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Riesengebirge PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Martin Hildebrandt   

img_3314.jpgWo der Winter noch weiß ist

Die eiskalte Polarluft lässt den Atem gefrieren. Minus 15 Grad Celsius zeigt das Thermometer an. Der Schnee knirscht bei jedem Schritt, als wenn man über fein zerriebene Glasscherben laufen würde. Es glitzert millionenfach – fast ein Meter Neuschnee ist im Laufe des Tages gefallen.

Wir sind im Riesengebirge, einer fast alpinen Landschaft, deren höchste Erhebung die Schneekoppe (1.600m) ist. Bis nach Berlin sind es weniger als 300 km, gefühlte 2.000. Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Gebirge zu Deutschland. Heute verläuft die Grenze zwischen Polen und Tschechien durch das Gebiet. Für die Ursprünglichkeit und Schönheit dieser Region war dieser Umstand eher von Vorteil. Wo kaum Menschen leben, geht es der Umwelt besser. Eine Fahrt nicht nur in ein anderes Land, sondern auch in eine andere Zeit.
Die Frage ist nur, wie lange noch: Denn als Wochenendausflugsziel wird die Gegend immer beliebter. Nur vier Stunden vom nasskalten Grau Berlins ins tief verschneite Riesengebirge. Das lohnt sich selbst für Leute, die Wintersport nicht mögen. Wobei: Der Wintersport hat hier Tradition.

Das größte und bekannteste Skigebiet befindet sich in Spindleruv Mlyn (Spindlersmühle). Da man aber von Berlin aus über eine Stunde durch die Berge muss, empfehlen wir zwei andere Orte, die ebenfalls gute Wintersportbedingungen bieten und zugleich schön anzusehen sind: Szklarska Poreba (Polen) und Harrachov (Tschechien). Szklarska Poreba (deutsch Schreiberhau) war vor dem zweiten Weltkrieg ein Urlaubsort für Künstler und Intellektuelle. Werner Sombart oder Gerhart Hauptmann hatten hier ihr Häuschen. Nur wenige Plattenbauten stören das pittoreske Gesamtbild der Stadt, die sich bis auf 800 m den Berg hinauf windet. Die Lifte reichen bis auf 1.300 m, wo man eine anspruchsvolle schwarze Abfahrt und mehrere rote Pisten zur Auswahl hat. Selbst Freeriding ist bei ausreichend Schnee möglich, und den gibt hier fast immer. Lediglich die Anstehzeiten am Sessellift nerven ein wenig. Die Fahrt auf den Berg dauert zu lange, wenn man als guter Fahrer in zehn Minuten wieder unten ist.

Harrachov hat dagegen ein moderneres Liftsystem, liegt mit 600 bis 1000 m allerdings nicht ganz so hoch wie Szklarska. Gegen einen warmen Winter wie 2006/2007 können da selbst die Schneekanonen nichts mehr ausrichten. Sind die Jahre aber kalt genug, vergraben sich die  urgemütlichen böhmischen Holzhäuser im tiefen Schnee, als ob sie sich vor dem Winter verstecken wollen. Nur wenige Herbergen erinnern an früher, als der Gast kein Kunde, sondern Kapitalist war, den es auszunehmen galt. Zugegeben, es erfordert manchmal ein glückliches Händchen oder eine gute Internetrecherche, um die besten Unterkünfte zu finden. Vor Häusern mit osteuropäischer Servicetradition wird auf der Seite www.snowpage.de gewarnt. Sie bietet auch sonst einen recht guten Überblick über alle Skigebiete des Riesengebirges. Schneehöhen und -statistiken zum Beispiel. Vor zwei Jahren lagen fast drei Meter Schnee im Riesengebirge. Da hier viele Tiefausläufer aus dem Norden hängen bleiben, liegt von der weißen Pracht oft mehr als in den Alpen. Derzeit schon über 50 cm. Bis Weihnachten können noch gut 100 cm dazu kommen. Es sieht nach einer guten Saison aus.

Szklarska Poreba, 800-1.362 m
15 km Piste, Unterkünfte ab zehn Euro die Nacht.

Harrachov, 650-1.020 m
10 km Piste, 66 km Loipe, ebenfalls günstige Hotels

Weitere Infos, insbesondere zu Unterkünften, unter www.snowpage.de


Achtung! Das ungewöhnlich milde Wetter hat dem Winterzauber bis auf weiteres ein Ende gesetzt. Derzeit gibt es nur in den Hochlagen der Alpen gute Wintersportbedingungen. 

 
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