Sportfreunde Stiller

Sportfreunde Stiller, Foto: Gerald von ForisGefühl statt Perfektion


Der Erfolg der Sportfreunde Stiller reißt nicht ab. Am Refrain ihres Nummer Eins - Hits „54, 74, 90, 2006“ kam zur WM 2006 niemand vorbei. Nur ein Jahr später führen die drei fußballverrückten Münchner mit ihrem sechsten Album „La Bum“ wieder wochenlang die Charts an. Nun kommen sie live in die Berliner Arena.
Wir sprachen mit Sänger Peter über Fans, Erfolg und preußische Ressentiments.


Euer neues Album ließ ja nicht lange auf sich warten. Ging euch „La Bum“ leicht von der Hand?
Zumindest seit September letzten Jahres – nachdem wir aus dem Urlaub zurück waren und wieder mit dem Proben begonnen hatten – ging’s relativ schnell. Man muss allerdings berücksichtigen, dass wir schon vor der Fußball-Platte begonnen hatten, Lieder für „La Bum“ zu schreiben. Da waren wir noch ziemlich uneasy und einigermaßen verkopft und verkrampft.

Weil nach eurem letzten sehr erfolgreichen Album der Erfolgsdruck zu groß war?
Irgendwie hatten wir keinen guten Zugang zueinander. Es war einfach keine gute Atmosphäre. Die Fußballplatte und alles, was im letzten Jahr passiert ist, war ein wirklicher Glücksfall, der uns – gerade was die Kreativität betrifft – neuen Schub gegeben hat.

Ihr seid mit relativ einfachen Songs, einer sehr kleinen Besetzung und einem gewissen Dilettantismus sehr erfolgreich. Spürt ihr manchmal Neid von anderen Musikern?
Man vernimmt immer mal wieder Stimmen, à la ‚Diese Dilettanten! Warum die? Warum nicht ich, der ich mein Instrument beherrsche?` Aber wahrscheinlich geht es einfach nicht darum, dass man perfekt ist oder perfekte Musik abliefert, sondern dass man ein Gefühl vermittelt. Zumindest uns geht es darum. Es gibt auch andere Ansätze und man hat da als Band natürlich die Wahl.
Wenn man von vielen Menschen gehört werden will, macht man irgendwann den Schritt aus dem Proberaum raus. Und wenn man auch noch relativ klare Texte schreibt, macht man sich automatisch angreifbar. Natürlich tut jede Kritik weh, aber es ist einfach Wahnsinn, wenn ich sehe, wie die Leute auf den Konzerten abgehen. Der Gesichtsausdruck von denen, wenn wir ein Lied spielen, ist viel wichtiger als das ganze Gerede.

Als euer Song im letzten Jahr in Fußballstadien intoniert wurde, war ja für einige eurer alten Fans eine Schmerzgrenze überschritten. Wie geht ihr damit um?
Ich kenne es ja auch von mir, dass Bands, die ich mal toll fand, irgendwann keine Rolle mehr für mich gespielt haben. Allerdings finde ich es schade, wenn man aufhört, eine Band zu hören, nur weil sie auch von anderen entdeckt wurde.
Wir machen heute nichts anderes als vor acht Jahren. Wir schreiben aus irgendeinem inneren Antrieb heraus Lieder und reden schon seit 2000 davon, einen WM-Song zu machen. Dass alles so krass gekommen ist, konnte ja keiner ahnen.

Geht nicht auch ein Teil der ursprünglichen Inspirationsquellen verloren, wenn man so erfolgreich ist wie ihr und kein „normales“ Leben mehr führen kann?
Die Tage auf Tour herum zu kriegen, ohne sich abzudichten, ist schon eine gewisse Herausforderung (lacht). Ich kann nachvollziehen, dass viele Musikanten Drogen nehmen oder Alkohol trinken, weil es wirklich oft darum geht, einfach viele Stunden abzusitzen. Ich sehe es aber eher als Herausforderung, die Zeit für mich sinnvoll zu nutzen.
Trotzdem, wenn wir ein halbes Jahr permanent in Sachen Musik unterwegs waren, dann ist man erstmal leer. Da ist nichts da. Worüber sollte man dann schreiben? Dass man tagelang abhängt und am Abend seinen Kick kriegt? Gerade deshalb sind mir die Beziehungen zu meinen Freunden so wichtig.

Erfolg hat seinen Preis. Welchen Preis musstet ihr zahlen?
Ich glaube, dass man für seinen Erfolg einfach arbeiten muss. Andererseits käme ich mir echt bescheuert vor, wenn ich jetzt anfangen würde zu jammern. Es ist aber schon erstaunlich, wie oft man sich für seinen Erfolg rechtfertigen muss. Das ist ein typisch deutsches Phänomen.

Spürt ihr eigentlich etwas von der viel beschworenen Krise der Musikindustrie? Es heißt ja oft, für Musiker sei es heute im Vergleich zu früher viel schwieriger, finanziell über die Runden zu kommen...
Direkt merke ich davon eigentlich nicht so viel. Ich stelle mir aber schon die Frage, warum junge Menschen, ohne mit der Wimper zu zucken, vier Euro für einen Klingelton ausgeben, statt dasselbe Geld in echte Musik zu investieren. Es gibt offensichtlich kein Bewusstsein mehr dafür, dass Musik ihren Wert hat. Das ist sehr schade. Wir haben das Glück, dass viele Menschen zu unseren Konzerten kommen. Wenn das nicht wäre, sähe es schlechter aus.

Hier in Berlin existiert ja ein generelles Ressentiment gegenüber Bayern und besonders München. Spürt ihr als Münchener etwas davon?
Wir merken von diesen Vorurteilen sehr wenig und sind immer saugern nach Berlin gekommen, auch wenn uns keiner zugehört hat. Wir waren bestimmt zehn Mal in Berlin und haben vor einer Handvoll Leuten gespielt. Es war trotzdem supergeil, weil wir nach den Konzerten um die Häuser gezogen sind.
Den Berlinern sage ich: Seid den Bayern gegenüber offen, auch wenn sie im Fußball sehr erfolgreich sind. Obwohl wir uns in rote Gewänder kleiden, sind wir echt okay.

Aktuelles Album „La Bum“ (Universal)
Sportfreunde Stiller live am 26.09. in der Arena


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