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MIA im Interview PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Tim Schäfer   

030_05_aufmacher_mia2_cr_cr.jpgDen Zauber bewahren

Die Berliner Band MIA um Sängerin Mieze startet den Countdown für ihr viertes Album, das Anfang September erscheinen wird. Die Single »Mein Freund« dreht sich seit Anfang Juli auf den deutschen Plattentellern. Ein willkommener Grund, dem Quintett vorab ein paar Fragen zu stellen.
Auf dem Hinterhof einer Tankstelle im Prenzlauer Berg treffen wir Mieze, Andy, Ingo, Gunnar und Robert. MIA lassen bitten. Die Elektropop-Band hat zum Pressetermin gerufen und es sich stilgerecht in einer kleinen Garage häuslich gemacht. Bei offenen Toren und Nieselregen nehmen wir Platz in der gemütlichen Runde und werden zugleich von Mieze auf das Schild über dem Eingang hingewiesen: Willkommen im Club. Das schafft Klarheit. Im Gespräch geben sich die fünf Musiker betont offen. Einem netten Plausch steht nichts im Weg. Nachdem wir uns einig sind, dass die Berliner Clubszene der späten Achtziger und frühen Neunziger Jahre als Clubreferenz gilt, wenden wir uns aktuelleren Themen zu. Wie groß war der Piafsche Einfluss auf das neue Werk? Wie wichtig ist der eigene Blick über den Tellerrand? Fragen, die es hier zu klären gilt. 

Absicht oder Zufall: Der Gesang eurer neuen Single »Mein Freund« erinnert an die Chansons der französischen Sängerin Edith Piaf.
Robert: Das ist zumindest nicht vorsätzlich passiert.
Andy: Wobei, ich kann mich daran erinnern, dass ich mit Mieze mehrere Tage lang an dem Gesang gearbeitet habe, und da war Edith Piaf auf jeden Fall die Referenz.
Mieze: Du meinst, die hochgezogenen Augenbrauen und der Schlafzimmerblick (lacht). Davon aber mal abgesehen ist es vielmehr so, dass jeder Ton den anderen erzwingt und das ist dann dabei herausgekommen. Alle anderen Bezüge kamen erst später hinzu.

Ihr seid mit eurer Musik viel rumgekommen. Inwiefern hat das euer Schaffen beeinflusst?
Gunnar: Reisen ist immer gut. Das frischt die eigene Festplatte auf. Alleine schon, wenn man irgendwo hinkommt und als Musiker ganz von vorne anfängt.

Denkst du da an eure Chinareise, die ihr im Auftrag des Goethe-Instituts unternommen habt?
Gunnar: Ja, auch. Aber es für jeden kreativen Menschen einfach gut, Kontextverschiebungen zu erfahren, um festzustellen, dass sich die Welt auch anders drehen kann.

Raus aus dem eigenen Alltagsallerlei?
Gunnar: Genau, wenn keine neuen Eindrücke reinkommen, dann gibt es auch nichts mehr zu erzählen.
Mieze: So eine äußere Reise ist ja auch immer Anstoß für eine innere Reise. Es gibt Momente, wenn ich da bewusst wegfahre und schreibe, dann ist das gut für die Texte.

Weil man sich in solchen Momenten nur mit sich selbst beschäftigt?
Mieze: Auch, man beginnt auch wieder, zwischen den Zeilen zu lesen. Wird wieder sensibler für die Dinge um einen herum. Das bewahrt den Zauber. Diesen nicht zu entschlüsseln, sondern zu benutzen, war mir immer sehr wichtig in den Texten.

Wie waren die Publikumsreaktionen im Reich der Mitte?
Gunnar: Wir hatten das Gefühl, dass die Menschen dort spürten, dass wir auf der Bühne richtig Spaß haben. Das wir unser Tun intensiv empfinden. Das kam sehr gut an.

Mangelnde Sprachkenntnisse waren kein Hindernis?
Gunnar: Es war gerade schön zu sehen, dass es so ein nützliches Vehikel wie Sprache gar nicht braucht. Da ist einfach ein Geist auf beiden Seiten, der sich dafür interessiert, was da gerade passiert.

Zum Beispiel?

Gunnar: Na, es war interessant zu sehen, wie ein chinesisches Publikum positiv reagiert. Die sind dann sehr euphorisch. Ganz kurz und heftig und danach ist dann alles wieder ruhig. Jedes Gitarrensolo wird dort lautstark abgefeiert.
Ingo: Ich hatte auch das Gefühl, dass die ein ganz feines Gespür für Ehrlichkeit haben und das ist natürlich auch etwas, was wir ungemein sympathisch finden.
Mieze: Es war damals aber auch so ein Abend, an dem einfach alles gestimmt hat. Die Set List war super. Das Publikum ging ab und wir hatten einfach auch Spaß, es einfach kommen zu lassen.

China ist also Mitglied in eurem Club?

Mieze: Der Club ist da, wo man ihn gerade macht. Für uns speziell bedeutet das, wo wir sind, da ist der Club. Da sind alle willkommen. Ob China oder Deutschland. Willkommen im Club, verdammt noch mal. Deshalb sind wir doch alle hier.


www.miarockt.de



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