| Hölle Mallorca |
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| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||||||||||||||||||||||||||
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So hatte ich mir meinen geschenkten Mallorca-Kurzurlaub nicht vorgestellt, noch nicht ahnend, dass die Vier-Tage-Tour noch surrealistische Züge annehmen sollte.
Gemeinsam mit meinem Bekannten, der mir den Trip spendiert hatte, saß
ich von der Außenwelt abgeschnitten in der im Landesinneren entlegenen
Finca von »Charlie«, seinem »uralten« Kumpel, bei dem wir während
unseres Malle-Aufenthaltes wohnen sollten. Zuerst schätzte ich Charlie als leicht debilen, aber freundlichen Hippie-Altrocker ein, doch schon nach kürzester Zeit stellte sich heraus, dass er ein veritabler Vollwahnsinniger war. Charlies Finca war vollgestopft mit allen möglichen Indianer-Utensilien, Statuen und Marterpfählen, kontrastierend dazu gab es noch einen riesigen Flachbildfernseher, auf dem ausschließlich das Regionalprogramm Nordrheinwestfalens lief (»alle anderen Programme sind kaputt«) und als Hauptattraktion eine riesige Carrera-Rennbahn, die raumfüllend das Gesamtbild des Wohnzimmers prägte. Charlie selbst hatte rund um seinen Lehnstuhl mit der Steuerkonsole der Rennbahn einen riesigen Kommandostand aus Weinkisten aufgebaut, am Rande der Strecke türmte sich das Leergut, als wenn’s eine Kapitalanlage wäre. Mit leuchtenden Augen sagte Charlie: »Komm, lass uns spielen.« Im Verlauf stellte sich heraus, dass Charlie seit langer Zeit Tag und Nacht offenbar nichts anderes machte, als total zugeschüttet mit Rotwein mit seiner Carrerabahn zu spielen und dabei das NRW-Regionalprogramm zu gucken und dabei jedem, der es hören wollte, immer und immer wieder zu erzählen, wie sehr er sich darüber freue, sich hier »sein eigenes Paradies« geschaffen zu haben. Ich dachte mir noch: »So unterschiedlich können die Vorstellungen vom Paradies sein« und »schwerer Fall von Inselkoller« und ging irgendwann rotweinmüde schlafen. Als ich gegen mittags aufwachte, bot sich mir ein Bild des Grauens. Charlie war immer noch wach, total dicht und hatte sich das Gesicht bunt geschminkt und einen Indianerkopfschmuck aufgesetzt. Er begrüßte mich, indem er allen Ernstes eine Indianeraxt in meine Richtung schmiss, die nur knapp an meinem Kopf vorbeiflog, was von Charlie mit »nur Spaß Alter, hihihi« kommentiert wurde und beruhigte mich mit einem »brauchste keine Angst zu haben, war mal Messerwerfer im Zirkus«. Als ich mich »für einen kleinen Spaziergang« verabschieden wollte, drehte Charlie durch: »Du kannst jetzt nicht weg; du musst erstmal noch gegen mich antreten«, womit die gottverdammte Autorennbahn gemeint war. Weg konnte ich sowieso nicht, Charlies Finca lag abgeschlossen von der Umwelt am Arsch der Welt. Charlie untermauerte seinen Anspruch auf meine Freizeitplanung und Freizügigkeit, indem er mit einem indianischen Wurfspeer abermals auf mich zielte. Ich kam mir vor wie in einem dieser Horrorfilme, in denen sonst amerikanische Teenager in die Fänge von Irren geraten – nun war ich halt mal dran. Fortsetzung folgt...
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