| Advent, Advent – ein Auto brennt |
| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Schwupps - und auf einmal ist es auch in unserer Nachbarschaft passiert.
Am Morgen waren ein ausgebranntes Autowrack, ein paar Polizisten, ein
Abschleppdienst und ein wehklagender Nachbar und ein paar diskutierende
Passanten in unserer Strasse zu bestaunen. Offenbar keine Spur von den Tätern. Zirka 250 Mal ist das nun schon in dieser Stadt passiert, in der »Abgefackelte Autos Bundesliga« liegt Berlin auf alle Fälle klar vor Hamburg mit »nur« 150 verbrannten Karossen in 2009. Interessant waren die unterschiedlichen Reaktionen der Passanten. Andere Autofahrer solidarisierten sich mit dem Opfer à la »Riesenschweinerei dette« und »Erhängen sollte man die Schweine, die so was tun« bis hin zu einem extrem sachlichen »Wowereit muss weg, der tut ja nix dagegen«. Fußgänger und BVG-Fahrer schienen alle recht froh zu sein, solcherlei Probleme nicht zu haben. Ein studentisch aussehender Typ fragte überall rum, ob man, wenn einem das Auto abgefackelt wird, auch noch die Abschleppgebühren selber bezahlen muss. So interessant diese Frage auch ist (ich weiß übrigens die Antwort immer noch nicht), so unbeliebt und verdächtig machte er sich damit bei der Autofahrerclique, bekam Schläge angedroht und suchte eilig das Weite. Auch am Abend war der Vorfall Thema in unserer WG. Mitbewohner R. fragte in die Runde: »Ist unser Stadtviertel, unser Straßenzug jetzt dadurch aufgewertet oder abgewertet? Landläufig heißt es ja immer, dass irgendwelche Linksradikale Autos abfackeln, weil die Mieten wegen Luxussanierungen steigen. Muss man also ein abgefackeltes Auto in der Nachbarschaft gewissermaßen als Adelung des Bezirks sehen?« »Na, also ich glaub nicht unbedingt, dass wir deswegen schon morgen eine Mieterhöhung kriegen und ‘ne Mietminderung schon gar nicht« meint Mitbewohner S.; »außerdem gefällt mir diese Pauschalthese nicht, dass es immer irgendwelche linke Fun-Terroristen sein sollen, wenn man keinen Täter findet, wenn mal ein Auto brennt. Vielleicht ist‘s ja ganz anders. Ich warte eigentlich die ganze Zeit auf die BZ Story von wegen der Abwrackprämie pleite gegangene irren Ex-Gebrauchtwagenhändler, der ein Trauma erlitten hat und einfach mal Autos hasst. Oder von jugendlichen Stuntman-Bewerbern, die für ihre ›Alarm für Cobra 11‹ Karriere nachts sehr intensiv geübt haben. Oder vielleicht steckt tatsächlich eine Sonderdivision des Senats dahinter, um das Konsumklima durch den erhöhten Bedarf an Neuwagen zu erhöhen. Es könnte natürlich auch die FDP sein. Oder die Werbeabteilung der BVG gemeinsam mit dem Umweltsenat, die sich mal guerillamarketingmäßig was für mehr Radfahren ausgedacht haben. Oder es könnte ein Schachzug der Versicherungswirtschaft sein, um die Prämien zu erhöhen.« Mal sehen, wie die Geschichte weitergeht...
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