| Als Ed Hardy nach Kreuzberg kam |
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| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Viel ist ja schon geschrieben worden über unsere putzigen Freunde aus
dem Süden – die Münchner, wie sie dereinst loszogen, um Berlin-Mitte zu
besetzen (Stichwort: Munification),
sich hierzulande ein bisschen zu großkotzig und peinlich zu benehmen, um nachher beleidigt ins Weißwurstland zurückzukehren, um sich auf allen Kanälen über die rohe unzivilisierte Hauptstadt und ihre barbarischen Einwohner zu beklagen. Heute kann ich sagen: Dazulernen gehört ja auch nicht zu ihren allergrößten Stärken. Es war am Freitagnachmittag, als ein Alfa Romeo Spider Cabrio vor einem gut belebten Kreuzberger Straßencafé vorfuhr, Münchner Kennzeichen, gebräunter leicht übergewichtiger Gelhaar-Typ inklusive blonder Guccibrillentusse (Typ »die junge Martina Effenberg«) und dort einen offenbar Einheimischen sahen und ihn mit lautem Bohei begrüßten »Ey Servus, lieber Chrissi, mir setza uns fei grad zu Dir«, was den »Chrissi« gar nicht so über alle Maße begeisterte, weil sich alle Augen auf ihn richteten. Aber was sollte er schon machen, die Ausrede »hab gerade keine Zeit« ist ja auch nicht so glaubwürdig, wenn auf dem Cafetisch im Sonnenschein bereits drei nicht abgeräumte Biergläser stehen. Und so saßen die Münchner nach ungeschicktem Einparkvorgang zwei Minuten später bei Chrissi, bestellten »drei Weizen« und zeigten ihre Einkäufe vor. Mr. Gelhaar, der sich Eddy nannte, war bereits mit einem knallgelben Ed Hardy Shirt mit Totenkopf und jeder Menge Strasssteinen drauf bekleidet, was ihn nicht dran gehindert hatte, noch mal mehrere hundert Euro für weitere Produkte in das Out-Label zu investieren und selbstgefällig zu erklären: »Eddy trägt Ed Hardy« und sich dann bei den umsitzenden Slackern anbiederte »Seht’s, hier des mit dem Totenschädel, dös is doch fei richtig kreuzbergmäßig, anarcho, find’s ihr des guad zum Ausgehen hier oder hier dasselbe in rosa – super, oder?« »Chrissi« zuckte ob der Anbandelungsversuche zusammen, das Publikum – eine normale Kreuzberger Mischung - schwieg für eine Sekunde und fing dann an, langsam mit dem Kopf zu schütteln, zu tuscheln, zu grummeln. Eddy vergaß nicht zu erwähnen, dass er am Nachmittag 800 Euro dafür ausgegeben hatte, nur um »fesch für Berlin« auszusehen, »Chrissi«, sein Berliner Bekannter, war bereits am Versinken unter dem Tisch und sogar Gucci-Brillchen merkte, dass das hier alles gar nicht super ankam und redete beschwörerisch auf Eddy ein: »Eddy, sieht super aus, aber komm, lass uns gehen.« Als stiller Beobachter der Szenerie fragte ich mich bereits, wie lang die Show gut gehen würde, da war’s auch schon soweit. Ein Einheimischer hatte seinen Café au lait in Eddys Einkaufstüte geschüttet, bräsig »Tschuldigung Alter, schätze, du kannst dir die Reinigung ja leisten« gesagt, worauf der Eddy wütend loslederte, dass man so was doch nicht machen könne, da ja immerhin Britney Spears, Madonna und ganz Hollywood die gleichen Klamotten wie er hätten, worauf alle Zuschauer wirklich beherzt drauf loslachten und Eddy sich von zwei Gören anhören musste »tja, aber ohne Kaffeeklecks, Alter«... Schimpfend trollte sich der Eddy und Brillchen von dannen, auch der »Chrissi« hatte das Weite gesucht, und für eine Sekunde hatte ich die Idee, dass das hier gar nicht die Wirklichkeit war, sondern bezahltes Slap Bang Straßentheater zur Aufmunterung der notleidenden Berliner Bevölkerung. Sollte es so gewesen sein, würde ich dem Kultursenat herzlichen Dank dafür sagen.
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