| Mediamarkt ist Gott, Alda |
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| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Nun in der Vorweihnachtszeit ist es ein schöner traditioneller Brauch, dass man einkaufen geht, und wenn man nicht so genau weiß, was man will, empfiehlt sich ein Besuch in einer Shopping Mall, in der alles, was unsere westliche Welt so bietet, zu haben ist.
Unter dem Vorwand, beschenken zu wollen, schleicht man sich in die
Konsumtempel, um zu gucken, was einem gerade selber gefällt. Und als
Kolumnist hat man auch einen tollen Deckmantel, nämlich mal hier an
dieser Stelle eine Kolumne über das neue Alexa, die Shopping Mall
östlich des Alexanderplatzes, zu berichten. Diesen überquerte ich auf dem Weg zum Alexa und hatte gleich drei strange Begegnungen mit Touristen. Die erste, direkt unter dem Fernsehturm mit einem verwirrten Japaner, der mich fragte „is this Alexanderplatz“, zehn Meter weiter mit einem schwedischen Familienvater, der fragte „where is Fernsehturm“ und noch mal wenige Schritte weiter mit einem bayerischen Touristen, der mich anquatschte „Sie sehn mir ja aus wie ein richtig gemütlicher Berliner. Wo kann man hier denn mal so richtig urig berlinerisch essen gehen“ und gleich hinterherschickte „aber nicht im Nikolaiviertel, da sind ja nur argentinische Steakhäuser. Wir wollen richtig berlinerisch essen gehen... so wie die Berliner, nicht so touristisch“. Tatsächlich überforderte mich diese Frage, und auch die Erklärung, dass wir Berliner ja eher internationale Küche bevorzugen, stellte den Mann keineswegs zufrieden. Ich hatte keinen Rat, erst als man berlinerisch auf traditionell deutsch erweiterte, konnte ich ihm als Kompromiss den Weihenstephan am Hackeschen Markt empfehlen, weil mir trotz intensivem Nachdenken kein einziges berlin-berlinerisches Restaurant in Mitte einfiel. Zufrieden trollte der Bayer sich dorthin, ich empfand das rein berlintechnisch als Armutszeugnis. Egal, auf ins Alexa mit seiner skurrilen Fritz-Lang-Metropolis-Filmplakat-Fassade, die ja alle Design- und Architekturinteressierte eher verzweifeln lässt (herrje, hat dieses Jahrhundert denn so gar nix Neues zu bieten). Das Alexa könnte man wohl als gepimptes Gesundbrunnencenter des Ostens beschreiben – es ist weitgehend, nein sogar total überraschungsfrei. Nivea verteilte Rasierschaumproben, O2 bot Sondertarife feil. Einziger Unterschied: der Flagshipstore des Mediamarktes, bei dem man sich immer noch fragt, ob der Ansturm inklusive Randale zur Eröffnung nicht von einer cleveren PR Agentur inszeniert wurde (Deutschland das Ideenland: Hartz IV Empfänger zu Shop-Stürmern). Ein Besuch im Mediamarkt ist immer eine Reise ins Reich der Phantasie, was man sich so alles kaufen könnte an Unterhaltungselektronik und wie schön es wäre, alles zu besitzen. Der Flagship-Mediamarkt ist so wie andere Mediamärkte auch, nur bigger. Das Bemerkenswerteste und Prägnanteste ist ein zwei mal drei Meter großer Fernseher für 77.777,- Euro, um den sich ein paar Jugendliche drängten (ungefähr so wie im Louvre vor der Mona Lisa) und sich zuraunten „Mediamarkt ist Gott, Alda“ und rätselten „einen solchen hat bestimmt der Bushido“. Als Freund großer Dinge hatte ich das erste Mal das Gefühl, „ach Mensch, das muss doch nicht dringend sein“ - und allein dafür empfand ich für einen Moment tiefe Dankbarkeit.
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