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Fashion Week Januar 2010 PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Jasna Zajcek   

030_02_fashionpeople_eastpak_ach_1.jpgIst denn schon wieder ­Fashion-Wahn?

Die Berliner Modewoche wächst. Mehr Messen, mehr Partys, mehr Hype. Aber wie viel hat das mit Berlin zu tun? Eine Meinung
Mode (v. Französisch »mode«; Latein »modus« = Art) bezeichnet die in einem bestimmten Zeitraum und einer bestimmten Gruppe von Menschen als zeitgemäß geltende Art, bestimmte Dinge zu tun, Dinge zu benutzen oder anzuschaffen. Aber nur, sofern diese Art, etwas zu tun, nicht von großer Dauer ist, sondern im Verlauf der Zeit infolge gesellschaftlicher Prozesse immer wieder durch neue—dann als zeitgemäß geltende—Arten revidiert wird, sie also einem zyklischem Wandel unterliegt.

Unter uns, und es liegt auf der Hand—liest sich das wie eine clever ausgedachte Lizenz zum Geld drucken oder zum heiße Luft verkaufen, ausgestellt als Freibrief par Excellence. Hätten die Schneider früherer Jahrzehnte sich nicht die Mode einfallen lassen, so wäre ihr Beruf wahrscheinlich bald ausgestorben. Eltern hätten ihren Kindern beigebracht, wie man »was für oben«, »was für unten« bastelt, schließlich sind Hose und Shirt auch von Laien schnell genäht, wie man in so manchem »Designer«-Shop in den Szene-Bezirken auch unschwer erkennen kann: »Ja, das soll so schräg sein, mit den Fäden dran, das is‘ jetzt—äh—total in, gerade in New York und so…« 

Hätte die Menschheit ohne Designer bestehen wollen, so hätte man sich wahrscheinlich auf die Kriterien »warm«, »Hose«, »obenrum« und »für den Winter« geeinigt, vielleicht noch in verschiedenen Farben. Oder auch ganz einfach in grau oder schwarz—weil in unserer Kultur innere Werte dann einfach das Maß aller Dinge gewesen wären und alles andere als »peinlich und oberflächlich« gelten würde. Ähnlich wie im Existenzialismus. Schlicht, schwarz, praktisch—so wie sich übrigens viele Designer kleiden, die schon lange keinen Bock mehr haben, auch noch über die eigenen Klamotten nachzudenken. Und all diese Zeremonien um absurd teure kleine Stückchen Stoff, um von Kindesbeinen an unterernährte osteuropäische Models oder um einzelne gottgleich verehrte alte Modegurus, um Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck, um massiven Alkohol-, Zigaretten-, Abführ-, und Aufputschmittelmissbrauch bei jungen Menschen hätten niemals stattgefunden.

Sicherlich, ohne Fashion Week wäre gerade Berlin als junge Modemetropole um ein paar Partys ärmer, aber ganz ehrlich: Würde es die Berliner stören, wenn ein paar Kölner, Römer und Düsseldorfer weniger hier feiern würden? Nicht mal aufgefallen wäre es ihnen—also uns. Genau so wenig wie Mode, oder aber auch ihre Abwesenheit, in unserer Hauptstadt auffällt. Wie viele Frauen gehen ab Mitte 20 einfach in bequemen Schuhen und Jeans aus? Die meisten. Und viele dazu noch in ollen Shirts. Und warum? Schon mal aufgefallen, dass auf einer tollen Party einfach a.) kein Platz zur Schau von feiner Mode ist und b.) die Berliner Jungs einfach zu wild feiern und frau früher oder später immer mal ‘n Drink ins Dekolletee gekleckert kriegt sowie c.) die langfristige Schönheit und Gesundheit von Frauenfüßen proportional abnehmend zu steigender Absatzhöhe und höherem Alter steht?

Mmh. Was also tun? Mode weiter berlinerisch betrachten (»ick mach mir meine eigene Mode, die anderen tragen ja auch, was sie wollen«) oder endlich mal auf den Jahresurlaub verzichten, um ein Kleid und ein Accessoire von den Leuten, die sich als »Createure« bezeichnen, zu erwerben—um es genau solange zu tragen, bis die Gesellschaft—siehe oben—ein paar Monate später wieder im Marketingturnus »zyklisch weiterwandert«?

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