My Blueberry Nights
Geschrieben von Dirk Lüneberg   

030_08_blueberry3.jpgStart: 24.01.

Wenn dieser Film ein Song wäre (ein Gedanke, der bei der Besetzung der jungen Blues-Chanteuse Norah Jones in der Hauptrolle nicht völlig abwegig ist), dann wäre er »Sentimental Journey«. Von solch einer sentimentalen, aus enttäuschter Liebe gestarteten Reise erzählt Wong Kar Wai in seinem neuesten Werk.
Und – wenn man es sich recht besieht – handelten auch seine vorherigen Filme eigentlich von nichts anderem als vom Auf und Ab der Liebe, dem Zueinanderwollen, aber nicht können oder dürfen.

Diesmal heißt die Hauptfigur Elizabeth und wird verkörpert von Norah Jones, die hier ihr erstaunlich souveränes, in jedem Fall aber bezauberndes Debüt als Schauspiele-rin gibt. Ein verlorener Schlüsselbund, verknüpft mit der Hoffnung, ihren Liebsten bei der Abholung desselben noch einmal wieder zu treffen, verschlägt die junge Frau in das kleine Café von Jeremy (Jude Law). Doch der sehnsüchtig Erwartete taucht nicht auf, dafür freundet sich Elizabeth mit dem sympathischen Café-Besitzer an. Um aber ihr Gefühlsschlamassel und ihre Trauer endgültig hinter sich zu lassen, begibt sich die junge Frau schon bald on the road, lässt sich treiben auf einer ziellosen Reise, die sie zuerst nach Memphis führt, wo sie in einer Bar als Tresenkraft aushilft. Dort lernt sie einen Stammgast (David Strathairn) kennen, der hier jeden Abend wenig erfolgreich seinen Kummer darüber ertränkt, dass seine Frau (Rachel Weisz) ihn für einen anderen verlassen hat. Das tragische Ende dieser Episode treibt Elizabeth je-doch wieder zurück auf die Straße und dann nach Las Vegas. In dem Spielerpara-dies trifft sie die Zockerin Leslie (Natalie Portman), mit der sie einen ungewöhnlichen Deal eingeht.

Als seien alle Beteiligten von der Hitze der Wüste ermattet, ändert sich an dieser Stelle unerklärlicherweise auch das visuelle Konzept des Films. Gestalteten sich bis hierher die Perspektivwahl und der Schnitt noch ebenso ungewöhnlich und sprung-haft, wie man es von dem aus Hongkong stammenden Regisseur (der hier erstmals nicht mit seinem Stamm-Kameramann Christopher Doyle zusammen gearbeitet hat) gewohnt ist, so werden die Aufnahmen jetzt schon fast konventionell.

Trotzdem bleiben die tollen Bilder und die eingängigen Songs die einzigen Eindrük-ke, die von diesem Film noch eine Weile im Gedächtnis haften bleiben. Denn dass in Herzensangelegenheiten der Umweg auch schon mal die Abkürzung sein kann und die Liebe ebenso viele angenehme wie unangenehme Überraschungen bereithält, das ist die ein wenig banale Botschaft dieses viel zu episodenhaft wirkenden Road-movies. So ist diese sentimentale Reise nett anzusehen (vor allem, was die Leistun-gen der Darsteller betrifft) und man kann sich von dem Film auch ohne größere Pro-bleme in eine melancholisch-blueslastige Stimmung versetzen lassen. Letztlich aber ist es mit dieser ersten englischsprachigen Arbeit des Regisseurs ein bisschen so wie mit den Songs seiner Hauptdarstellerin: Man fühlt sich für die kurze Zeit ihres Genusses angenehm wohlig, doch ebenso schnell verflüchtigt es sich auch wieder, dieses schöne, leider nicht allzu lange vorhaltende Gefühl.

My Blueberry Nights, 95 Min., R: Wong Kar Wai, D: Norah Jones, Jude Law, Davis Strathairn, Rachel Weisz, Natalie Portman



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Wong   |14.02.2008 17:58:50
klasse Film! :grin

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