»Meine Motivation war der Sex«
Mit dem Video zu ihrer neuen Single »Pussy« sorgten Rammstein kürzlich für Furore. Der Clip in allerbester Pornomanier provoziert in für Rammstein beinahe symptomatischer Art und Weise. Rammstein-Keyboarder Christian »Flake« Lorenz über Sex, Schlagzeilen und stumpfen Rock.
Herr Lorenz, herzlichen Glückwunsch zum ersten Rammstein-Song, der
direkt auf Platz 1 der Single-Charts geschossen ist. Freuen Sie sich
darüber?
Christian Lorenz: Eigentlich müsste ich so cool sein und sagen, mir ist
es egal. Aber ich freue mich wirklich. Wenn man auf Platz 1 ist, gibt
es nichts mehr zu deuteln. Das sind die Verkaufszahlen, das ist einfach
ein Fakt. Wer uns in der Presse totschweigen will, kann das gerne tun.
Aber unser Name steht trotzdem ganz oben - neben der Eins.
Hatten Sie
wirklich das Gefühl, dass Rammstein totgeschwiegen werden?
Von manchen Medien schon. In der Öffentlichkeit finden wir faktisch
nicht statt. Ist »Pussy« trotz oder wegen des dazugehörigen Videos so
erfolgreich?
Ohne das Video hätte es wahrscheinlich nicht geklappt mit dem ersten
Platz. So realistisch bin ich schon.
Also war es eine marktstrategische Entscheidung, ein pornografisches
Video zum Song zu drehen?
Die grundsätzliche Idee dazu gibt es schon länger. Vor acht Jahren
schon wollten wir so ein Video drehen: Wir gehen in einen Puff, haben
kein Geld dabei und müssen für unser Geld arbeiten. Jetzt haben wir es
endlich gemacht. Wir dürfen so etwas. Tokio Hotel würde man ein
Sex-Video nicht abnehmen. Aber bei uns wirkt es glaubwürdig. Unsere
Interessen passten in diesem Fall also wunderbar zum
öffentlichkeitswirksamen Gag.
Rammstein sind in ihrer Karriere
regelmäßig als Tabubrecher in die Schlagzeilen geraten. Ist ein
Porno-Video die nächste notwendige Stufe der Provokation?
Provokation? Rockmusik steht doch geradezu zwingend im Zusammenhang mit
Sex.
Warum?
Es gehört einfach zusammen. Deshalb macht man doch gerade Musik.
Man
macht Musik, um an Sex zu kommen?
Schon vor Tausenden von Jahren haben Männer gesungen und getanzt – als
Balzritual.
Sie sind Musiker geworden, um Frauen zu beeindrucken?
Sex spielt bei jedem Jugendlichen eine Rolle. Ich könnte auch erzählen,
ich hätte tief in mir Melodien gehört. Aber die Grundmotivation, in
einer Band zu spielen, war Sex.
Ist die Strategie aufgegangen?
In einem gewissen Rahmen, ja.
Was heißt das?
Darauf will ich nicht näher eingehen.
Welche Reaktionen gab es bisher auf das Video zu »Pussy«?
Die meisten Leute freuen sich einfach darüber, dass eine Band so etwas
mal gemacht hat. Ich kenne keinen Fan, der das Video geschmacklos
findet.
Überrascht es Sie dann, wenn die Bild Zeitung »Skandal-Video«
titelt?
Das erwarte ich von der Bild-Zeitung. Ich wäre bitter enttäuscht, wenn
es nicht so wäre. Wer sonst, wenn nicht die Bild? Unsere Aufgabe ist
es, ein Porno-Video zu machen. Die Aufgabe der Bild-Zeitung ist es,
»Skandal« zu schreien.
Wir haben uns gefragt, worum es in dem Song
geht. Können Sie uns weiterhelfen?
Als der Song entstand, haben wir an unsere nächste Tour gedacht und
fanden es cool, einen Text zu machen, der in jedem Land verstanden
wird. Deshalb haben wir eine Liste mit den deutschen Wörtern gemacht,
die international am bekanntesten sind. Ganz oben auf der Liste stand
natürlich Hitler, aber das haben wir gestrichen. Aus den übrigen
Wörtern haben wir einen Text geschrieben, bei dem es darum geht, ins
Ausland zu fahren. Deutsche, die ins Ausland fahren, werden ja auch oft
mit diesen Wörtern begrüßt.
Wir dachten eigentlich, »Pussy« handle vom
Ficken. Oder irren wir uns?
Man könnte behaupten, der Text sei aus der Sicht eines Sextouristen
geschrieben. Der spricht ja auch nie die Landessprache, sondern
verständigt sich meistens auf primitivste Art und Weise. »Ficki, Ficki«
und so...
