| Urlaubsdisco vor der Tür! |
| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Relativ zerstört sitze ich in Berlin mit Augenringen und Schlafstörungen
und fühle mich absolut urlaubsreif. Na ja, das wäre nix Besonderes, nur
dass ich gerade aus dem Urlaub komme.
Und jetzt sitze ich hier am Rechner und überlege nochmal, ob da irgendwas schief gelaufen ist. Die Idee war: Sonne, Mittelmeer, gesund leben, ab und zu ein schönes Fischgericht und mal kein Szene-, Musik-, sonstiges Blabla für zehn Tage—mithin also abschalten und relaxen. Das Konzept war: Direktflug mit Easyjet nach Split, dann mit einer Fähre auf eine entlegene kroatische Insel, Apartment mit Meerblick, sah im Internet super aus, und da wird schon nichts schief gehen. Dass der Easyjet-Flug womöglich nur so halb komfortabel werden würde, ahnte man ja schon, deswegen bin ich tatsächlich zwei Stunden vor Abflug zum Flughafen, um im freie Sitzplatzwahl-Game ganz vorne zu liegen. Nutzt auch nix, wenn das Gate erst in letzter Minute bekannt gegeben wird, und so gab's denn den Gangplatz dann doch halt nur gemäß dem archaischen Recht des Stärkeren. Im wunderschönen Split zeigten uns kroatische Freunde die Stadt und setzten uns in die Fähre. Alles supi—wobei: 38 Grad ist schon sehr, sehr heiß. Das Ferienapartment schien auf den ersten Blick auch voll o.k., das Dörfchen bezaubernd, das Wasser superklar, der Strand zwar steinig, aber so ist das wohl an der Adria. Natürlich hätte man sich Schwimmschuhe kaufen können und sich das »Nee, in Ballerinas loof ick hier wirklich nicht rum«-Getue sparen können, auf alle Fälle, bevor ich volle Kanne in irgendeinen spitzen Stein getreten war. Das Thema Baden war somit erledigt. Das voll okaye Apartment hatte dann doch noch eine Eigenheit, die den Urlaubscharakter definitiv verändern sollte. Es war situiert an einer netten Strandbar, die allerdings einen Kilometer weit weg war und nachts sogar als Disco fungierte. Die Umfz Umfz Umfz Ibiza-ähnliche Schwachmatenmucke nachts war noch erträglich. Am ersten Morgen lernten wir jedoch, dass unser Apartment genau dort lag, wo die Stranddiscobesucher nach dem Partyabend auf die offenbar äußerst raren Taxis warteten. Jeden Tag von ca. drei Uhr nachts bis neun Uhr morgens zerschossene, rotzedichte grölende Gestalten direkt vor der Haustür, inklusive würdeloser Eifersuchtsdramen internationaler Pärchen, lautstarker Rangeleien um Taxiplätze und allem, weswegen noch so lamentiert werden kann. Im Kopf die Frage: Wäre es nicht cleverer gewesen, ein Bettchen im Ausgangsbereich des Berghains zur Erholung aufzustellen? Da wär's auch nicht so superheiß gewesen. Ach so, Fisch hab ich jetzt auch erst mal genug. Berlin kommt mir wie ein Kurort vor...
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