| Beim durchgeknallten Fritz |
|
|
|
| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
|
Ich gebe ehrlich zu, dass ich kein Museumsboy bin. »Alles, was ich im
Internet angucken kann, muss ich nicht live anschauen« sage ich gern.
Zu Potsdam habe ich außerdem ein leicht gestörtes Verhältnis, seit ich vor Jahren ein Kindermädchen von Günter Jauch kennengelernt habe. Es war also nicht meine Idee, die Ausstellung mit dem sperrigen und ungelenken Namen »Friederisiko« anlässlich des 300. Geburtstags von Friedrich dem Großen zu besuchen. Mental hatte ich den mit dem Geschichtsunterricht in der Schule abgehakt. Feldherr im relativ sinnlosen siebenjährigen Krieg, Freund der Künste, Förderer der Wissenschaft, Liberaler im Sinne von »Jeder soll nach seiner Façon selig werden«, aber auch Disziplinfanatiker und unsympathisches Nazi-Vorbild, ansonsten verkappter Gayboy, der sich ziemlich selten gewaschen hat, na ja, so war das damals—so what?! Kulturinteressierter Besuch aus Westdeutschland hat mich dann doch nach Potsdam geschleift—und ich war beeindruckt! Das lag nicht zuletzt an der Location, dem Neuen Palais, von dem mir nicht klar war, dass es viel größer als Sanssouci ist. Boah, was für eine prachtvolle Hütte, gerade die fast nie genutzten Ballsäle sind echte Toplocations! Und den Grad der Durchgeknalltheit des Preußenkings hatte ich bisher gelinde gesagt unterschätzt, ein einziges Pendeln zwischen Genie und Wahnsinn. Die Friedrichshow ist zudem wirklich sehr gut gemacht, top Infotainment für zwei Stunden, geballte Wissensvermittlung, aber auch gute Unterhaltung. Das Theaterstück »Der Modeaffe«, das Friedrich in jungen Jahren geschrieben hatte und das im Neuen Palais in Bühnenbildern nachgestellt ist, würde ich gerne auf einer Off-Bühne wie im Kater Holzig sehen. Tatsächlich habe ich mir vorgestellt, wie man heute über Politiker denken würde, wenn sie sich friedrichlike benehmen würden. Ein Sigmar Gabriel, der jeden Abend epische Flötenkonzerte gibt, stundenlang seine Menüvorschläge diskutiert und sich von den teuersten Lieferanten alle möglichen Delikatessen—in Friedrichs Falle Kirschen—abseits der Saison bringen lässt. Ganz undenkbar ist das nicht, auch irgendwie lustig. Zudem stellte ich mir die Frage, was so ein Typ wie Friedrich heutzutage machen würde und wie er alles finden würde, was aus Preußen so geworden ist. Meine Fashion orientierten Begleiter aus Westdeutschland überlegten, ob Friedrichs Outfits vielleicht auch mal wieder Nightlifetrend werden könnten. Ich empfahl ihnen, es auszuprobieren, wies aber auf die Gefahr hin, dass man auch als New Romantic Karnevalsfigur missverstanden werden könnte. Der Merchandisingshop von Friederisiko immerhin offeriert für einen knappen Tausi eine Original-Preußenkrone. Aber so weit wollte dann doch niemand gehen.
Powered by !JoomlaComment 3.26
3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved." |
||||||||
| < Zurück | Weiter > |
|---|










Tropical Islands - mit Gewinnspiel
....muss ich unbedingt auch mal hin! Das muss so schön sein, besonders im Win...
Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr
Darauf bin ich ja mal gespannt! Gerard Bulter ist einfach ein super Schauspie...
BeLaSound-Festival im Yaam mit Verlosung
inna bz, o.ä., stand was von ausländerfeindlichen freibadbetreibern (plötzensee)
La Osnabrück
Ist doch schön zu hören, dass die Stadt solche Superspießer automatisch absch...