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Der letzte Ventilator PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Berlin Mitte Boy   
34 Grad im Schatten und die Nachteile des modernen, sonnendurchfluteten Arbeitsplatzes in der tollen Kreativagentur unterm Glasdach werden immer deutlicher.

Der Chef hatte sich vor ein paar Tagen gen Malediven verabschiedet und großzügig sechs Ventilatoren für das Großraumbüro spendiert, was zu würdelosen Rangeleien und Sitzordnungsdifferenzen zwischen den ca. 30 Mitarbeitern führte. Allerdings hat Chefchen doch mal wieder sehr auf den Preis geachtet, sodass nach einer Woche Dauerbetrieb ein Ventilator nach dem anderen zuerst komische Geräusche machte, dann rumeierte und schließlich mit mehr oder weniger spektakulären Geräuschen den Geist aufgab.

Die Hitze drückte aufs Gemüt und eine klebrige Missgelauntheit hatte längst Einzug gehalten. Der junge Büroleiter, hinter seinem Rücken genannt »Kasperle« und in Abwesenheit des eigentlichen Chefs der Obermotz, hatte sich das letzte verbleibende Exemplar gesichert und sich damit den kollektiven Hass der Restmitarbeiter gesichert. Auch seine Goodwill-Aktion, mittags drei Kästen Coke Zero mitzubringen, erwies sich als Bumerang, denn diese waren ungekühlt und passten nicht in den Bürokühlschrank. »Das Leben, wie es nicht sein soll« spotteten die Mitarbeiter. Das sah der Büroleiter ein und versprach, noch mal im Auto des Chefs loszufahren, um uns eine »andere Erfrischung« zu holen. An Arbeit dachte kaum jemand mehr. Die einen glotzten jedes Michael Jackson Detail auf n-tv, die anderen auf die Nippel der Praktikantin, die im Bikini-Top erschienen war. Der Art Director zog den Song »Sex in der Wüste« von Ideal aus dem Netz und spielte ihn jedem vor und wollte dafür bewundert werden, wie toll der doch in diese Situation passen würde.

Die Praktikanten machten mal wieder Unsinn und riefen einen »Deine Mutter«-Wettbewerb aus, bei dem es drum ging, den bösesten Deine Mutter-Spruch zu küren. »Deine Mutter ist so fett, ihr Arsch hat ’ne eigene Postleitzahl«, »Deine Mutter steht vorm Kik und schreit: ›Ich bin billiger‹«. »Deine Mutter hat mehr Löcher als Spongebob« - leider leider kam gerade der Büroleiter mit einer Riesensteige schon reichlich angeschmolzener Eiscreme rein, glaubte, er bzw. seine Frau Mutter wären gemeint und ließ den Berg Eiscreme wutentbrannt auf den weißen Agentur-Flokati fallen. Es war Spätnachmittag. Die einen gingen nach Hause, die anderen saßen noch bis tief in die Nacht – um das Magnum-Imitat aus weißen Teppichflusen zu kratzen...



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