"Wenn du nicht mit ganzem Herzen dabei bist, funktioniert so ein Laden nicht"Daniel Höferlin ist der Mann hinter den Kulissen des wohl glamourösesten Clubs von Berlin – dem Felix. Nach seiner Blitzkarriere als Model, GZSZ-Star und Musiker landete er schnell erst auf Kuba, dann auf dem Boden der Tatsachen und über Umwege im Felix. Mit uns sprach er über finstere Bars, Techno-Raves und die Berliner Clubszene.
Du hast hinter dir, was viele gern verschweigen würden. Du warst Soap-Darsteller… Wie kam es dazu?
Eigentlich komme ich aus einer Gastronomen-Familie. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zum Reise- und Verkehrskaufmann gemacht. Ich habe mich allerdings nie so richtig wohl damit gefühlt, älteren Damen Reisen und Versicherungen zu verkaufen. Ich bin dann gleich so ein bisschen in die Gastronomie abgetaucht. Das war damals in so einer kleinen düsteren Bar in der Kantstraße, Mimikry, in der nur langhaarige und ebenso düstere Typen rumhingen.
Dort liefen GZSZ-Scouts herum?
Nein. Ich konnte dann aber über meinen Vater im damaligen Orfeo anfangen. Ich war dort der jüngste Barkeeper. Normalerweise fängst du dort als »Runner« an, aber ich durfte gleich richtig loslegen. Damals war das ein ziemlich angesagter Black Music-Laden in der Marburger Straße. Entdeckt hat mich dann schließlich ein Friseur, Stylist und Fotograf, Jonny Pazzo.
Ein Fotograf?
Ja, man glaubt es kaum, aber durch ihn habe ich dann eine kurze und relativ erfolgreiche Modelkarriere gehabt. Vivienne Westwood, Hugo Boss usw., für die bin ich alle gelaufen. Ich war so um die 20 Jahre alt damals. Auf dem [030] Cover war ich damals auch zu sehen. Ich muss allerdings sagen, dass ich jemand war, der vieles schnell wieder hingeschmissen hat, selten etwas durchgezogen hat. So kam es dann auch, dass ich mich eines Tages bei diesem Casting in den Hansatonstudios wiedergefunden habe. Immerhin, sogar U2 hatten dort mal aufgenommen… (lacht)
Ein Casting für eine Soap-Band - Just Friends…
Als Marketing- und Werbekonzept war das eigentlich genial. Einzelne Personen, einzelne Charaktere wurden mit einem eigenen Handlungsstrang in die Serie (GZSZ) eingebunden. In der Serie haben die sich zu einer Band zusammengetan. Es gab dann einen Bandcontest, den wir natürlich gewonnen haben. Wir sind dann in der Serie auf Tour gegangen und später eben auch in der Wirklichkeit. Eine gewisse musikalische Ader muss ich wohl haben, denn am Ende wurde ich unter all diesen Leuten ausgewählt.
Eine Musikerkarriere blieb dir aber verwehrt…
Ja, es war aber auf jeden Fall eine verrückte Zeit, wobei ich sagen muss, dass ich im Nachhinein glücklich bin, dass ich nicht mehr ganz so jung war und diesen »Erfolg« wohl relativ gut einordnen konnte. Ich habe damals Gesangsstunden und Tanzstunden bekommen. Der erste Live-Gig war dann im Stadtpark Steglitz. Innerhalb der Serie. Den Statisten wurde erzählt, es würde ein Techno-Rave werden und so sahen die natürlich auch aus. Nun kamen wir auf die Bühne und hampelten mehr oder weniger vor denen herum. Die Managerin hat uns damals auch ziemlich zusammengestaucht. Aber, es ist wirklich unvorstellbar, der Song ist in den Top 10 gelandet.
Und es gab auch außerhalb der Serie Konzerte?
Wir sind dann tatsächlich auf Tour gegangen, im echten Leben. Bei einem Auftritt bei WOM in München saß ich im Filialleiterbüro, wo wir uns umgezogen hatten, und konnte von draußen die zweitausend Menschen kreischen hören. Ich dachte nur: Jetzt wollen die mich verarschen, die wollen mir an den Kragen! Ich hab echt mit Tomaten, faulen Eiern und eigentlich mit allem gerechnet. Aber es war in der Tat ernst gemeint.
Wie lange hast du das dann gemacht?
