|
Geschrieben von Berlin Mitte Boy
|
Ich weiß nicht, ob jemand von Euch besonders traurig war, als er gehört hat, dass die Musikmesse Popkomm dieses Jahr komplett ausfällt.
Ein Tränenmeer habe ich jedenfalls nirgendwo entdecken können. Als sie
noch in Köln stattfand, war die Popkomm ein Pflichttermin und ein
Grund, einmal im Jahr der Domstadt einen Besuch abzustatten, um sich
auf Kosten der Plattenindustrie mal kräftig die Kante zu geben. Seither
war ich nie wieder in Köln, und da alle sowieso immer in Berlin sind
inklusive knapp gewordener Freigetränke, wurde der Besuch der
Veranstaltung von Jahr zu Jahr undringlicher.
Um so überraschter war
ich, dass ausgerechnet mein Mitbewohner R., der schwer einen auf
Piratenpartei, Anti-Zensursula, Free-Filesharing und so macht, etwas
enttäuscht und bestürzt über die Absage war und sich persönlich
beleidigt fühlte, weil als einer der Hauptgründe »Internetpiraterie«
genannt wurde. »Man hätte die Popkomm doch wenigstens im Netz und in
den Clubs stattfinden lassen können«, nörgelte er, »so hätte die
Musikindustrie zeigen können, dass die Branche nicht vollkommen am Ende
ist«. Ich gab zu bedenken: »Na ja, sowohl im Netz als auch in den Clubs
gibt’s ja genug Musik, auch ohne dass die Popkomm sich bemüht. Oder
hättest du dir gerne noch mal einen Director’s Cut aller Videos der
Panels zum Thema ›illegale Downloads der Vorjahre angeguckt‹?« R.
blickte mich erst angewidert an, und als ich mich wegdrehte und gehen
wollte, blies er dann lautstark in seine Vuvuzela, ein südafrikanisches
Fußball-Fantröte-Horn, womit er mich tatsächlich schnell mal
erschrecken konnte. »Du nervst, stopp das bitte«, schrie ich ihn an.
»Da sieht man doch die Kraft, die Live-Musik heute noch hat«, strahlte
R., »man wird uns nie stoppen können«; wobei mir nicht ganz klar war,
wer da gerade »uns« war und wobei eigentlich. Jedenfalls waren wir uns
einig, dass die ganze Internet-Stoppschild Diskussion inzwischen eine
ganz komische Dimension gekriegt hat. »Immer wenn ich im Straßenverkehr
ein Stoppschild sehe, muss ich automatisch an Porno denken«, sagte R.
und wurde immer pathetischer, »mit jedem Überqueren eines Stoppschilds
fühle ich mich im Zentrum des Freiheitskampfs einer neuen
Bürgerrechtsbewegung gegen Zensur« und blies noch drei Mal in seine
Vuvuzuela.
Doch der Freiheitskampf wurde jäh gestoppt, denn der Nachbar
stand vor der Tür: »Biste noch janz knülle?« schrie er R. an und
drohte, bei nochmaligem Tröten die Vuvuzuela zu zerknicken. R.
versprach ganz schnell, brav leise zu sein und in den geräuschlosen
Underground zu verschwinden und raunte mir zu: »Vielleicht sind wir
Deutsche doch nicht für die Revolution geschaffen.«
|
Happy Birthday, Mientus!
Vielen Dank für die Wünsche! m
Charity für Prominente
Wrestling?
Deine dumpfe Ausdrucksweise lässt darauf schliessen, daß Du offensichtlich zu...
Wrestling?
Dein Artikel ist scheisse