Rammstein wurden vor 15 Jahren gegründet. Ihr neues Album »Liebe ist
für alle da« hat vier Jahre auf sich warten lassen. Wird es
schwieriger, ein neues Rammstein-Album zu machen, je länger es die Band
gibt?
Nein. Die Musik geht uns leicht von der Hand, wenn wir zusammen im
Übungsraum sind. Es geht nur darum, den neuen Ideen den richtigen
Rammstein-Dreh zu verpassen.
Was ist der Rammstein-Dreh?
Damit meine ich die absolute Vereinfachung des Inhalts und der Musik.
Oft habe ich eine Idee für ein schönes Lied – aber es klingt nicht nach
Rammstein. Dann sagt die Band: »Nein. Wir brauchen eine
Rammstein-Version!« - und dreht den Song durch die Rammstein-Mühle.
Sie haben festgelegte musikalische Gesetze.
Das ist richtig. Punktierte Rhythmen, wo Jazz-Musiker üblicherweise das
Knie hoch ziehen, sind bei uns verboten. Wenn ein Rammstein-Mitglied
einen solchen Rhythmus spielt, sagt man bei uns, »da ist ein Knie
drin«. Geht nicht.
Die Takte müssen gerade sein.
Unbedingt. Etwas mitzufühlen, am besten noch den Mundwinkel zu
verziehen, ist verboten. Früher gab es in Berlin ein Radio-Werbung für
einen Elektronik-Markt: »Tiiiee-lo Stöhr/Bieee-tet mehr!« Diese
Rhythmik – dieee-dup-dip – ist auch verboten. Dann heißt es: »Da is' n
Tilo-Stöhr drin.« Es gibt viele Dinge, die wir ganz bewusst vermeiden.
Gelten solche Gesetze auch für andere Bereiche?
Auch für unsere Zusammenarbeit gibt es Regeln, die von Anfang an klar
waren und bis heute gelten.
Welche?
Die wichtigste Regel ist, dass jedes Bandmitglied das gleiche Geld
bekommt. Achtzig Prozent der Bands sind irgendwann daran zugrunde
gegangen, dass nicht alle gleich gut verdient haben.
Gab es in den
letzten 15 Jahre Durststrecken?
Es gab sehr lange Tourneen, bei denen ich mir oft gewünscht habe, dass
sie endlich zu Ende gehen. Das waren Belastungsproben, denn man
reproduziert monatelang jeden Abend stumpf das Gleiche und hat kaum
Zeit, im Zusammenspiel neue Ideen zu entwickeln. Und gerade der Punkt,
wenn es etwas Neues entsteht, macht mir am meisten Spaß.
Rammstein sind auch in den USA bekannt. Wollen Sie mit der neuen Platte
Ihre Position auf dem amerikanischen Markt verbessern? Immerhin singen
Sie in »Pussy« sogar Englisch.
Englische Texte nützen in den USA nicht viel. Die Amerikaner wollen
schon das Deutsche hören. Wir werden unser Glück in Amerika versuchen.
Wir fahren stumpf hin und spielen da. Man wird sehen. Entweder
funktioniert es oder nicht. Ich kann ohne die USA leben und die USA
kann ohne mich leben – und zwar gut.
Wie erklären Sie sich den Erfolg von Rammstein in den USA?
Wir verfügen über eine gewisse Stumpfheit, die uns Sachen machen lässt,
die andere Bands ablehnen würden. Meiner Meinung nach hätte jede
deutsche Band den gleichen Erfolg in den USA, wenn sie dort so lange
touren würde, wie wir es getan haben. Wir sind monatelang mit US-Bands
wie Limp Bizkit und Korn durch die gesamte USA gefahren und haben in
jedem kleinen Nest gespielt. Wenn eine deutsche Band in ein kleines
Dorf irgendwo in Montana kommt, bleibt das bei denen Leuten hängen. So
haben wir uns einen Fanstamm erspielt, ohne vorher in den US-Charts
gewesen zu sein. Das war einfach eine Fleißarbeit.
Gibt es Dinge, die Sie von den amerikanischen Kollegen gelernt haben?
Die amerikanischen Bands ergreifen ihre Chance. Wenn die heiß sind,
spielen die so lange durch, bis sie fast sterben. Die Amerikaner
arbeiten härter als deutsche Musiker.
Neue Single »Pussy« (Universal)
Neues Album »Liebe Ist Für Alle Da« (Universal)
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Delikat Rookie-Night
freu mich wie bolle
Der griechische Praktikant
In Europa wussten wir auch nicht was die Grichischen Kollegen so treiben. Ok,...
[030] präsentiert: Player’s Delight
dann hast du aber nich google benutzt, oder? mit nem stift auf papier kritzel...
Der griechische Praktikant