| Der griechische Praktikant |
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| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||||||||||||||||||||||||||
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Zugegeben, wahrscheinlich ist es im Moment gar nicht so einfach als
griechischer Bürger bei seinen deutschen EU-Freunden zu sein
und sich
den einen oder anderen dummen Spruch wegen des Finanzdesasters im
Heimatland anhören zu müssen. So ergeht es wahrscheinlich auch Dimitri, unserem griechischen Praktikanten. Dimitri ist zwanzig, studiert »eigentlich« Philosophie und verachtet von daher die niedrigen Tätigkeiten der Kommunikationsbranche, was er durch das Tragen einer dicken Hornbrille modisch unterstreicht. Ach ja, und Dimitri ist dauerpleite und isst den Kolleginnen den Joghurt aus dem Agentur-Kühlschrank weg, um später wortreich zu erklären, dass er dachte, dass sei Agentur-Joghurt für alle und dann über die Kleingeistig- und Herzigkeit der Kolleginnen (»so eine Theater wegen eine Scheißjoghurt«) im speziellen und die »miese deutsche Mentalität« im allgemeinen zu referieren. Was Dimitri eigentlich macht, weiß auch keiner so genau, man weiß nur, dass er nicht gefeuert werden darf, weil er der Sohn eines Bekannten eines wichtigen Kunden ist. Allerdings hat der Chef ihn auch schon mal ermahnt, sich nicht zu benehmen wie ein Dreizehnjähriger, dem man mal attestiert hat, »hochbegabt« zu sein und der im Ausgleich dafür alle Bemühungen, noch irgendwas zu tun, vollständig eingestellt hat. Dann war der Montag, an dem der Focus erschien, mit der griechische Aphrodite-Statue mit Stinkefinger auf dem Cover und der Überschrift »Betrüger in der Euro-Familie« und Dimitri das Heft von seinen Joghurt-Freundinnen unter die Nase gehalten wurde. Seitdem herrscht ein echter Ethno-Konflikt im Büro. Dimitri fühlte sich rassistisch verfolgt und schrie herum, »dass wir Griechen Euch alles gegeben haben. Die Demokratie. Olympia. Einfach alles, ihr Barbaren, sogar Analverkehr« mit Verweis zum schwulen Kollegen. Seither ist Dimitri in so einer Art Streik und probiert auf Facebook eine Griechen-Protestgruppe zusammenzutrommeln. Die Kolleginnen zählen die ganze Zeit auf, was uns Griechenland sonst noch so gegeben hat - »Costa Cordalis, aber das wäre nicht dringend nötig gewesen« und der Chef mischte sich ein und meinte, »dass wir Griechenland ja dafür Otto Rehhagel gegeben haben« und das jetzt irgendwann mal wieder Ruhe sein müsse. Auf dem Nachhauseweg vertraute sich mir Dimitri an und sagte »Wir Griechen haben im Moment ein echtes Timing Problem. Ich hoffe, dass morgen Portugal endlich pleite geht, damit wir mal aus den Schlagzeilen draußen sind...«
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