Gaga-Tickets
Geschrieben von Jürgen Laarmann   
Manche finden’s peinlich, ich steh dazu: Ich bin Lady-Gaga-Fan. Nicht wegen der Musik, sondern wegen der Show. Das Monster-Ball-Konzert vor zwei Jahren war eines der besten und aufwändigsten Konzerte, auf dem ich je war.

Deswegen hatte ich vor, auch zur »Born this Way« Show zu gehen. Ticketpreise bei 70 Euro für einen ungeliebten Stehplatz, etwa 120 Euro für einen schönen Sitzplatz.

So wunderte es mich nicht, dass die Show in Berlin nicht sofort ausverkauft war; auch ich zögerte, es machte mich geradezu manisch-depressiv. Einerseits dachte ich, wie toll es das letzte Mal war und neigte dazu zu sagen, scheißegal—das gönne ich mir jetzt mal, andererseits würde es bestimmt beim zweiten Mal nicht so dolle werden, wie ja auch die erste LP originell war und die zweite ein blöder Abklatsch. Und natürlich führen solche Ticketpreise auch dazu, sich zu überlegen, wofür man eigentlich sein Geld raushaut, und das machte mich dann wieder depressiv.

Die Frage war außerdem, mit wem hingehen. In meinem Freundeskreis konnte ich mit Lady Gaga nicht punkten. Es stellte sich heraus, dass von den finanzstärkeren Bekannten überhaupt keiner Lust auf »sich selber ein Ticket kaufen« hatte. Finanzschwächere kann man natürlich immer einladen, was bei den Preisen schon ne noble Geste wäre. In diesem Fall sollte es dann auch schon jemand Finanzschwächeres sein, der sich darüber freut, aber auch diese waren gar nicht so breit gestreut. Die Idee, dass ein solches Geschenk möglicherweise missverstanden werden könnte, turnte mich genauso ab, wie die Tatsache, dass ich gar nicht soviel Geld habe, hier den Spender-Boy zu spielen. Alleine gehen? Auch nicht funky: Dazu langte die Liebe zu Lady Gaga auch nicht.

Ganz berlinerisch kam mir noch die Idee, dass einer von der Plattenfirma oder vom Verlag mir doch Freitickets besorgen könnte. Manchmal klappt so was, manchmal nicht. Alleine diese Tatsache stürzte mich weiter in Depressionen, die soweit gingen, dass ich mich zwei Tage vor dem Event doch dazu durchgerungen hatte, einfach Tickets zu kaufen.  Leider war der Vorverkauf gerade geschlossen, es wären aber noch Tickets an der Abendkasse erhältlich. Am Veranstaltungstag kam die Absage der Plattenfirma. Ich beschloss, mir nichts draus zu machen und redete mir ein, es würde eh schrecklich werden. Der Konzertabend verstrich und ich traf mich statt dessen mit ein paar Freunden auf ein Glas Bier.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte und meine Mailbox abhörte, gab's die Nachricht vom Verlag, ein Kollege hatte keine Lust auf die blöde Gaga und hätte mir seine Karten abgetreten. Ich war fassungslos. Dumm gelaufen.

Es soll übrigens wieder toll gewesen sein.


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