Der App-Depp
Geschrieben von Jürgen Laarmann   
»Is ja schön und gut, was Menschen mit ihren kleinen Hi-Tech Handys so alles machen können, wenn sie nur nicht ständig darüber reden würden« fasste Arbeitskollege M. die Situation kompetent zusammen.

Wahrscheinlich wird »App« noch das Wort des Jahres, so viel wie man über die kleinen, wahlweise nützlichen, cleveren oder absolut überflüssigen Anwendungen für Smartphones reden kann.

Unser kleiner Lifestyle-Praktikant kommt jede zweite Pause angeschissen und wird nicht müde, uns irgendwelche Neuigkeiten auf seinem iphone zu zeigen. Mal kann er auf einmal Gitarre mit seinem Handy spielen oder hat eine haha-lustige Simulation am Start, mit der er so tun kann, als ob sein Phone ein Bierglas sei und er direkt einen Riesenschluck aus seinem Mobiltelefon nehmen kann. »Nun ja, jede Technologie muss ihre Missionare haben«, meint M., »aber irgendwann sollte jetzt die Begeisterung auch mal aufhören, was man für irren Scheiß auf sooo einem kleinen Bildschirm machen kann und das ist genau jetzt bei mir« und hielt ein langes Referat darüber, wie blöd doch manche sind, die sich über genau den gleichen Scheiß auf zwei mal drei Zentimetern freuen, obwohl es ihn im großen »echten« Internet doch völlig umsonst gibt und einen nicht mal eine Sekunde kratzen würde. So bekam der Lifestyle-Praktikant auf einmal immer neue Namen: Der App-Depp, der Äppler, der Appenzeller und ganz zuletzt Mr. Spapp (Synchronisation von Spasti und Application).

Je größer unser Desinteresse an dem Krempel wurde, den er anschleifte, desto bemühter wurde der junge Mann - und endgültig auf der Nerv ging er uns, als er uns zahlreiche Möglichkeiten, unser gesamtes Leben über sein Mobiltelefon zu organisieren (von Ausgaben, geplanten Events bis hin zur Diätplanung und der Autoinspektion), aufzeigen wollte.

Umso überraschter waren wir, nachdem er zwei Tage gar nicht bei uns im Büro erschienen war, als er verschämt fragte, ob jemand ein Base oder sonstiges Flatrate Handy hätte und ob er damit mal wirklich ganz kurz telefonieren könne. Auf die Frage, was mit seinem kleinen »Alleskönner« passiert sei, druckste er verschämt rum. Erst nach mehrmaligem Nachfragen erschloss sich das Drama. Um auch seiner neuen Freundin zu imponieren, hatte er erst im Apple Store ein Abo der »Markus Lanz kocht«-Rezepte runtergeladen und die Superidee gehabt, doch mal mit seiner Freundin gemeinsam zu kochen. Hat auch alles prima geklappt, bis die Freundin das kleine Smart-Mobilkochbuch aus Versehen in das Spaghetti-Salzwasser fallengelassen hat.
Eine Wasserdicht-App zum Runterladen hatte es wohl vorher nicht gegeben und der junge Mann wird wohl bis zur neuen Gerätegeneration warten, bis er sich ein neues holt…



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