Ich konnte letztendlich fast fünf Jahre lang ziemlich gut leben. Damals konnte man ja noch mit CD-Verkäufen Geld verdienen. Die goldene Schallplatte steht bei mir drüben im Büro. Insgesamt haben wir fast eine Million Tonträger verkauft. Mit der Zeit wurden die Gigs rarer, nur noch alle zwei Monate. Irgendwann, das muss so 1999 gewesen sein, haben wir dann gesagt: »Lass uns aufhören, bevor wir auf jeder Kirmesveranstaltung auftreten!« Unser letzter Gig war mit Jürgen Drews, das hat uns wohl dann zum endgültigen Aufhören getrieben (lacht).
So, Musikkarriere vorbei. Was kam dann? Der große Absturz?
Nach Just Friends bin ich dann erst mal nach Kuba gegangen. In punkto Selbstentwicklung ist dieses Showgeschäft natürlich wirklich schwierig. Du fängst ja danach praktisch bei Null an. Kuba war dann ein bisschen Selbstfindung, obwohl ich auch dort gleich wieder beruflich angesetzt habe. Ich hatte die Idee, kubanische Musik mit deutschen Texten zu mischen. Heute total angesagt, damals wollte davon niemand etwas wissen. Nachdem das Projekt dann gescheitert war, hab ich es ganz bitter bekommen. Da haben sich dann alle der Reihenfolge nach gemeldet… Steuer usw. Ja, da bin ich ganz ehrlich, da ging es mir dann nicht mehr so gut. Letztendlich habe ich dann in einer kurdischen Bar an der Oranienstraße für acht Euro die Stunde gearbeitet.
Gelandet bist du aber dann im 90 Grad…
Lustigerweise wurde diese Bar dann mehr und mehr Promi-affin. Dort traf ich dann auf Dag Harbach, der mir sozusagen eine zweite Chance gegeben hat. Ich wurde dann Barkeeper im 90 Grad. Mir lagen Partys schon immer. Nach einem halben oder dreiviertel Jahr im 90 Grad als Barmann wurde ich dann gefragt: »Daniel, hast du Lust, ein bisschen mehr zu machen?« 2002 fing ich dann im Eventbereich des 90 Grad an.
Hattest du eine Ahnung, was dich da erwartet?
Ich konnte damals kaum E-Mails schreiben. Ich hab mich dann aber durchgeboxt. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass ich unheimlich viel vom Nils Heiliger gelernt habe. Wir sind zwar etwas unglücklich auseinander gegangen, vor allem in der Presse war das nicht immer angenehm, aber im Nachhinein kann ich das nicht anders sagen. Er ist nun mal ein Top-Mann im Marketingbereich. Er hat ja damals aus einer absoluten Bruchbude einen Szeneclub gemacht, in dem das Who’s who der Stadt verkehrte.
Bis dich das Felix abgeworben hat…
Es gab diesen Brand im 90 Grad. Danach ist es nie wirklich wieder auf die Beine gekommen. Da gab es dann noch eine Ausweichveranstaltung im heutigen Felix. »Von Sunset to Sunrise« hatten wir das damals genannt. Da hab ich schon gemerkt, was das Felix für ein Potenzial hat. Ich wurde dann gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, aus dem ursprünglichen Restaurant ein Club-Restaurant zu machen. In Eigenregie. Das war natürlich ein Traumangebot. Im September 2004 begann mein Arbeitsvertrag und da fand auch unsere erste Party statt.
Ab dann war das wohl ein Selbstläufer…
Man sollte nicht denken, dass man das Felix aufmacht und der Laden ist automatisch voll. Das ist schon nicht so einfach. Es ist schon so, dass Veranstalter gerade in Berlin sehr viel Macht haben. Es gibt viele Clubs, gerade im Westen, die gekommen sind und gegangen sind. Da wurden die Läden nur durch Veranstalter gefüllt und die eigene Identität des Clubs blieb auf der Strecke. Bei uns ist das schon eher so, dass die Leute in erster Linie ins Felix gehen. Der Veranstalter ist zwar wichtig, aber nicht alles.

Schilder doch mal die Clubsituation in Berlin!
Man muss ja eigentlich im Prinzip viel früher ansetzen. Nach der Wende hat sich eine Ostszene entwickelt, bei der leerstehende Häuser genutzt wurden, um eine wirklich tolle Szene aufzubauen. Da standen nun mal Räume frei und da wurden zwei Boxen, zwei Plattenspieler und ein Mischpult reingestellt. Das war mal legal, mal illegal, aber es war wirklich homogen gewachsen. Das Cookies zum Beispiel ist fast ohne Marketingmaßnahmen gewachsen. Das ist schon mal der grundlegende Unterschied zum Westen. Der Osten setzt wohl eher auf Understatement. Natürlich fließt dort auch Geld. Aber deren Marketing ist, kein Marketing zu machen.
