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Geschrieben von Andreas Hartmann   

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  • Beck – The Modern Guilt [XL]

  • Diverse - Channel 1 Story Chapter Two - [VP]
  • Albert Hammond, Jr. - Cómo Te Llama? - [Rough Trade]
  • Tricky - Knowle West Boy - [Domino]
  • Scott Hull - Requiem - [Relapse]
  • CSS - Donkey - [Sub Pop]
  • She & Him - Volume One - [Domino]
  • M.anifest - Manifestations - [Jakarta]
  • Ragga Twins - Ragga Twins Step Out - [Soul Jazz]
  • Leila - Blood, Looms, and Blooms - [Warp]
 
  Platte der Ausgabe:

Beck – The Modern Guilt [XL]

Produzent Danger Mouse scheint zurzeit der gefragteste Mann zu sein, wenn es um auf Zeitgeist getrimmte Retro-Sounds geht. Nach Gnarls Barkley, den Black Keys und Shortwave Set hat er jetzt auch am neuen Album des Chef-Individualisten Beck Hand angelegt. Beck war mit seinem letzten Album „The Information“ ja schon ein bisschen hinter früheren Großtaten zurückgeblieben. Mit Danger Mouse als neuer rechter Hand kehrt er zur alten Form zurück. Das ohnehin großartige melodieselige Pop-Songwriting auf seinem neuen Album wird durch frickelig filigrane Beats, psychedelische Halleffekte, ausufernde Percussions veredelt. Wie der Titel „The Modern Guilt“ schon andeutet geht es aber keineswegs beschwingt oder gar aufgedreht zu. Beck gibt sich spirituell und macht sich Sorgen um die Zukunft der Menschheit und unseres Planeten. Völlig zu Recht.
CoolCoolCoolCool

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Roots-Reggae

Diverse - Channel 1 Story Chapter Two - [VP]
Sommer ist Reggae-Zeit, da kann man machen, was man will. Egal, ob beim Thailand-Urlaub oder vom Balkon des Nachbarn von gegenüber: Bob Marley ist überall dort, wo die gute Laune noch sonniger erscheinen soll als sowieso schon. Natürlich nervt das, doch der Reggae kann für seinen Missbrauch eigentlich nicht haftbar gemacht werden, Reggae bleibt eine super Musik, zu der man sich nicht zwangsläufig »gut druff« fühlen muss, auch wenn einem gerade gar nicht danach ist. Reggae kann einen auch ganz sanft glücklich machen, wenn er so serviert wird wie auf dieser Doppel-CD, die Hits aus der guten alten goldenen Reggae-Zeit, also grob gesagt: Aus den Siebzigern, kompiliert, die damals auf dem wichtigen Channel-1-Label erschienen sind. Delroy Wilson, John Holt, Horace Andy, alle sind sie mit dabei, was will man denn mehr? Bob Marley? Heute nicht.
CoolCoolCool
 
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Indie-Rock

Albert Hammond, Jr. - Cómo Te Llama? - [Rough Trade]
Spanisch wird immer wichtiger, nicht nur im Fußball, nein, Spanisch verdrängt auch in Deutschland zunehmend das Französische als Drittsprache. Somit empfiehlt sich für den Anfänger der Einführungskurs mit Albert Hammond, Jr. »Cómo Te Llama?« fragt der auf seiner zweiten Soloplatte - »wie heißt du?«. Als ob der das wirklich wissen will. Die Strokes, Albert Hammonds Band, machen gerade Pause und man fragt sich sowieso: Braucht noch jemand die Strokes? Man fragt sich aber auch: Braucht jemand einen Albert Hammond, der es jetzt mit ein wenig Spanisch versucht? Nun na, schlecht ist die Platte nicht geworden, wieder hübsch poppig und voller hübscher Melodien. Für Begeisterung oder wenigstens gesteigertes Interesse reicht das jedoch nicht.
CoolCool

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Querkopf-Musik

Tricky - Knowle West Boy - [Domino]
Ich bin Tricky-Fan, natürlich. Diese Arroganz, der Größenwahn, das Divenhafte: Ganz groß. Alle Wandlungen, Häutungen und Zickigkeiten des Meisters habe ich gerne mitgemacht, am Ende klang dann ja doch fast jede Tricky-Platte in irgendeiner Weise aufregend. Auch auf seinem neuen Werk macht er uns es mal wieder nicht wirklich leicht. Welchen Tricky bekommen wir hier eigentlich? Den frühen Mysteriker? Den Rocker? Den Rapper? Was soll das alles überhaupt wieder, was ist das eigentlich für eine Art von Musik, dieses Geschepper und affektierte Rumgetue mit Beats und gezupften Streichern? Er hat es wieder getan, er hat uns erneut komplett verwirrt. Ich glaube, ich finde es ziemlich gut.
CoolCoolCool

