiert. Daher muss ich an dieser Stelle einen offenen Brief an das staatlich legitimierte Geräusch-, Klimbim- und Nervtötungsgewerbe schreiben, kurzum an die Weihnachtsmarkt-Industrie, die ich aus gutem Grunde Weihnachtsterroristen nenne. Denn ich fühle mich in meinem Lebensraum beengt, um weihnachtlich-besinnliche Stimmung beraubt, zum unspirituellen Konsumschweinchen degradiert. Lebten wir in einer Stadt, die berühmt wäre für ihren aromatischen Glühwein, ihre duftenden Lebkuchen, ihre bezaubernde Handwerkskunst—ich wäre die letzte, die sich gegen die Traditionen, die ja auch Arbeitsplätze und Weitergabe von altem Wissen bedeuteten, wehren wollte. Nun leben wir aber in einer Großstadt, in der der Glühwein auf den Weihnachtsmärkten aus dem Tetra-Pack und, wie die Lebkuchen auch, aus dem Lidl von nebenan kommt. Und die Handwerkskunst des angebotenen Tinnefs von Kindern aus Indien oder China gegen eine Schale Reis gekauft wurde. Für mich das Allerschlimmste: Ich wohne an der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße, die sich seit Mitte November in eine vollkommen sinnlose Krachmachermeile verwandelt hat. Frierende Kinder quengeln zwischen Drogeriemärkten und Malls auf bibbernden Zwergponies, die hoffentlich genug Glühwein zu trinken bekommen, um ihr Elend nicht klar mitzuerleben. Krethi und Plethi, Stadtstreicher, Pennerkinder und grausam verstümmelte Rumänen bauen sich bettelnd zwischen den lärmenden und klingelnden Buden auf, oft reicht ihr Geld nur für öffentlichen Schnapskonsum, nicht für Nahrung. Gebrannte Mandeln, Liebesäpfel und Lebkuchenherzen gibt es für die, die sie dringend brauchen, ohnehin das ganze Jahr über auf Mittelaltermärkten, Rummelplätzen und Straßenfesten. Und wer ohne das Zeug nicht leben kann, bestellt es von Januar bis Dezember von mir aus wöchentlich neu im Internet. Warum nun vor meiner Haustür alle vier Meter plötzlich dringend all das verkauft werden muss? Und auch noch diese teuren Losbuden, deren Besitzer den gleichen Kram (Plüschtiger, unglaublich unweihnachtlichen chinesischen Plastikschrott) loswerden wollen, der das ganze Jahr über in den Kaufhäusern verramscht wird. Der Weg von der U-Bahn nach Hause reicht mir, damit es im Kopp schön scheppert und ich mich in meinem Lebensraum belästigt, gequält, genervt fühle. Mein Weihnachtsgefühl beginnt dank des Weihnachtsterrormarktes erst am 24.12., Punkt 16 Uhr—bei Weihnachtsmarktschluss. Love ❡ Shelley Masters
Powered by !JoomlaComment 3.26
3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved." |
||||||||
| < Zurück | Weiter > |
|---|










You 2013 *Mit Gewinnspiel*
wann ist einsendeschluss?
Vol. 808: Pankow Berlin City
Mc Toumes Style der LabelBozz von Endprodaction Records Widmet Pankow Berlin ...
Berlin Tag & Nacht
Servus Leute,würde gerne bei euch als Darsteller mitmachen. Da ihr mein Namen...
Wird’s der Wedding?
Bitte ihr Hipster idioten bleibt weg vom Wedding. Einer der wenigern realen B...