| Gesetzliches Knutschverbot gehört verboten |
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| Geschrieben von Shelley Masters | ||||||||
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Liebe Shelley, normalerweise liebe ich den CSD, aber in diesem Jahr
kommt keine Freude auf. Meine arabischen Freunde sitzen mit Augenringen
vor dem Computer, nächtelang, haben Angst um ihre Familien. Wir können hier alles machen, was wir wollen, und in Syrien werden Städte mit Panzern bombardiert, weil Menschen friedlich Demokratie fordern. Du bist doch immer im Nahen Osten, erklär uns mal bitte die Welt! Dein Choucou Lieber Choucou, es ist kompliziert. Aber eigentlich ganz einfach. In Syrien, vor allem in Damaskus, gab es eine aktive Underground-Szene. Ich meine, jugendkulturell! Wir [030]-Leser hätten uns da wohl gefühlt. Es gab private Partys, manchmal sogar Haschisch aus dem Libanon, obwohl die kleinste Menge schlimme Gefängnisstrafen eingebracht hätte. Da der Staat so streng war, fanden die Menschen, ähnlich wie in der DDR, schneller und intensiver zusammen. Ich knutschte mal auf einer Straße um vier Uhr morgens mit einem anderen Europäer, als die Polizei auf uns zukam. Ich rief »run« und rannte weg. Mein Brite checkte es nicht, mit vorgehaltener Waffe wurde er eine Stunde lang auf der Straße im Dunkeln verhört, er konnte ca. 20 Worte Arabisch und die Polizisten null Englisch. Denn Knutschen auf der Straße war in Syrien verboten! Da mein Knutscher keinen Pass dabei hatte, verlangte die Polizei, dass er ihn zu Hause holte. Reine Schikane. Die Party, von der wir kamen, war aber noch im Gange, und alle wären in den Knast gekommen. Warum? Eine Freundin lebte da in einer WG, unverheiratet, mit drei Männern. Ganz klar: Prostitution, die Moralpolizei hätte sie drei Jahre in den Knast stecken können. Wir hatten Iraner zu Gast, die selbst von ihren Folterern traumatisiert waren und Medikamente nehmen mussten, die ohne Verschreibung als Drogen gegolten hätten —schon wieder mindestens drei Jahre Knast. In zwei Schlafzimmern ging es hoch her, alle Knast. Die beiden knutschenden Jungs auf der Party wären gleich mit Gewehrkolben blutig geprügelt worden, den Rest hätte der Knast erledigt. Sag Deinen arabischen Freunden, sie sollen den CSD in Berlin feiern, als Fest, dass sie in unserer tollen Stadt die Chance dazu haben, und dieser sexy Luxus-Demo wieder ein Ziel geben. Freiheit für alle unterdrückten homosexuellen AraberInnen! Love Shelley Masters
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