Geht raus, spielen!Die Zeit der Stubenhocker und Online-Zocker ist vorbei. Es wird wieder draußen gespielt. [030] testet »Geocaching«
»Was suchen Sie denn da?« Fragt der alte Mann. »Äh… nichts. Wir gucken bloß.« Wir stehen an einem Sandsteinsockel auf dem Schlossplatz und suchen eigentlich doch was. Einen Geocache. Wir sind heute Geocacher.
Geocaching, das ist die moderne Schatzsuche für Erwachsene. Man hat bestimmte Koordinaten, die man aus dem Internet erfährt—und an diesen sucht man. Nach einer Filmdose, einer Tupperbox oder einer anderen Aufbewahrung, dem Cache. Darin befindet sich mindestens ein Logbuch, in dem man Datum und Uhrzeit des Fundes und seinen Cacher-Namen einträgt. Anschließend wird der Fund im Web geloggt. Je nachdem, wie genau die Koordinaten sind und wie gut der Cache versteckt ist, stellt die Suche eine kleinere oder größere Herausforderung dar. Überall in der Stadt sind Verstecke, an Sehenswürdigkeiten und unbekannten Orten. In Deutschland gibt es derzeit um die 122.000 versteckten Schätze, weltweit über eine Million. Der Gedanke beim Geocaching ist nicht zuletzt, draußen unterwegs zu sein und die Schönheit der Natur beziehungsweise der urbanen Welt bewusster wahrzunehmen. Und im besten Fall an Orte geführt zu werden, die man ohne die Schatzsuche nicht gesehen hätte.
Das [030]-Team wagte den Selbstversuch. Über das weltweite Portal geocaching.com suchten wir zehn Caches heraus, ermittelten die Koordinaten und druckten uns die Karten aus. Beliebter ist die Suche per GPS-Gerät. Geht aber auch so, wie wir feststellten.
Der erste Cache des Tages also am Schlossplatz. Und schon bei der Suche ertappt. Bei vielen Stadtcaches sind Muggel—Uneingeweihte—das Hauptproblem bei der Suche. Schnell wirkt man verdächtig. Der Muggel hier jedenfalls weiß gleich auch noch zu berichten, was es mit dem Sandsteinsockel auf sich hatte, vor dem wir stehen. Was drauf war und warum und überhaupt. Nachdem er sich verabschiedet hat, kann die Suche weitergehen—und: Fund. Mit einem dicken Grinsen »heben« wir, wie es in Cacher-Sprache heißt, die Dose. Schnell eintragen, zurücklegen und weiter, wir haben noch viel vor. Stolz lässt unsere Brust schwellen. Stolz über den Fund, wie ein kleines Kind, wenn es die Ostereier beisammen hat. Und Stolz auf das Wissen um ein Geheimnis. Jetzt gehören wir dazu. Sind zwei der Eingeweihten.
»Wir bemühen uns um Unauffälligkeit und machen zur Tarnung regelmäßig Tourifotos«
Und weiter im Text. Je kleiner die Dosen, desto sorgfältiger muss jeder Stein gewendet, jede Säule abgetastet werden. Und manchmal sind wir einfach nur baff, was für ein Trumm wir da bergen, so mitten im öffentlichen Raum. Es gibt riesige Schatzkisten, die die Stadt an ausgewählten Orten einfach verschluckt hat.
Wir bemühen uns um Unauffälligkeit. Manche gucken, meistens aber scheint man uns für Touristen zu halten. Wir spielen mit und machen zur Tarnung regelmäßig Tourifotos. Hat man schließlich auch noch nicht im heimischen Album.
Trotzdem müssen wir einen Cache im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen. In einem Park an einem Baum—Muggelquote 100 %. Tarnung nicht möglich.
Dann wollen wir zur Berliner Mauer. »Wie kommen wir da denn jetzt hin?«, fragen wir uns. Umherlaufende Muggel fühlen sich angesprochen. »Na, da vorne isse doch!« Ja, aber wir suchen doch die andere, alte Stadtmauer. »Ach so, na denne müssta da drüben hinfahrn!« Danke der Herr—und weiter.
Später am Potsdamer Platz treffen wir Verbündete. Ein Pärchen aus Bayern, das die Schatzsuche als Stadterkundung nutzt. »An einem Tag haben wir mal 22 Caches gefunden« erzählen sie von ihrem größten Erfolg. Die Suche hat Suchtpotential, so viel steht fest.
