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Geschrieben von Andreas Hartmann
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Do 18. + Fr 19.10. live jeweils ab 21 Uhr im Bi NuuDie aggressivste Band der Welt aus Berlin, wird 20. »Start the Riot!«, »Revolution Action«, »Hetzjagd auf Nazis«, allein
diese Songtitel von Atari Teenage Riot lesen sich wie Überschriften von
Flugblättern linksradikaler Grüppchen.
Elektronische Musik politisch
machen war das Anliegen von ATR schon in den frühen 90ern. Damals war
viel die Rede vom Club als Utopie und temporärer autonomer Zone und
einige begriffen auch die Loveparade als politisches Statement.
Aber Alec Empire, von Anfang an der Popstar der Band, wollte mehr als »Friede, Freude Eierkuchen«. Die Loveparade hielt er sowieso für Unfug, sein beliebtester Slogan und der seiner Band lautete stattdessen: »Riot Sounds produce Riots.« Und als Atari Teenage Riot irgendwann bei einer der berüchtigten 1. Mai-Demos durch Kreuzberg auf einem Wagen mitfuhren und nach diversen Ausschreitungen polizeidienstlich vernommen wurden, war das vielleicht der agitatorische Höhepunkt einer politisch denkenden Band.
Nach vielen Brüchen in der Bandgeschichte, nach diversen Umbesetzungen und dem zeitweiligen Aus ist es in den letzten Jahren natürlich etwas ruhiger geworden um Atari Teenage Riot. Das Comeback-Album vor zwei Jahren klang etwas unentschlossen und die Band wirkte nicht mehr so roh und wütend wie in den alten Tagen.
Und wie roh und wütend Atari Teenage Riot damals klangen! Hört man sich frühe Tracks der Band heute nochmals an, springen einem diese immer noch mitten ins Gesicht.
Atari Teenage Riot verstanden es einfach, Speed Metal oder Vergleichbares mit einem Schlag wie lächerliche Kirchentagsmusik wirken zu lassen. Gegen die Gabba-Beats, das Breakbeatgeballer und das hysterische Gekreische von Alec Empire und der damaligen Sängerin Hanin Elias klangen Slayer und Konsorten plötzlich lahm und ranzig. Als ATR dann damit begannen, selber ihren Sound mit Slayer-Gitarren aufzufetten, war dies eher der Idee einer musikalischen Weiterentwicklung geschuldet – in Sachen Dringlichkeit brachten die Gitarren die Band nicht voran.
Atari Teenage Riot waren die Vorreiter des Digital Hardcore und gleichzeitig dessen weltweit erfolgreichsten Vertreter. So wie alle wirklich großen deutschen Bands waren ATR aus Berlin im Ausland weit bekannter als in der Heimat und nicht nur die damalige Krawallcombo Beastie Boys waren bekennende Fans, die die Band vom Fleck weg für ihr eigenes Label Grand Royal signten. In Japan wird Alec Empire heute immer noch wie der Messias verehrt und überall in der Welt respektiert man die Band nicht zuletzt dafür, Vorreiter des Genres Breakcore gewesen zu sein.
Jetzt feiert ATR sein 20-jähriges Bandjubiläum. Gleich zwei Konzerte hintereinander spielen sie in Berlin und das Motto lautet passend zum dem Titel einer alten ATR-Platte: »Burn Berlin Burn«.
Do 18. + Fr 19.10. live jeweils ab 21 Uhr im Bi Nuu
Fr 19.10. After Show Party mit Alec Empire & Rowdy Superstar DJ Set ab 24 Uhr im Bi Nuu
Über Atari Teenage Riot:Atari Teenage Riot werden 1992 in Berlin gegründet. Bald wird die Band im Ausland, vor allem in den USA und Japan, mehr gefeiert als in Deutschland. Auf dem eigenen Label Digital Hardcore veröffentlichen sie ihre Platten und die befreundeter Acts – Digital Hardcore wird zum Genre. Nebenbei bringt Alec Empire diverse Soloplatten heraus, die heute als Klassiker der experimentellen Elektronik der 90er gelten. 2001 stirbt das ATR-Mitglied Carl Crack, die Band scheint in den Nuller-Jahren am Ende zu sein. Seit 2010 machen sie in veränderter Besetzung weiter, demnächst soll ein neues Album erscheinen.
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