Drive
Geschrieben von Dirk Lüneberg   

szenenbild_021400x931.jpgGangsterdrama – Start am 26.01.

Als  im vergangenen Herbst in den USA anlief, geisterte eine amüsante Meldung durch die Spalten für Vermischtes
: Eine Frau aus dem US-Staat Michigan verklagte den US-Verleih des Films, weil sie aufgrund des Trailers dachte, einen Actionstreifen mit zahlreichen Autoverfolgungsjagden im Stil von »Fast & Furious« zu sehen. Nun wollte sie ihr Eintrittsgeld zurück und gerichtlich auch in Zukunft verhindert wissen, dass solch irreführende Trailer überhaupt erst produziert werden. Es ist zwar davon auszugehen, dass die enttäuschte Frau mit ihrer Klage keinen Erfolg haben wird. Dass der Film jedoch nicht ihren Erwartungen entsprechen konnte, ist nicht zu leugnen.
In »Drive« spielt ein namenloser Fahrer die Hauptrolle, der tagsüber beim Film gefährliche Autostunts absolviert, während er sich nachts als gut bezahlter und diskreter Fluchtwagenfahrer einen Namen gemacht hat. Doch um das Actionpotenzial seines Protagonisten geht es Regisseur Nicolas Winding Refn nur am Rande. Vielmehr zeichnet er hier das klassische Porträt eines einsamen und tragischen Helden, wie man ihn sonst aus Western kennt. Der Mann bekommt zwar viel Anerkennung in seinen Jobs, doch glücklich macht ihn dies alles schon lange nicht mehr. Als sich ihm die Möglichkeit auftut, Profirennen zu fahren, und er sich noch in seine Nachbarin Irene (Carey Mulligan) verliebt, scheint sein Leben plötzlich wieder so etwas wie einen Sinn zu bekommen.
»The Ides of March«-Star Ryan Gosling spielt den Driver zurückhaltend mit einem wunderbar sehnsuchtsvollen Blick in den Augen. Der gebürtige Däne Nicolas Winding Refn, der sich mit Arbeiten wie »Pusher« oder »Walhalla Rising« einen Namen gemacht hat, inszeniert sein melancholisches Neo-Noir-Drama mit viel Bedacht, versteht dabei jedoch durchaus Spannung zu erzeugen, die sich gegen Ende in Momenten eruptiver Gewalt schlagartig und äußerst brutal entlädt. Angesiedelt in einem gesichtslosen, im 80er-Jahre-Look gehaltenen Los Angeles und mit coolen Eurosynthie-Sounds unterlegt, ist Refn einer der langsamsten, dafür zugleich stilvollsten Autoverfolgungsstreifen der Filmgeschichte gelungen.

USA 2011, 101 Min., R: Nicolas Winding Refn, D: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston, Christina Hendricks, Ron Perlman




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