Woran liegt das?
Das Publikum dort will das so. Aber guckt man sich das Weekend heute an… die verkaufen nun auch Champagner. Früher ein absolutes No-Go.
Es ist also ein anderes Publikum, das den Unterschied macht?
Ich selbst gehe wirklich seit 15 Jahren auf diese Industrial Partys. Dunkel, dreckig und dadurch wirklich cool. Aber diesen Glamourfaktor, den ich irgendwann auch altersgemäß finde, wenn man ausgehen will, den findest du halt im Westen. Unter anderem bei uns. Der Trend geht auch wirklich dahin, dass all diese internationale Gäste, denen gesagt wird, ihr müsst ins Berghain, ins Cookies usw., dann doch auch zu uns kommen.
Das will die Ostszene vielleicht so…
Mittlerweile sind auch diese Ostclubs mehr und mehr kommerzialisiert. Für mich ist das nichts Negatives. Diese Clubs haben diesen ganz speziellen Sound in die Welt getragen. Das kann man nicht anders sagen. Dieser Elektro-House-Trend läuft mittlerweile auch in „Westclubs“. Damals gab es ja hier fast ausschließlich Black Music.
Abgeguckt?
Nein, denn in der Ostszene ist es meist so, dass die DJs die Leute führen. Die Höhepunkte auf der Tanzfläche entstehen weniger durch Hits, als durch musikalische Leistung des DJs. Das wünsche ich mir auch für unsere DJs. Du kannst unseren Gästen aber auch nicht elektronisch mit dem Brett vor den Kopf hauen. Unser Publikum braucht auch ab und zu einen Refrain eines bekannten Hits.
Böse Zungen behaupten, dem Westen fehle es an Flair…
Uns wird dann natürlich schnell mal vorgeworfen, dass wir da etwas spießiger sind, aber auch Ostclubs sind da nicht unbedingt immer die offensten. Unser Resident Sergej Gorn zum Beispiel hatte einen super Gig im Berghain, aber als die erfahren haben, dass er unser Resident ist, haben die alle Folge-Gigs gecancelt. Ein Felix-DJ ist Berghain-Gästen natürlich zu bieder. Das ist schon eine merkwürdige Entwicklung.
Was macht ihr anders?
Das Felix zieht sein Publikum nicht nur über den DJ. Natürlich kommen viele Menschen, wenn die Disco Boys oder David Guetta oder Fedde de la Grande bei uns im Felix sind. Das wäre eine Lücke, in die man schlüpfen könnte. Solche Namen kosten aber auch viel Geld, und um das zu realisieren, brauche ich auch die Bereitschaft der Leute, eben auch mal 15 Euro Eintritt zu zahlen. Das ist halt sehr sehr schwierig, vor allem, wenn der ohnehin nicht so treue Westberliner dann von Clubs hört, wo prinzipiell kein Eintritt genommen wird und sich jeder per E-Mail auf die Gästeliste setzen kann.
Das schadet euch?
Das ist schädlich für den Markt. Über den Eintritt, so sagt man, sollten mindestens die Eventkosten (Tür, DJ etc.) gedeckt werden. Ich weiß nicht, wie andere Clubs das machen ohne Eintritt, aber wenn das der Trend ist, muss man Abstriche machen. Es ist so, dass wir im Felix uns die ganze Woche lang Gedanken machen, wie wir den Leuten am Wochenende eine Hammer-Party bieten können. Das ist dann irgendwann, bei dieser Entwicklung, kaum mehr möglich.
Aber ist das nicht legitim?
Wenn jemand etwas verschenkt, wo wir versuchen, eine Hochwertigkeit aufzubauen, dann ist das natürlich schädlich für den Markt. Legitim ist alles, was nicht verboten ist.
Das klingt nach hartem Konkurrenzkampf…
Natürlich wird man von allen Seiten attackiert, so ist der Markt. Das macht den Markt auch interessant. Es muss aber generell einen Trend geben, der weg von diesen Massengästelisten geht. Dem Gast muss auch bewusst sein, dass wir uns bemühen, ihm etwas zu bieten. Und das kostet eben. Wir wollen uns nicht an die breite Masse verschenken.
