Neuerscheinungen in der Kritik
Unsere knallharte Musikredaktion nimmt aktuelle Platten-VÖs unter die Lupe und verteilt Lob und Kritik. Diesmal: Royal Bangs, John Morales, Sido, Efterklang & The Danish National Chamber Orchestra, Little Dragon, Kiss uvm.
Indierock
Royal Bangs – Let It Beep – [Cityslang]
In den letzten Jahren wurde ja immer so getan, als sei New York die einzige Stadt der Welt, aus der heutzutage coole Bands kommen. Falsch. Beispiel? Royal Bangs. Die kommen nicht aus Brooklyn, sondern aus Knoxville, Tennessee - dem Kaff, in dem auch Quentin Tarantino aufwuchs. Mit ihrem zweiten Album »Let It Beep« stecken sie New Yorker Kollegen wie TV On The Radio locker in die Tasche. Schludrige Pavement-Gitarren, wahnwitzige Keyboard-Sounds, derbe Dance-Beats, genial durchgeknallte Melodien – darum geht’s hier. Dabei rockt diese Bande nicht nur wie Sau, sondern schreibt auch wahnsinnig gute Songs. Unbedingt anhören. Kandidat für die Jahresbestenliste.
Urteil:
   
Disco
John Morales – The M&M Mixes – [BBE]
Immer tiefer wird inzwischen in den Schatztruhen der goldenen Disco-Ära nach vergessenen Perlen gefahndet. Alles muss geborgen werden, denn Disco ist wieder da, selbst in Berlin und das heißt einiges. Pflichtprogramm für jeden Disco-Fan ist natürlich vorliegende Compilation mit Mixen, die John Morales für verschiedene Acts des sagenumwobenen Disco-Labels Salsoul angefertigt hatte. Perfekte Musik zwischen Latin-Rhythmen und Computerstimmen ist das. Urteil:   
Message Soul
Diverse – Message Soul – [Trikont]
Das rührige Münchner Label Trikont hat sich bei seiner neuen Compilation um eine Musik verdient gemacht, die es selbst »Message Soul« nennt. Gemeint ist damit R&B, der in den letzten zehn Jahren entstanden ist, der sich eher an Stevie Wonder als an Gangstarap orientiert. Es geht sozusagen um Soul für das neue Jahrtausend, um politische Musik, die sich irgendwo zwischen Sly Stone und Public Enemy einordnen lässt. Jill Scott, Donnie, Erykah Badu, alle Stars dieses Neo-Souls sind natürlich mit dabei. Wunderbar. Urteil:   
Ossi-Rap
Sido – Aggro Berlin - [Universal]
Sido ist ein Ossi. Das ist leider schon die einzige Neuigkeit, die Sidos viertes Album zu bieten hat. Zu erschreckend einfallslosen Billo-Synth-Beats und ein paar gähnend langweiligen Popnummern arbeitet sich der Berliner ein weiteres Mal an seiner eigenen Geschichte ab, die doch inzwischen jeder kennt. In Tracks wie der ersten Single »Hey Du« oder »Henker und Richter« versucht er sich als deutscher Eminem. Geht natürlich voll in die Hose, denn Sido ist zwar sympathisch, aber dann eben doch nicht smart genug. Die wirklichen Highlights auf dieser Platte kommen von Kurt Krömer, der sämtliche Skits eingesprochen hat – aber diese Platte nicht retten kann. Urteil: 
Girltrash
Cobra Killer – Uppers & Downers – [Monika]
Cobra Killer, das sind zwei Ladys aus Berlin, die es gerne krachen lassen. »Schneeball in die Fresse«, so heißt nicht nur eine Nummer auf ihrer neuen Platte, sondern das »In die Fresse«-Prinzip wurde auch gleich auf die ganze Platte angewendet. Zwischen Garagenpunk und Trashelektronik bewegt sich ihre Musik, Gäste sind Typen wie John Spencer oder Thurston Moore. Berlin gehört jetzt zu New York, das ist die Message dieser Platte. Oder umgekehrt: New York ist von nun an ein Stadtteil Berlins. Urteil: 
Disco-Mix
DJ Spinna – The Boogie Back – [BBE]
DJ Spinna ist eigentlich Hip Hopper. Aber wie so viele aus dem amerikanischen Hip Hop-Betrieb hat er sich ein wenig von der ewig gleichen Rapperei verabschiedet und ist lieber als House- und Disco-DJ unterwegs. Als solcher präsentiert er hier diese hübsche Mix-CD, in der er, der passionierte Plattensammler, eine Obskurität an die nächste reiht. Mtume, Modern Romance, so heißen die Acts, die es hier zu entdecken gilt. Man entdeckt sie allesamt ziemlich gern. Urteil:
  
Spacepop
Little Dragon – Machine Dreams – [Peacefrog]
Diese vier Schweden verwenden keine Gitarren, sondern stricken ihre Spacepop-Songs - wie die französischen Kollegen von Air - aus einem ganzen Arsenal warmer Bass- und Synthie-Sounds und extravaganter Samples. Die Stimme von Halb-Japanerin Yukimi Nagano versprüht Soul-Spirit und asiatische Exotik. Ein Album so sexy wie Häagen Dasz auf nackter Haut. Urteil:
   
Kiss-Rock
Kiss – Sonic Boom – [Roadrunner]
Volle Punktzahl gibt es von uns natürlich für diese Platte. Nicht unbedingt wegen der Musik, sondern einfach dafür, dass Kiss Kiss sind. Das reicht. Volle Punktzahl für die Masken, die Kiss-Army, die Zunge von Gene Simmons, einmal mehr für »I Was Made For Loving You», für den ganzen herrlichen Kiss-Quatsch eben. Und dafür, dass Kiss einmal zusammen mit Otto in Berlin aufgetreten sind. Urteil:   
Kunstmusik
Efterklang & The Danish National Chamber Orchestra – Performing Parades – [Leaf]
Efterklang aus Dänemark sind in ihrer Heimat ganz groß. Die versponnene Electronica ist bei den Dänen charttauglich und das ist schon ziemlich außergewöhnlich. Auf ihrem neuen Werk tut sich der Act, der sowieso schon aus bis zu 12 Leuten besteht, auch noch mit einem Kammerorchester zusammen, um jetzt endgültig abzuheben. Irre Kunstmusikplatte.
Urteil:
 
Platte der Ausgabe:
Deutschpop
Diverse – Songs for Joy – [Staatsakt]
In den letzten drei Jahren fand im Berliner Maxim Gorki Theater die Reihe »Songs for Joy« statt, eine Mischung aus Gorki-sucht-den-Superstar und Songschreiber-Workshop. Geladen wurden sogenannte Dilettanten, die mit Hilfe der Musiker Erobique, Jacques Palminger und Freunden ihre Songs einspielen durften. Die Ergebnisse liegen nun auf dieser herrlichen Sammlung bezaubernder Popsongs vor. Große Musik zwischen Brasil-Pop und Blumfeld gibt es hier. Am schönsten ist das Stück »Nett«. Urteil:   
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Piraterie löst alle Probleme
Vielleicht sollte man dazu die alten Stadtmauern wieder errichten und an den ...
Puls
Hallo Otoman, du hast recht. Das Video "Nichts zu verlieren" hat um d...
Puls
auf youtube sind doch gar keine 300.000 klicks sondern ein bisschen über 73.0...
Yo! Remember the 90s!
Das geht da ab! **youtube.com/watch?v=RA1dbxjcB44