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Free Rainer PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Dirk Lüneberg   
free_rainer.jpgBetrachtet man die bisherigen Filme von Hans Weingartner, lässt sich eine deutliche Entwicklung feststellen: Die politische Botschaft tritt immer stärker in den Vorder-grund. Und dieser zunehmend zu unterwerfen hat sich auch die filmische Dramatur-gie. Wurde beim „Weißen Rauschen“ noch viel Mühe auf das visuelle Experiment gelegt, kreierte der Regisseur danach in „Die fetten Jahre sind vorbei“ eine fein aus-balancierte Synthese aus politischem Protest und starker Story. In „Free Rainer“ nun schlägt das Pendel in die andere Richtung aus: Die gesellschaftskritische Botschaft wird über den filmischen Aufbau gestellt, das Medium verschwindet hinter der Mes-sage, der Film wird zum Megafon, aus dem lauthals Agit-Parolen skandiert werden.
Wer sich die letzten Bilder von „Die fetten Jahre sind vorbei“ noch einmal vor Augen führt (zu sehen waren dort riesige Satellitenschüsseln und kurz darauf wurde das Filmbild krisselig, wie bei einem Fernseher ohne Empfang), konnte bereits ahnen, auf welches Thema sich Weingartner als nächstes stürzen würde: Das Fernsehen (kon-kret: Die Verblödung des Zuschauers durch das Trash-TV der privaten Sender). Aufmarschieren lässt er dazu das Klischeebild eines Fernsehproduzenten: Rainer (Moritz Bleibtreu) ist ein aggressives Alpha-Männchen-Arschloch, das sich gerne die Nase blutig kokst, ohne Rücksicht auf Verluste mit seinem Jaguar durch Berlin bret-tert, eine blond-dümmliche Püppi-Freundin nebst schickem Berlin-Mitte-Loft besitzt und sowieso denkt, er sei der Allergrößte. Dass dies nicht ganz der Realität ent-spricht, muss er erfahren, als eine seiner Sendungen wegen schlechter Quoten ab-gesetzt wird. Außerdem will ihm die attraktive Pegah (Elsa Sophie Gambard) zur Abwechslung mal nicht an die Wäsche, sondern ans Leben. Deren Großvater hat aufgrund einer diffamierend-denunzierenden Reportage aus einer von Rainers sen-sationsheischenden Sendungen Selbstmord begangen, wofür Pegah nun an dem Verantwortlichen Rache nehmen möchte. Beide Erlebnisse lassen den abgebrühten Fernsehfuzzi an Sinn und Richtigkeit seines Tuns zweifeln. Zusammen mit Pegah wechselt er die Seiten und versucht von nun an, das TV-Konglomerat dort zu treffen, wo es am verwundbarsten ist: Bei der Ermittlung der täglichen Einschaltquoten.
Diese viel zu plötzliche und daher reichlich unglaubwürdige Menschwerdung eines Produzenten-Ungeheuers verpackt Weingartner in eine bitterböse Satire. Und bastelt daraus zugleich eine Parodie auf die Quotengeilheit des deutschen (Privat-)Fernsehens, der er zum Schluss noch eine Zu-schön-um-wahr-zu-sein-Utopie von einer besseren Welt mit besserem Fernsehprogramm angedeihen lässt. Das Ganze klingt zwar von seiner Grundidee her sehr schön ausgedacht, gerät jedoch letztlich ähnlich platt und plakativ wie das Trash-TV, das hier am Pranger steht. Zumal der Film auch dramaturgisch wenig zu bieten hat und letztlich Stückwerk bleibt: Viel zu sehr auf dem Faktor Zufall basierend wird die dünne Geschichte vorangetrieben, um abschweifende Exkurse erweitert und so unnötig auf viel zu lange 138 Minuten ge-streckt. So ist es dem Regisseur mit diesem Werk leider nicht gelungen, an seinen Überraschungserfolg „Die fetten Jahre sind vorbei“ anzuknüpfen. Wenngleich man sich trotz aller Überdrehtheit von Plot und Personal sehr gut vorstellen kann und möchte, dass die Schilderungen aus dem Alltag eines privaten TV-Senders von der Realität so weit entfernt nicht sein können und auch der utopische Traum von einem sinnstiftenden Fernsehprogramm irgendwann einmal Wirklichkeit werden kann (auch wenn es derzeit danach so gar nicht aussieht). Ganz nebenbei bestätigt der Revoluzzer unter den Regisseuren noch den alten Spruch von Gil Scott Heron: The Re-volution will not be televised!

Start: 15.11.

Free Rainer, 138 Min., R: Hans Weingartner, D: Moritz Bleibtreu, Elsa Sophie Gam-bard, Milan Peschel, Simone Hanselmann, Tom Jahn, Robert Viktor Minich



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