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BerMuDa-Organisator Ulrich Wombacher im Interview |
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Geschrieben von Friedrich Reip
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Wir wollen uns nicht missbrauchen lassen
Gerade erst ist die Berlin Music Week (BMW) zu Ende gegangen, da sind
auch schon wieder die nächsten Termine dick rot im Kalender zu
umkringeln:
Bereits zum vierten Mal finden vom 31. Oktober bis zum 3.
November die BerlinMusicDays (BerMuDa) statt – vier Tage lang Workshops,
Vorträge, Ausstellungen und natürlich jede Menge Partys in über vierzig
Clubs. Ein Gespräch mit Ulrich Wombacher, Organisator der BerMuDa und
Manager des Watergate, über Musik und Politik in Berlin...
Warum habt ihr euch entschieden, eine von der BMW unabhängige Veranstaltung zu organisieren?Als wir die BerMuDa vor drei Jahren nach dem Wegfall der Popkomm gegründet haben, hat die Stadt uns gefragt, ob wir uns in das Format der BMW eingliedern wollen. Allein wegen der –freundschaftlichen – Konkurrenzsituation war das aber schon schwierig. Vor allem aber versucht Berlin so, zahlungskräftige Investoren in die Stadt zu holen – und arbeitet so im Grunde an unserer Verdrängung. Die Stadt verkauft sich nach außen als junger, kreativer Spot, will damit aber nicht andere junge Kreative anziehen, sondern das dicke Geld.
Anders als die Berlin Music Week werdet ihr also nicht vom Senat unterstützt...Richtig, denn wir wollen uns nicht missbrauchen lassen für ein Medium, dass nicht wirklich aus ehrlichen Gründen geschaffen wurde. Ich glaube nicht, dass wir uns langfristig als Clubszene halten können, wenn wir uns einer solchen städtisch geplanten Musikwoche anschließen. Wir existieren vielmehr trotz der Politik der Stadt. Wenn Clubs wirklich in Probleme geraten, springt für uns dort doch im entscheidenden Moment niemand in die Bresche!
Es heißt dann gern, die Berliner Szene verändere und entwickle sich eben...Dabei ist das ein großes Missverständnis: Es ist kein tolles »Kennzeichen« der Berliner Szene, dass sie sich ständig neu erfindet und durch die Gegend zieht: Das geschieht ja nicht freiwillig, sondern in Folge der Verdrängung durch Investoren.
Die Besitzer des Kater Holzig haben gerade den Zuschlag für die Bespielung ihres früheren Bar 25-Geländes erhalten – das ist doch ein Signal gegen das Konzept Mediaspree?
Langfristig wird es immer schwieriger. Berlin geht den gleichen Weg wie andere internationale Metropolen, ob London, New York oder Paris. Letztendlich geht es um die Kapitalisierung von Quadratmetern. Dass derzeit in Berlin so auf die Touristen geschimpft wird, ist eines der irrwitzigen Szenarien einer solchen Entwicklung. Dabei halten die eigentlichen Schuldigen ganz oben die Marionettenstäbchen, sitzen an den Reißbrettern und planen ganze Bezirke um.
Wird diese Problematik im Rahmen der Panels der BerMuDa thematisiert?Ja, aber es ist nicht mehr Kerninhalt unseres Programms. Wir haben uns da emanzipiert: Wir wollen uns nicht mehr im ständigen Untergrundkampf gegen etablierte Strukturen in der Politik präsentieren, sondern uns stattdessen mit den hausgemachten Themen in der Clubkultur auseinandersetzen. Das ist in diesem Jahr vor allem die GEMA, gerade auch, weil das Thema uns Clubbetreiber wirklich allesamt betrifft.
Welche Konsequenzen erwartet ihr, falls das neue Tarifgesetz wie geplant realisiert wird?Es entstünde eine Belastung, die Clubs an den Rand der Existenzfähigkeit drückt. Im Clubbereich wird nicht fair abgerechnet – zumal die Künstler, deren Musik in den Clubs gespielt wird, nach wie vor nicht von den Ausschüttungen profitieren würden. Die GEMA wertet ja nicht Playlists einzelner Clubs aus und hat daran auch gar kein Interesse. Stattdessen verwendet sie 200 in ganz Deutschland verteilte Blackboxen, die einmal pro Woche eine Stunde Club-Airplay aufzeichnen. Die GEMA beansprucht mit dem Prinzip eine 95%ige Treffsicherheit. Tatsächlich aber entsteht so ein völlig verzerrtes Bild.
Bei aller Ernsthaftigkeit in der Thematik: Worauf freust du dich in Zusammenhang mit den BerMuDa am meisten?Ich freue mich vor allem, dass wieder so viele Clubs beteiligt sind. Mit „In-Edit“ schließt sich uns in diesem Jahr ein unabhängiges Filmfestival an, bei dem Musikfilme gezeigt werden. Eine super Veranstaltung sind auch die Musiktechniktage vom „de:bug“-Magazin, wo man die Entstehung der Musik, die irgendwann in Clubs läuft, quasi von den kleinsten Anfängen an verfolgen kann. Hier sieht man die Keimzelle von all dem, was später passiert. Und ich freue mich, dass wir mit dem Kater Holzig eine Art Festivalzentrale gefunden haben. Der Club repräsentiert Berlins jetzige Situation: eine rohe Location, in der es schon so riecht, als käme morgen der Bagger, betrieben von Leuten, die wirklich Lust haben auf Kultur und nicht nur monetär denken. Es ist ein kultureller Schmelztiegel mitten in der Stadt – so etwas gibt es dann eben doch nirgendwo anders.
Das Interview führte Friedrich Reip
InfoBerlin Music Days (BerMuDa)
31.10. bis 03.11. Tagesveranstaltungen und Clubnächte in über 40 Locations, In-Edit Filmfestival, Musiktechniktage und das BerMuLab im Katerholzig
Das Programm: bermuda-berlin.de
Fly Bermuda Festival
Sa 03.11. ab 20 Uhr im Flughafen Tempelhof, Eingang Hangar 2 am Columbiadamm
Mehr zu BerMuDa-Programm und dem Festival und Line-up in der nächsten [030] Ausgabe
flybermuda-festival.de
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