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Geschrieben von Markus Gehann   

030_02_uni-special_campus_1.jpgStudieren mit Zukunft

Virtuelle Vorlesungen, Online-Seminare und Lern-Management-Systeme erlauben das Studieren
an jedem Ort zu jeder Zeit. Macht das Internet die Hörsäle überflüssig?
»Mist!« flüstert Thomas. Und wäre er nicht in einer Bibliothek, würde er es laut sagen. In dem Nachschlagewerk, durch das er sich für seine Prüfung ackern muss, fehlen die wichtigsten Seiten—nicht unüblich in seinem Studiengang. Bei den Juristen geht es ungerecht zu, jeder versucht, sich einen Vorteil zu verschaffen. Ganze Bücher werden in den Regalen versteckt oder sogar gestohlen. Nicht nur in Jura sind gedruckte Lehrmittel schwer zu bekommen, auch andere Studiengänge leiden unter schlecht ausgestatteten Bibliotheken. Thomas muss seine Bücher oft aus eigener Tasche zahlen. Eine ziemliche Belastung für den Geldbeutel des Studenten.

Thomas setzt wie inzwischen fast alle Studierenden in Deutschland auf Online-Lernplattformen, diese Internetanwendungen etablieren sich immer fester an den Universitäten. Sie sind voll von Lehrmaterial, von Dozenten für ihre Vorlesungen und Seminare zusammengestellt. Kommilitonen und Professoren tauschen sich dort über den Stoff aus. Selbstorganisiertes gemeinsames Lernen mit den Werkzeugen der Onlinemedien, das ist das Studium der Zukunft. Stundenpläne und Anwesenheit werden immer unwichtiger. Muss man bald überhaupt nicht mehr zur Vorlesung gehen?

Thomas' Lieblingskurs ist Zivilrecht—nicht des Inhalts wegen, sondern weil der gesamte Kurs auch online zu finden ist und er dafür nicht in die Uni fahren muss. »Deswegen ist Zivilrecht auch am schlechtesten besucht«, gibt er zu. Aber nimmt man überhaupt etwas mit, wenn man den Dozenten nie zu Gesicht bekommt? Lernen erfordert Eigenständigkeit, aber auch Interaktion. Das Internet macht beides möglich. Für Dr. Gordon Tarzwell von der Thompson University in Kanada, Vortragsredner beim internationalen Kongress für E-Learning in Berlin, ist es egal, »wo und wie Studenten lernen«, solange sie den Lerneffekt nachweisen können. Für ihn, wie für die meisten Kongressteilnehmer, senken sorgfältig entwickelte Lern- und Kooperationsplattformen Raumkosten und sparen Zeit.

Mit der Uni im Bett

Unter den E-Learning-Befürwortern stellt man sich die Zukunft der höheren Bildung so vor: Anstatt in Seminarräumen und Hörsälen mit einer wachen und einer schlafenden Gehirnhälfte pflichtgemäß Zeit abzusitzen, loggen sich Studenten von zu Hause in ein universitäres Lern-Management-System ein, laden Materialien wie Texte, Fotos, ganze Bücher vom Server herunter, ziehen sich eine Slideshow, ein Lern-Video oder einen Audiovortrag ihres Dozenten und kommentieren die Materialien. Zur Selbstkontrolle und als Nachweis, dass sie den Unterrichtsstoff verstanden und gelernt haben, werden  Aufgaben bearbeitet. Die Studenten kreieren selbst einen Text oder eine Präsentation und stellen das Produkt für alle Kommilitonen zur Verfügung. Währendessen sind sie über Internet-Kommunikationsformen wie Skype im ständigen Kontakt. In einem Forum werden wichtige Aspekte der Themen diskutiert.

Die Internet-Interaktion ist für Studenten nicht nur Segen, sondern auch Fluch. »Der Arbeitsaufwand wird dadurch nicht geringer«, sagt Thomas. Das Online-Stellen, Kommentieren und Diskutieren kostet Zeit und lenkt schnell von der eigentlichen Arbeit ab. Zudem bleiben die meisten Mitglieder passiv und konsumieren die Arbeit von Wenigen, anstatt eigene Beiträge zu leisten. Zu diesem Ergebnis kam die Beuth Hochschule, die in einer Studie mit 400 Teilnehmern das Lernverhalten auf ihrer Plattform »Webcommunity 2.0« testete. Als Grund für ihre geringe Beteiligung gaben die Befragten an, dass sie keinen Sinn darin sahen, selbst viel Zeit und Mühe in das System zu stecken.

Zudem sind viele Professoren mit der Handhabung der Lernnetzwerke überfordert. Oder sie verweigern die Entwertung der Hörsäle einfach aus Prinzip. So wie Alexander Kraus, Geschichtswissenschaftler an der Universität Münster. Er hat sich ausgiebig mit den verschiedenen Lernplattformen beschäftigt und sagt, Lehre bedürfe immer noch der Interaktion, »der direkten Ansprache und der Kommunikation miteinander.« Die Abschaffung von Vor-Ort-Seminaren, Workshops oder Vorlesungen ist für ihn undenkbar, weil sich Ideen im direkten Kontakt entwickeln, »nicht in virtuellen Räumen, auch wenn das vielleicht etwas staubig klingen mag«.
Thomas' Zivilrecht-Professorin managt ihren Kurs mit Moodle, einem kostenlosen Lern-Management-System, das die meisten Dozenten und Universitäten in Deutschland nutzen. An Berliner Hochschulen ist Moodle weit verbreitet. Lehrkräfte der meisten Fachbereiche an FU und HU binden das System in ihren Unterricht ein. TU, HTW und HWR nutzen eCampus, ein für Universitäten kostenpflichtiges Lern-Management-System aus den USA. Mit einem Anteil von über 70 Prozent des Weltmarktes ist Blackboard aus den USA der größte Anbieter von Bildungssoftware. Die Lehrenden der Charité schwören auf diese professionelle Plattform mit durchgestylter Oberfläche.

Alternative aus Berlin

Und dann gibt es noch iversity, ein Berliner Internet-Startup, das neue Bildungs-Netzwerke schafft. Es ist nicht auf Fachbereich oder Hochschule beschränkt, sondern verknüpft Universitäten weltweit. Vor vier Monaten wurde iversity für die akademische Community freigegeben, inzwischen sammeln sich dort 20.000 User zu Gruppen für Seminare, Vorlesungen, Präsentationen oder Forschungsprojekte. Aus 72 Ländern wird die virtuelle Universität mit Texten, Bildern, Videos gefüllt. Auch bei Wechsel der Hochschule oder Ende des Studiums bleibt das Userprofil erhalten—Materialien und Kontakte gehen so nicht verloren.

Die iversity-Geschäftsführer Jonas Liepmann und Hannes Klöpper denken global und digital. Und trotzdem glauben sie an den Nutzen von körperlicher Präsenz in der Lehre. Sie wollen die Seminarräume und Hörsäle nicht abschaffen, sondern ins Netz erweitern. Denn selbst monotone Vortrags-Vorlesungen machen für Hannes Klöpper Sinn, »wenn der da vorne was kann.«



 
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