Was bietet das Felix?
Wir versuchen nun drei bis vier Mal im Jahr einen großen Namen als DJ zu buchen. Das erwarten die Leute dann. Aber natürlich müssen auch wir uns etwas einfallen lassen, man braucht neue Ideen, neue Konzepte, die wir selber entwickeln, wie z.B. „Eutopia“, ein Supperclub Event mit hochwertigem Food und Showelementen. Oder zum Beispiel unsere neue vollverglaste »Dunhill- Raucherlounge« mit Blick auf die Tanzfläche. Die haben wir jetzt bauen lassen. Soetwas kostet natürlich dementsprechend viel Geld. Aber es ist notwendig, denn viele unserer Gäste möchten rauchen.
Behauptung: Jeder zweite, der in der Schlange steht, wird abgewiesen…
Das gehört natürlich zu dem »Mythos Felix« dazu. Die Leute wissen eben nicht, ob sie reinkommen oder nicht und ich finde das ist legitim. Wenn sie mit der Art und Weise nicht einverstanden wären, dann würden sie ja nicht versuchen, ins Felix zu kommen. Es ist natürlich schade, wenn der eine oder andere draußen bleiben muss, aber das ist letztendlich schon ein mathematisches Problem. Wenn der Club tausend Leute fasst und zweitausend reinwollen, dann muss ich wohl oder übel aussortieren.
Nach welchen Kriterien?
Der Stil des Felix ist, dass sich die Gäste sehr herausputzen, sich Mühe geben, wirklich Gedanken machen über das Outfit. Die Gesamterscheinung muss passen, und da spielt es keine Rolle, ob jemand Turnschuhe anhat. Das ist nun mal Teil des Spiels: »Sehen und gesehen werden«. Wer das zu oberflächlich findet, der kommt nicht ins Felix. Auch unsere Stamm- und internationalen Gäste schätzen dieses Vorgehen.
Was gefällt dir an deinem Beruf?
Generell ist es so, dass jeder Mensch für sich irgendwann entscheiden muss, was ihm liegt und was ihm Spaß macht. Bei mir sind das nun mal Partys, auch wenn viele das einem nicht glauben wollen, weil sie gerade das Felix für einen Jahrmarkt der Eitelkeiten halten. Die Nacht hält viele Wahrheiten bereit. Ich glaube zwischen all den kleinen schwarzen Kleidern und Krawatten lernt man auch viel über Menschen.
Feierst du in deinem Club?
Bedingt. Ich muss natürlich einen Gang zurückschalten und als Vorbild auftreten, allein schon, weil ich am nächsten Morgen früh raus muss.
Du wirst bald 37…
Ja, das macht sich natürlich auch bemerkbar. Ich gehe gern auch mal mit Freunden essen und ich merke, die Clubnächte werden kürzer. Die Leute spüren aber, ob ich nur in der Ecke stehe und auf den Umsatz warte. Wenn du nicht mit ganzem Herzen dabei bist, funktioniert so ein Laden nicht.
Wie wichtig sind Firmenevents für einen Club?
Als Teil der Adlon Holding, die seit einem Jahr für das Management von Outlets wie »China Club«, »Adlon Day Spa«, »Ma Tim Raue«, »Gabriele« usw. zuständig ist, haben wir ein eigenes Salesteam, das sich um geschlossene Events kümmert, die natürlich einen wesentlichen Bestandteil des Gesamtumsatzes ausmachen.
Was wird die Felix-Gänger in Zukunft erwarten?
Wir arbeiten gerade an einem internationalen Austauschprojekt, bei dem uns die Top Clubs dieser Welt einladen und wir diese dann im Gegenzug empfangen. Nach der Sommerpause 2009 würde ich dem Berliner Publikum gern ein »Live-Musik-Konzept« anbieten.
Dieses Interview haben wir im Oktober 2008 geführt. Inzwischen betreibt Daniel Höferlin mit Partnern den Asphalt Club am Gendarmenmarkt. Wir lassen das Interview trotzdem online, weil wir finden, dass es ein wichtiges Stück Berliner Club-Geschichte schildert.
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Happy Birthday, Mientus!
Vielen Dank für die Wünsche! m
Charity für Prominente
Wrestling?
Deine dumpfe Ausdrucksweise lässt darauf schliessen, daß Du offensichtlich zu...
Wrestling?
Dein Artikel ist scheisse