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Filmmusik ohne Film

Scott Hull - Requiem - [Relapse]
Scott Hull ist Mitglied solcher Bands wie Pig Destroyer und Agoraphobic Nosebleed, er versteht sich also eigentlich aufs Grobe, auf Metal der etwas eigenartigeren Sorte. Doch solo versucht er sich an etwas ganz anderem, an Score-Sounds, die sich erklärtermaßen an Philip Glass und Goblin orientieren, also an Großmeistern der Score-Musik. Seine Musik ist flächig, und wer zu ihr nicht automatisch an großes Kino denkt, der schaut sich Streifen aus Hollywood wahrscheinlich bevorzugt auf seinem Handy an. Wirkt zwar alles leicht gewollt, ist aber wirklich nicht schlecht gemacht, vielleicht dreht ja noch jemand den passenden Film dazu.
CoolCool

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Brasil-Rock

CSS - Donkey - [Sub Pop]
In der Fashion- und Fotostrecken-Welt da draußen wird diese Band frenetisch gefeiert, warum auch immer. Kommt aus Brasilien! Rockt trotzdem und covert nicht »Girl From Ipanema«! Haben Style bis dorthinaus! Tropicalia 2008! Kriegt bei all der Begeisterung eigentlich noch jemand mit, dass CSS trotz alledem keine wirklich wahnwitzig originelle Indierockband sind? Ist schon okay, was die Brasilianer da zusammenrocken, ist auch catchy und was für den Carrera-Club, aber soll man sich wegen dieser Musik jetzt wirklich sofort eine Röhrenjeans kaufen? Nee, wirklich nicht.
CoolCool

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Classic-Pop

She & Him - Volume One - [Domino]
Wenn Schauspieler das Singen anfangen, wird es entweder grenzdebil (David Hasselhoff), ambitioniert (Scarlett Johansson) oder na ja (Katja Riemann). Super spitzenmäßig wird es nur in Ausnahmefällen. Hier hätten wir so einen: Die Schauspielerin Zooey Deschanel, die gerade in dem Film »The Happening« auf der Flucht vor der tödlichen Natur ist, singt jetzt nämlich auch. Und dafür hat sie sich mit dem Folkie M. Ward zusammengetan, der sowieso ein Guter ist. Gemeinsam haben sich die beiden nun einen hübschen Strauß an klassisch klingenden Popnummern erarbeitet, der schwer nach Sixties und einem Touch swinging London klingt. Macht sowas von guter Laune, diese Musik, und auch die Beatles- und Smokey-Robinson-Coverversionen gehen schwer in Ordnung.
CoolCoolCool

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Indie-Hip Hop

M.anifest - Manifestations - [Jakarta]
M.anifest ist jung, dies ist sein Debüt. Er ist Rapper und auf einem Independent-Label. Er setzt voll auf Hip Hop, der den Geist der Native Tongues atmet und niemals groß in den Charts eine Rolle spielen wird. Du, lieber Leser, wirst M.anifest wahrscheinlich nicht kennen, denn kaum jemand kennt ihn bislang, großartige Promokampagnen wird es nicht geben und der Rapper steht auch nicht darauf, fotogerecht eine Rapperschnute zu ziehen oder wenigstens im Muskelshirt zu posen. Hier geht es also nur um die Musik, um den Hip Hop allein, das mag langweilig sein, schließlich ist Pop - und Hip Hop ganz besonders - immer eine Image-Angelegenheit. Doch diese Musik hier, dieser Rap, schnörkellos und perfekt, überzeugt so sehr, dass der Rest sowieso egal ist. Einfach guter Hip Hop, mehr nicht.
CoolCoolCoolCool

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Jungle

Ragga Twins - Ragga Twins Step Out - [Soul Jazz]
Was von Drum &Bass übrig geblieben ist, das ist wohl seine Vorstufe, also Jungle, wo die Reggae-Einflüsse noch überdeutlich waren. Oldschool-Enthusiasten werden sich noch an die göttlichen Ragga Twins erinnern, deren Jungle besonders reggae- und soundsystemlastig war. Wer sich nicht erinnert, der kann es ja mit dieser fein zusammengestellten Compilation versuchen, auf der die Zwillinge ihre besten Tunes erneut ausbreiten dürfen. Somit: Welcome to the Jungle!
CoolCoolCool

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Björk-Electronica

Leila - Blood, Looms, and Blooms - [Warp]
Bekannt wurde Leila als eine Art Björk für Nerds. Noch versponnener als die Isländerin klang sie, während einem gleichzeitig ähnliche Assoziationen wie Elfen und Zwerge einfielen. Dann machte Leila längere Zeit Pause, um nun so mirakulös weiter zu machen wie eh und je. Bizarre Klanglandschaften breitet sie vor uns aus, voller eigentümlicher Electronica und wirren Sounds von sperriger Schönheit. Für etwas Klarheit sorgen da allein ihre Gastsänger, die nicht die Schlechtesten sind, beispielsweise der große Terry Hall wäre mit von der Partie. So kann man am Ende die Klanggespinste von Leila doch noch Popsongs nennen, muss man aber nicht.
CoolCoolCool



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