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Geschrieben von Andreas Hartmann   

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  • Lil Wayne - Tha Carter III - [Universal]

  • Subtle - ExitingArm - [Lex]
  • Diverse - Elaste Vol. 2 - Space Disco - [Compost]
  • Fleet Foxes - Fleet Foxes - [Bella Union]
  • Recloose - Perfect Timing - [Sonar Kollektiv]
  • Spiritualized - Songs in A&E - [Cooperative Music]
  • Ratatat - LP 3 - [XL]
  • Mary Anne Hobbs - Evangeline - [Planet Mu]
  • Max Müller - Die Nostalgie ist auch nicht mehr das, was sie früher einmal war - [Angelika Köhlermann]
  • Melvins - Nude With Boots - [Ipacec]
 
  Platte der Ausgabe:

Lil Wayne - Tha Carter III - [Universal]

Diese Platte wurde in den USA so erwartet wie demnächst ein Wahlsieg der Demokraten. Lil Wayne ist der neue 50 Cent, der Hip Hop-Messias, größer, phatter, gigantischer als all die anderen. Und er verkauft endlich mal wieder messbare Einheiten, was in Zeiten, in denen sich nicht mehr jeder Rapper einen Palast in Beverly Hills leisten kann, durchaus wieder eine Meldung wert ist. Das Tolle an »Tha Carter III« ist nun, dass hier wieder mal ein Mainstreamwerk vorliegt, das die ganze Indieödnis in die Tasche steckt. Was man hier an irren Sounds hört, an durchgeknallten Beats und obendrauf endlich mal wieder Busta Rhymes als Gastrapper, das verblüfft selbst den abgebrühtesten Hip Hop-Fan. Zudem hat Lil Wayne echt den Funk, was seinen Hip Hop noch pfeffriger macht. Leute, gründet Fanclubs!
CoolCoolCoolCool

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Avant-Hop

Subtle - ExitingArm - [Lex]
Fand man mal super, diese Art von Hip Hop-Dekonstruktion. Etwas Rock zum Rap, bisschen Dance dazu und paar komische Geräusche, schon hatte man mal etwas anderes als das ewig Gleiche. Doch seit auch N.E.R.D. oder Madlib den Hip Hop zerlegen, weiß man, dass deren Art, Hip Hop sozusagen aus sich selbst zu erneuern, einfach mehr Sinn macht. Subtle, die als echte Band antreten und auch vor dem Einsatz von Flöten, Saxophon und so etwas nicht zurückschrecken, wirken da mit ihren Bemühungen eigentlich nur noch putzig. Diese Musik groovt nicht und hat keinen Soul, Madlib-Produktionen dagegen eben schon. Das sollte den Alternative-Rappern aus der Subtle-Ecke mal zu denken geben.
CoolCool
 
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Diverse Bowie Cover

Diverse - Elaste Vol. 2 - Space Disco - [Compost]
»Space Disco« trägt diese Compilation im Untertitel. »Space Disco«, das ist immer noch der Hipstersound der Stunde. Gemeint ist damit per Definition ein Discosound, der das Giorgio-Moroder-Konzept von orgasmischem Soul aufgreift und zum totalen Wegdriften einlädt. Dieser »Elaste«-Sampler ist außerdem den irrwitzigsten Exemplaren dieser Musikrichtung gewidmet, vergessenen Perlen des Italo-Disco und verschollenen Obskuritäten von Acts, die sich Namen wie »Panoptikum« gegeben haben, und Tracktiteln wie »Glückskugel«. Afrodiscospacehouse, ungefähr um so etwas geht es, hier gibt es Fusion total. Schön. Nur schade, dass die Tracks im Mix präsentiert werden, man hätte sie viel lieber als Sammlung, in der jede Nummer für sich steht.
CoolCoolCool

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Indie Hype

Fleet Foxes - Fleet Foxes - [Bella Union]
Fleet Foxes sind eine der Hype-Bands der Stunde. Kommen im Fahrwasser von Vampire Weekend daher, haben auch einen Hauch Afro mit im Sound, doch man muss schon genau hinhören, um das zu erkennen. Auch sonst haben sie alles, was man braucht, um als Indieband heutzutage noch überzeugen zu können. Ihre Songs sind hochkomplex, mal flockig, mal psychedelisch, zwischendrin werden einem aber auch waschechte Hits serviert, von denen jeder für sich das Gesamtwerk von Coldplay hinter sich lässt. Haben all die Aufmerksamkeit verdient und sogar noch viel mehr davon.
CoolCoolCoolCool

