| Sondereinsatz gegen Sittenstrolch |
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| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Sommer der Liebe, Sommer der Triebe. Wochentags nachts 2.30 Uhr. Mein Telefon klingelt und ich gehe schlaftrunken ran. Dran ist eine Freundin, die zwei Straßen weiter wohnt, und schluchzt: »Du musst sofort vorbeikommen. Es ist der totale Horror.«
Ich sitze eingesperrt auf dem Klo und werde von einem irren Typen bedroht!« Ihre Stimme hörte sich ebenso betrunken wie besorgniserregend an, und ohne mich nach meiner Zuständigkeit für dergleichen zu fragen, fühlte ich mich in der Pflicht, unverzüglich aufzustehen und zu ihr rüberzulaufen. Bei ihrer Wohnung angekommen, sah ich, dass ich nicht der einzige war, der zu Hilfe geholt worden war - circa zehn Feuerwehrleute und drei Polizeibeamte standen vor der spektakulär eingetretenen Tür. Im Rahmen der Vernehmung, der ich beiwohnen durfte, wurde dann allmählich klar, was passiert war. Madame Nachbarin hatte in einer Dating Line einen Typen kennengelernt und ihn zwecks Anbahnung sexuellen Kontakts zu sich bestellt; dort hatte ebenjener aber offenbar nicht alle geforderten Qualitätskriterien erfüllt und sich anschließend seiner Zurückweisung und Wegschickung widersetzt, worauf er von der resoluten Frau Nachbarin einen Tritt ins Gemächt erhielt, was ihn dazu brachte, endgültig durchzudrehen, in der Bude zu randalieren und die Nachbarin zu beschimpfen und zu bedrohen. Frau Nachbarin flüchtete sich ins Badezimmer und rief die heilige Dreifaltigkeit: Feuerwehr, Polizei und als letzte Instanz mich an - nicht ohne den Sittenstrolch durch die Tür zu informieren, wer demnächst alles vorbeikäme. Der Strolch zog es dann nach einer Weile weiteren Schimpfens, Lamentierens und Drohens vor, das Weite zu suchen. Die Feuerwehr, die als erstes da war, hat ihn noch im Treppenhaus gesehen, wo er noch mitverfolgen konnte, wie die mutigen Helden vom Brandschutz die Tür eintraten. Als die Beamten abrückten, durfte ich mir die unappetitliche Story noch mal in allen Einzelheiten anhören, die Nachbarin war allerdings schon wieder erheblich besser gelaunt und schwärmte für den den extrem süßen Feuerwehrmann und wie rasant er die Tür eingetreten, wie höflich und ritterlich alle gewesen wären und wie geschickt der eine nette junge Polizist die Tür wieder notdürftig repariert hätte. Der Schrecken der Bedrohungssituation war offenbar der Freude am Spektakel gewichen. Ich blickte auf die Uhr: Es war inzwischen 4.30 Uhr und eigentlich gingen mir alle Hauptdarsteller der Story inzwischen auf die Nerven. Die horny Nachbarin, die prädestiniert dafür ist, dergleichen Sittenstrolche anzuziehen und eigentlich wissen sollte, wen man sich ins Haus holt oder wen man zum Daten doch erst einmal wo anders trifft; der dämliche Sittenstrolch, der unter »Nein« ja auch mal »Nein« hätte verstehen können, statt mir letzten Endes die Nachtruhe zu rauben und die Beamten, die jetzt hier als Superhelden dastanden. So 'ne Tür eintreten, das wär' mir auch noch gelungen. Wieder zusammenbasteln eher nicht.
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