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Lässt die Gema die Clubkultur sterben? |
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Geschrieben von Carsten Siemund
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ClubkulturSeit Wochen wird über ein Clubsterben diskutiert, falls die Gema ihre neuen Tarifpläne durchsetzt. Doch, worum geht es?
Begonnen hat alles als die deutsche Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte »Gema« beschloss, ihre Tarifstruktur zu verändern. Die Gema ist ein wirtschaftlicher Verein, der die Urheberrechtsansprüche seiner Mitglieder wahrnehmen soll. Sie sorgt also dafür, dass Komponisten und Textdichter Geld bekommen, wenn ihre Werke verwendet oder aufgeführt werden. Zu den Nutzern dieser Werke zählen auch Clubs—und hier entstand das Problem.
Bisher konnten Clubs eine pauschale Gebühr entrichten und damit so viel gebührenpflichtige Musik spielen, wie sie wollten; und das die ganze Nacht lang. Ab dem 1. Januar 2013 soll sich das nun ändern. Die Gema sieht in ihrer neuen Tarifstruktur keine pauschale Abgabe mehr vor, sondern will die Clubs nach Eintrittspreisen und der räumlichen Größe »besteuern«. Dadurch würden sich die Abgaben drastisch erhöhen, auf circa zehn Prozent des Umsatzes, der durch den Eintritt erwirtschaft wird.
So ist es kein Wunder, dass die Clubs auf die Straße gehen, denn einige Clubbesitzer—wie auch der deutsche Hotel- und Gaststättenverband »Dehoga«—klagen über jährliche Mehrkosten von 400 bis 1.000 Prozent.
Eine weitere Neuerung ist die Zeitbegrenzung. Der neue Tarif gilt nur für fünf Stunden. Fängt eine Party um 22 Uhr an, darf die Musik nur bis drei Uhr spielen; oder es werden noch einmal 50 Prozent Aufschlag für weitere drei Stunden fällig. So wäre fast jeder Club gezwungen 150 Prozent des neuen Regeltarifs zu bezahlen.
Warum unternehmen Gema-Mitglieder nichts gegen diese scheinbar schädliche Tarifreform? Die Gema ist so strukturiert, dass nur ein Teil der Mitglieder ein Stimmrecht hat. Es gibt drei Kategorien: Angeschlossene, außerordentliche und ordentliche Mitglieder.
Nur ordentliche Mitglieder können über Gema-interne Fragen abstimmen. Um ordentliches Mitglied zu werden, muss ein Künstler mindesten fünf Jahre dabei sein und in dieser Zeit 30.000 Euro Mindestaufkommen pro Jahr von der Gema erhalten. Dies sind zurzeit ca. 3.400 Mitglieder, also 5,2 Prozent der ca. 64.000 Mitglieder. Somit werden die kommerziell weniger erfolgreichen Künstler systematisch von Entscheidungen ausgeschlossen. Doch genau diese Künstler legen regelmäßig in Clubs auf oder werden dort gespielt und bilden somit das Herz der Clubkultur.
DJs, die ihre eigene elektronische Musik mixen und eigene Sets auflegen, können bei der Gema kaum den Nachweis führen, dass sie Gema-freie Musik spielen, denn dazu müssten sie lückenlose Playlists einreichen. Besonders Club-Musik ist jedoch eine spontane Interaktion mit dem Publikum, sie ist ein kreativer Entstehungsprozess und kein strikt festgelegtes Konzert.
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Es muss ein Konsens zwischen der Gema und den Nutzern gefunden werden, der den Urhebern ihren gerechten Lohn zukommen lässt, aber gleichzeitig auch die Clubszene in ihrem kreativen Schaffen unterstützt und auch wertschätzt. Doch besonders wichtig ist eine Demokratisierung der Gema, die in der Epoche der modernen Kommunikation auch kleinere Künstler an ihren Entscheidungen beteiligen sollte.
Hierzu führte Carsten Siemund für [030] ein Interview mit Olaf Möller, 1. Vorsitzender der Clubcommission Berlin. Das komplette Interview gibt es
hier.
Am 3. August um 16 Uhr gibt es auf BLN.FM ein exklusives Studiogespräch zwischen
Lorenz Schmid, GEMA-Bezirksdirektor in Hamburg, und Olaf Möller, 1. Vorsitzender der Clubcommission Berlin. Thema sind die neuen Tarife, besonders im Focus steht die geforderte 10 Prozent Abgabe der Clubs an die Gema.
Die Wiederholung läuft dann am Samstag 04.08. um 20 Uhr und noch einmal am Montag 06.08. um 14 Uhr.
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