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Techno Funk

Recloose - Perfect Timing - [Sonar Kollektiv]
Detroit-Techno und Chicago-House waren immer dann am schönsten, wenn überdeutlich das Erbe afroamerikanischer Musik von Soul bis Jazz durchschimmerte, wenn transparent gemacht wurde, dass diese Tanzmusik letztlich nur eine Weiterentwicklung von dem ist, was schon irgendwelche Soulbrothers in den Sechzigern angestoßen hatten. Auch Recloose hat nun seine Wurzeln überdeutlich freigelegt: Bei ihm ist es der Funk, der hier schimmert und glänzt, ruckelt und zappelt, dass er wohl selbst von James Brown Bestnoten bekommen hätte. Verschiedene Sänger grooven sich durch das Programm, unter anderem Joe Duke von Fat Freddys Drop, damit einem auch wirklich keine Sekunde langweilig wird.
CoolCoolCoolCool

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Kauz Indie

Spiritualized - Songs in A&E - [Cooperative Music]
Jason Pierce, Kopf von Spiritualized, wurde während der Arbeiten zu vorliegendem Album krank, sehr krank sogar. Lungenentzündung, der Sensenmann hatte schon einen Termin bei dem Sänger. Am Ende ging noch einmal alles glatt, Pierce sagte sein Rendezvous mit dem Tod ab und konnte die Platte nach endlosen Verzögerungen beenden. Diese dreht sich dafür stark um Krankheit um Tod, klingt sehr intim und melancholisch, wie ein Requiem fast. Pierce hat sich Gospelsänger mit ins Studio geholt, mit denen er gemeinsam von der eigenen Vergänglichkeit singt und vom Wunsch, vielleicht doch noch irgendwo Erlösung zu finden. Pathos wird dabei stets vermieden und Kitsch bleibt draußen bei diesem berückenden Werk.
CoolCoolCoolCool

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Softporno Rock

Ratatat - LP 3 - [XL]
Man kann hier alles Mögliche entdecken, Reminiszenzen an den guten, alten Surfsound, die so genannte »incredibly strange music« der Sixties, in der irgendwelche Käseorgelspieler auf Hawaii-Exotik machten, und immer wieder den Progrock der Siebziger. Cheesy muss man das wohl nennen, was Ratatat da machen, wirklich ernst meinen sie es bestimmt nicht, zu sehr muss man doch bei diesem Duo an Typen in weißen Anzügen und mit Hängekeyboards denken. Rein instrumental ist deren Musik, bei der ganz offensichtlich Synthies jubilieren, die es sonst eigentlich nur noch im Museum zu bestaunen gibt. Softpornos könnte man mit diesem Weichzeichnersound untermalen, aber nur wirklich geschmackvolle.
CoolCoolCool

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Dark Hop

Mary Anne Hobbs - Evangeline - [Planet Mu]
So klingt der Sound aus den dunkelsten Straßenschluchten Londons. Hier spricht die Großstadt bei Nacht. Mary Anne Hobbs klaubt in ihrem Mix alles zusammen, was derzeit England mal wieder zum Hotspot der weltweiten Popkultur macht, also Dubstep und Artverwandtes. Shackleton, Boxcutter, Clao Intelecto - derartigen Stars des Dubstep hat sie ein paar Düsterbässe und Rumpelsound abluchsen können. Dazu Finsteres von Englands Technogangster Surgeon und eine Nummer von Flying Lotus, dessen Hip Hop-Bastardisierungen derzeit für Furore sorgen. Macht richtig Angst, dieser Sampler, aber auch gehörig viel Spaß.
CoolCoolCoolCool

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Poesie Pop

Max Müller - Die Nostalgie ist auch nicht mehr das, was sie früher einmal war - [Angelika Köhlermann]
Max Müller ist eigentlich Sänger von Berlins berühmtester unbekannter Band Mutter. Nebenbei zeichnet er, schreibt Geschichten und schiebt Kinderwagen durch Kreuzberg. Hin und wieder veröffentlicht er dann Soloplatten. Und die sind alle unwahrscheinlich verstörend, beklemmend, poetisch und schön gleichzeitig. Und nun hat er es schon wieder getan. Er singt über »Zwei einsame Schizoide« oder behauptet »Die Welt hasst euch«. Das sind echte Max-Müller-Titel, echte Max-Müller-Texte gibt es natürlich auch wieder. Dabei ist sein neues Werk vergleichsweise eingängig, fast schon poppig, und der Plattentitel, nun ja, regelrecht lustig.
CoolCoolCoolCoolCool

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Weirdo Rock

Melvins - Nude With Boots - [Ipacec]
Schon Kurt Cobain war Melvins-Fan und hätte er nicht am Abzug herumgespielt, er wäre es unter Garantie immer noch. Denn die Melvins sind zwar inzwischen im Rentneralter, aber leise sind sie deswegen kein Stück. Nach all ihren Ausflügen ins Rockexperimentelle, lassen sie sich auf ihrer neuen Platte einfach mal wieder vor allem gehen. Sie rocken, schwer und teilweise fast schon metalmäßig prollig. Die Queens of the Stone Age wirken derzeit leicht schwach auf der Brust, nur gut, dass King Buzzo und die Seinen immer noch wissen, wie man Riffs gehörig tiefer legt. Die Melvins bleiben damit die beste Band der Welt.
CoolCoolCoolCool



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