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Geschrieben von Dirk Lüneberg
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Start: 24.01.Wenn dieser Film ein Song wäre (ein Gedanke, der bei der Besetzung der jungen Blues-Chanteuse Norah Jones in der Hauptrolle nicht völlig abwegig ist), dann wäre er »Sentimental Journey«. Von solch einer sentimentalen, aus enttäuschter Liebe gestarteten Reise erzählt Wong Kar Wai in seinem neuesten Werk.
Und – wenn man es sich recht besieht – handelten auch seine vorherigen
Filme eigentlich von nichts anderem als vom Auf und Ab der Liebe, dem
Zueinanderwollen, aber nicht können oder dürfen.
Diesmal heißt die Hauptfigur Elizabeth und wird verkörpert von Norah
Jones, die hier ihr erstaunlich souveränes, in jedem Fall aber
bezauberndes Debüt als Schauspiele-rin gibt. Ein verlorener
Schlüsselbund, verknüpft mit der Hoffnung, ihren Liebsten bei der
Abholung desselben noch einmal wieder zu treffen, verschlägt die junge
Frau in das kleine Café von Jeremy (Jude Law). Doch der sehnsüchtig
Erwartete taucht nicht auf, dafür freundet sich Elizabeth mit dem
sympathischen Café-Besitzer an. Um aber ihr Gefühlsschlamassel und ihre
Trauer endgültig hinter sich zu lassen, begibt sich die junge Frau
schon bald on the road, lässt sich treiben auf einer ziellosen Reise,
die sie zuerst nach Memphis führt, wo sie in einer Bar als Tresenkraft
aushilft. Dort lernt sie einen Stammgast (David Strathairn) kennen, der
hier jeden Abend wenig erfolgreich seinen Kummer darüber ertränkt, dass
seine Frau (Rachel Weisz) ihn für einen anderen verlassen hat. Das
tragische Ende dieser Episode treibt Elizabeth je-doch wieder zurück
auf die Straße und dann nach Las Vegas. In dem Spielerpara-dies trifft
sie die Zockerin Leslie (Natalie Portman), mit der sie einen
ungewöhnlichen Deal eingeht.
Als seien alle Beteiligten von der Hitze der Wüste ermattet, ändert
sich an dieser Stelle unerklärlicherweise auch das visuelle Konzept des
Films. Gestalteten sich bis hierher die Perspektivwahl und der Schnitt
noch ebenso ungewöhnlich und sprung-haft, wie man es von dem aus
Hongkong stammenden Regisseur (der hier erstmals nicht mit seinem
Stamm-Kameramann Christopher Doyle zusammen gearbeitet hat) gewohnt
ist, so werden die Aufnahmen jetzt schon fast konventionell.
Trotzdem bleiben die tollen Bilder und die eingängigen Songs die
einzigen Eindrük-ke, die von diesem Film noch eine Weile im Gedächtnis
haften bleiben. Denn dass in Herzensangelegenheiten der Umweg auch
schon mal die Abkürzung sein kann und die Liebe ebenso viele angenehme
wie unangenehme Überraschungen bereithält, das ist die ein wenig banale
Botschaft dieses viel zu episodenhaft wirkenden Road-movies. So ist
diese sentimentale Reise nett anzusehen (vor allem, was die Leistun-gen
der Darsteller betrifft) und man kann sich von dem Film auch ohne
größere Pro-bleme in eine melancholisch-blueslastige Stimmung versetzen
lassen. Letztlich aber ist es mit dieser ersten englischsprachigen
Arbeit des Regisseurs ein bisschen so wie mit den Songs seiner
Hauptdarstellerin: Man fühlt sich für die kurze Zeit ihres Genusses
angenehm wohlig, doch ebenso schnell verflüchtigt es sich auch wieder,
dieses schöne, leider nicht allzu lange vorhaltende Gefühl.
My Blueberry Nights, 95 Min., R: Wong Kar Wai, D: Norah Jones, Jude Law, Davis Strathairn, Rachel Weisz, Natalie Portman
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