| Neues aus Rheinland-Pfalz |
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| Geschrieben von Shelley Masters | ||||||||
Shelley Masters war im Land der Rentner und fand mitten drin ein cooles FestivalIch komme gerade von einer Bildungsreise nach Rheinland-Pfalz zurück, wo ich erleben durfte, wie Menschen andere Lebensentwürfe als »schaffe schaffe Häusle baue« in einem vermeintlich spießigen Rentner-Urlaubsidyll durchsetzen. Nicht nur Berliner, die nach dem Platzen der Medien-Blase jetzt mit selbstgemachten Suppen und Marmeladen mehr verdienen als bei ihren Ex-Prestige-Jobs, sind cool. Ich finde, Menschen, die einfach in und mit der Natur leben wollen, so richtig cool. Mein Cousin hatte sich vor zehn Jahren in ein altes Häuschen an der Mosel verliebt, es gekauft und war fortan Einwohner eines Mini-Dörfchens, das nicht einmal im Shell-Atlas verzeichnet ist. Ich besuchte ihn nun zum ersten Mal, denn er und sein regionaler Kulturverein hatten zum dreitägigen »Lott«-Festival eingeladen. Rund 200 Individualisten organisieren sich in einem Verein, der als Ziel hat, einen dreitägigen Open-Air-Konzertmarathon für Tausende campende Gäste auf die Beine zu stellen. Seit 35 Jahren holen sie so freshe Bands ins kulturell etwas vergessene Hinterland. Der Erlös wird gespendet, alle arbeiten umsonst. Wow. Ein herzallerliebstes Festival, in einem Eck, in dem man es nicht erwartet, denn entlang der Mosel ist alles auf barrierefreien Seniorentourismus eingerichtet. Wer beim Wort Festival nun an Fusion, Nature One, Rock am Ring und Wacken denkt—also an verpeilt rumrennende Raver, trunkene Hartz-Vieris und Chrystal-Meth-Opfer im Sonnenschein—dem kann ich versprechen: Die Lott ist das einzige mir bekannte Festival ohne harte Drogen. Die meisten feiern »gut beschwipst« vom Bio-Moselwein. Die Dorfjugend ist cool und ziemlich anti eingestellt, denn ihre alternativ geprägten Eltern, klar in der Weingegend, lieben Alkohol und natürliche Rauchstoffe, so dass die Teens gern gutgelaunt und nüchtern bleiben, tanzen und einfach die Musik genießen. Oder wie es der Sohn meines Cousins, zehn Jahre alt, der Campinghandkarren vermietet und wie die anderen Dorfkids Pfandflaschen einsammelt (zwei Tage, über 100 Euro), formuliert: »Ist doch voll bescheuert, wenn Erwachsene sich so wegschießen. Die kann man ja nicht mehr ernst nehmen. Ich verdien‘ lieber Geld, werde Milliardär und trinke nie Alkohol!« Ob sich der Trend auch unter der zweiten Generation der Brandenburger Raver-Kids durchsetzt? Ich hoffe doch! Wer sich ärgert, bei Woodstock nicht dabei gewesen zu sein, schreibt sichlott-festival.de ganz dick in den 2012-Kalender) ¶ Love [Shelley Masters]
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