»Man fühlt sich ein bisschen wie damals auf dem Kindergeburtstag«
 Irgendwann landen wir an der Spree. Die Aussicht ist schön, das Wetter gut. Wir sind an einem Fleckchen gelandet, das wir vorher nie wahrgenommen hatten. Das Geocaching-Prinzip funktioniert, man nimmt die Stadt bewusster wahr und fährt gezielt an Orte, die sonst eher wenig Publikum haben. Und doch gibt es einen kleinen Dämpfer. Wir finden den Cache nicht—die erste Niederlage. Nachdem wir uns erfolglos durch Blätter- und Mauerwerk gewühlt haben, machen wir eine kurze Pause und genießen die Aussicht. Der Ehrgeiz aber treibt uns weiter, zu den nächsten Koordinaten. Hatten wir schon erwähnt, dass die Sache süchtig machen kann? Als es dämmert, sind wir durch mit unserer Suche, haben 20 Kilometer geschafft, acht Caches gehoben und treten den Heimweg an. »Ach, vielleicht mach ich doch noch einen Schlenker, einer geht noch…« Das Team entzweit sich. Eindeutig infiziert! Die andere Hälfte schwingt sich nach Hause und loggt erstmal die Erfolge. Und fühlt sich ein bisschen wie damals auf dem Kindergeburtstag.
Fazit: Allein, zu zweit oder mit mehreren, einen einzelnen Cache in wenigen Minuten oder eine lange Tour, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, mit oder ohne GPS-Gerät: Geocaching ist das ultimative Spiel. Man kommt raus, ist aktiv, nimmt bewusster wahr, was um einen herum passiert und sieht, quasi nebenbei, tolle Ort und lernt etwas über sie, und der Nervenkitzel kommt auch nicht zu kurz—denn Muggelgefahr lauert überall.
[030] sagt: …(Hier sollte jetzt eine Beurteilung des Geocachings stehen. Leider ist der verantwortliche Autor soeben verschwunden um einen »Geocache« zu suchen.—Anm. d. Red.)
| Kleines Geocaching-Wörterbuch |
Geocache Ein Behälter, in dem sich mindestens ein Logbuch befindet. Vom griechischen »geo« für Erde (also ortsbezogen) und dem englischen »cache« für geheimes Lager. Sucher dieser Geocaches nennen sich (Geo-) Cacher.
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GC/OC Abkürzung für die beiden internationalen Geocaching-Plattformen im Internet: Geocaching.com / Opencaching.com , auf denen alle Caches weltweit gelistet sind. Hier muss man registriert sein, um an Koordinaten zu kommen, Funde zu loggen und mit seinem Cacher-Namen präsent zu sein. In Deutschland gibt es außerdem das Portal Geocaching.de
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Log So nennt man die Eintragung ins Logbuch, welches sich im Cache befindet, und die anschließende Fundregistrierung des Caches auf Geocaching.com bzw. Opencaching.com
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TFTC/DFDC Thanks For The Cache/Danke Für Den Cache. Beim Log des Caches nach erfolgreichem Fund, wird ein Dank an den Verstecker hinterlassen.
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Icons Puzzle Cache, Event Cache,Traditional Cache, Multi-Cache, Earth Cache
Muggel—Menschen, die keine Cacher sind, also »Nichteingeweihte«. Vor ihnen muss man sich in Acht nehmen, da ungewöhnliches Verhalten der Sucher auffallen, und so die Caches verraten könnte. Das Wort stammt aus den Harry-Potter-Romanen, wo Muggel für Menschen steht, die keine Zauberer sind.
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Travel Bug/Geocoin Ein spezieller Gegenstand (Travel Bug) oder eine besondere Münze (Geocoin, auf dieser können sich z.B. die Koordinaten des Caches befinden), die im Cache sind, um von dort vom Finder mitgenommen zu werden, und von Cache zu Cache zu wandern. Auf den einschlägigen Plattformen wird die Reise des Bugs oder der Münze verfolgt.
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Hint Ein Hinweis, der bei der Suche nach dem Cache hilfreich ist. Meist verschlüsselt auf der Geocaching.com-Seite des Caches.
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Spoiler Englisch: Verderber. Steht für ein Foto, das das Versteck zum Teil oder gänzlich verrät. Meist das letzte Mittel, wenn der Cacher nach vergeblicher Suche nicht mehr weiter weiß.
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Piraterie löst alle Probleme
Vielleicht sollte man dazu die alten Stadtmauern wieder errichten und an den ...
Puls
Hallo Otoman, du hast recht. Das Video "Nichts zu verlieren" hat um d...
Puls
auf youtube sind doch gar keine 300.000 klicks sondern ein bisschen über 73.0...
Yo! Remember the 90s!
Das geht da ab! **youtube.com/watch?v=RA1dbxjcB44